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Masken: Kommunikation für Gehörlose erschwert | BR24

© dpa-Bildfunk/Daniel Bockwoldt

Mundschutzpflicht im öffentlichen Nahverkehr

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    Masken: Kommunikation für Gehörlose erschwert

    Seitdem beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr Maskenpflicht herrscht, können Gehörlose nicht mehr von den Lippen ablesen. Für viele ist dies eine Herausforderung. Außerdem fehlen häufig Gebärdensprachdolmetscher.

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    Sebastian Friebl ist hochgradig schwerhörig, er bezeichnet sich selbst als gehörlos. Eigentlich kommuniziert er in Gebärdensprache. Oft liest er aber auch von den Lippen ab. Aber wenn in Zeiten von Corona der Mund durch eine Maske bedeckt ist, kann er das "Mundbild" nicht erkennen.

    Durchsichtige Schutzmasken

    In Spanien nähen deswegen Freiwillige Mundschutzmasken mit durchsichtigem Sichtfenster, damit die Lippen sichtbar sind. Von Händlern werden auch Voll-Gesichtsschutz-Masken angeboten. Für Friebl an sich eine gute Idee, aber die Masken können durch die Atemluft beschlagen, so dass der Blick auf die Mundbewergungen erneut erschwert ist. Zudem müssten Hörende die spezielle Maske tragen - Friebl bezweifelt deshalb, ob sich diese Masken durchsetzen werden.

    Lippen ablesen ist anstrengend

    Für viele Gehörlose ist das Lippen-Ablesen zudem sehr mühselig. Über das Ablesen kann unter guten Bedingungen höchstens 30 Prozent verstanden werden. Doch häufig gibt es Missverständnisse. Viele Wörter wie "Butter" und "Mutter" sind anhand der Mundbewegungen kaum zu unterscheiden, so der Deutsche Gehörlosen-Bund.

    "In fast jedem Medium wird aktuell darüber berichtet. So führt es dazu, dass Hörende weiterhin glauben, dass das Lippenlesen real ist und sie die Verantwortung an den Tauben abgeben, wenn sie mit ihnen kommunizieren." Corinna Brenner, Aktivistin für Gebärdensprache

    Kommunikationshürden umgehen

    Um auf gleicher Ebene zu kommunizieren, gibt es aber Möglichkeiten: Schriftlich – mit Zettel und Stift oder Handy. Und der Einsatz von Händen und Gesten, die für alle verständlich sind. Zum Beispiel kann auf etwas gezeigt oder allgemein bekannte Bewegungen für Wörter wie "Nein" oder "Trinken" benutzt werden. Wenn sein Gesprächspartner dazu bereit ist, bittet Friebl auch Menschen, die Maske abzunehmen. Bei längeren und wichtigen Gesprächen aber werden Gebärdensprachdolmetscher benötigt.

    Informationen in Gebärdensprache fehlen

    Gerade in Zeiten von Corona fällt auf, dass Informationen in Gebärdensprache fehlen. Nach Protesten aus der Gehörlosen-Community und Interventionen des Deutschen Gehörlosen-Bundes werden inzwischen zum Teil Pressekonferenzen live vor Ort verdolmetscht. Bei den Pressekonferenzen vom Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) sind allerdings keine Gebärdensprachdolmetscher zu sehen. Diese sind dann nur online und oft zeitverzögert zu finden. Das Problem: Ältere und Menschen, die keinen Internetzugang haben, bekommen Informationen oft nicht mit. Diese gehören zum Teil auch der Risikogruppe an.

    Laut dem Deutschen Gehörlosen-Bund leben in der Bundesrepublik geschätzt rund 80.000 Gehörlose. Der Deutsche Schwerhörigenbund vertritt 14 Millionen hörbeeinträchtigte Menschen in Deutschland. "In Europa und auf der ganzen Welt sieht man überall Gebärdensprachdolmetscher, in Deutschland nicht", kritisiert Friebl.

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