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Massentest in Südtirol: Schlange stehen zum Corona-Check | BR24

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Positiv Getestete rausfiltern, in Quarantäne schicken und damit die Infektionskette durchbrechen: Das versuchen nun die Südtiroler mit einem freiwilligen Massentest. Noch bis morgen läuft der Test - und er wird bisher sehr gut angenommen.

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Massentest in Südtirol: Schlange stehen zum Corona-Check

Die Krankenhäuser in Südtirol stoßen wegen der Corona-Pandemie an ihre Grenzen. Massentests sollen den Anstieg der Fallzahlen nun bremsen. Schon am ersten Tag bildeten sich vor den Teststellen lange Schlangen.

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Georg Seebacher ist am Morgen einer der Ersten. In der Sporthalle seiner Gemeinde Terlan, einem Vorort Bozens, steht er an, um sich Watte-Teststäbchen in die Nase schieben zu lassen. Er finde es richtig, dass Südtirol alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen hat, sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

"Ich glaube, das ist ein Zeichen, dass wir jetzt zusammenhalten müssen", sagt Seebacher. "Wenn sich die Mehrzahl testen lässt, dann haben wir ein Ergebnis und wir können in den normalen Alltag zurückkehren. Die Wirtschaft wird wieder nach oben gehen und jeder kann wieder normal arbeiten."

95 Prozent der Klinikbetten mit Corona-Patienten belegt

Das ist die Hoffnung, die die Verantwortlichen in Bozen gesät haben. Die Hoffnung, mit der Aktion "Südtirol testet" die Ansteckungsketten zu durchbrechen und den zuletzt rasanten Anstieg der Covid-19-Infektionszahlen zu stoppen. Patrizia Haller hat sich für die Teststationen in der Terlaner Sporthalle als Helferin gemeldet: "Ich bin Krankenpflegerin, war früher auf der Corona-Station im Einsatz. Jetzt im Moment bin ich auf der Normalstation und dachte: Dadurch kann ich auch mal ein paar Tage hier am Wochenende mithelfen, um die Pandemie möglichst einzudämmen."

Die Provinz Südtirol ist in der Covid-19-Pandemie zuletzt immer mehr in die Krise geraten. 95 Prozent der Klinikbetten sind in der autonomen Provinz mit Corona-Patienten belegt. Das hat die Helferin Haller in ihrem Berufsalltag selbst erlebt. "Wir sind im Krankenhaus auf den Corona-Stationen relativ am Limit und die Bevölkerung muss mitmachen, sonst wird es schwierig."

Mehr als 100.000 Tests schon am Freitag

Der Eindruck des ersten Tages: Die noch bis Sonntag laufende Aktion wird angenommen. Nicht nur in der Sporthalle in Terlan, auch in der benachbarten Landeshauptstadt. "In Bozen wurden wir in den frühen Morgenstunden regelrecht gestürmt", berichtet Vize-Bürgermeister Luis Walcher." Das heißt, wir hatten schon um sieben Uhr und vorher Personen, die angestanden sind. Und als wir um Viertel nach acht zum Teil aufgesperrt haben, waren einige schon eineinhalb Stunden in der Warteschlange."

Bis Freitagabend um 20 Uhr nahmen bereits 103.000 Menschen teil - das ist schon fast ein Drittel der von den Organisatoren erwarteten Gesamteilnehmerzahl. Mehr als 1.500 Menschen wurden positiv getestet. Sie müssen jetzt für zehn Tage zu Hause in Quarantäne. Einige Teilnehmer kritisierten, dass sie auf das Ergebnis ihrer Tests, das per E-Mail oder SMS übermittelt wird, lange warten mussten.

Ziel: Diejenigen finden, die nichts ahnen

Die Verantwortlichen in Südtirol setzen vor allem darauf, dass durch den Massentest Infizierte, die keine Krankheitssymptome haben, erfahren, dass sie das Coronavirus in sich tragen. Experten vermuten, Ansteckungsketten würden häufig ausgelöst durch Menschen, die gar nicht spüren, dass sie infiziert sind.

Gerade deswegen, sagt der Organisator des Massentests, Patrick Franzoni, habe ihn gefreut, dass er viele Familien an den Teststationen gesehen habe. "Unsere Message ist ja: Man muss sich testen lassen, das ist wichtig - aber die ganze Familie muss das Testing durchführen. Weil sonst immer noch das Risiko besteht, dass jemand, der asymptomatisch ist und Viruslast hat, nicht getestet wird und diese Infektion weiterverbreiten kann."

Virologen in Italien haben sich kritisch zur Aktion in Südtirol geäußert und sprechen von "Geldverschwendung", weil mit dem verwendeten Antigen-Test bis zu 30 Prozent der Infizierten unentdeckt blieben. Die Verantwortlichen in Bozen aber setzen darauf, dass mit dem Massentest trotzdem eine Trendwende gelingt - wenn durch die Aktion zumindest ein paar Tausend asymptomatisch Infizierte erfahren, dass sie sich angesteckt haben.

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Südtirol kämpf gegen die zweite Corona-Welle: Der 7-Tages-Inzidenzwert liegt bei fast 800 - also gut fünfmal höher als bei uns. Deshalb geht die dortige Landesregierung einen eigenen Weg: Sie lässt gerade möglichst alle Bürger freiwillig testen.

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