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Masern: Diskussion um Impfpflicht geht weiter | BR24

© BR/Cecilia Reible

Nordrhein-Westfalen will eine Masern-Impfpflicht in Kindergärten. Der Brandenburger Landtag hat am Donnerstag bereits eine Masern-Impfpflicht in Kitas beschlossen. Auch der Bund bereitet einen neuen Gesetzesentwurf vor.

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Masern: Diskussion um Impfpflicht geht weiter

Nordrhein-Westfalen will eine Masern-Impfpflicht in Kindergärten. Der Brandenburger Landtag hat am Donnerstag bereits eine zwingende Masern-Impfung in Kitas beschlossen. Auch der Bund bereitet offenbar einen neuen Gesetzesentwurf vor.

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Bisher sind Eltern nicht verpflichtet, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen, wenn sie sie in eine Kita schicken. Es genügt, wenn sie nachweisen, dass sie sich zu der Frage haben beraten lassen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat sich darum erneut für eine Pflichtimpfung gegen Masern für Kinder in Kitas ausgesprochen. Das sei keine leichtfertige Entscheidung, sondern das Ergebnis sorgfältiger Abwägung, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland:

"Staatliches Handeln ist gefragt, wenn das Risiko, andere Kinder in Kindergärten, Schulen oder in anderen Einrichtungen zu gefährden, nicht anders in den Griff zu bekommen ist." Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin

Schließlich gehe es darum, Kinder vor einer lebensgefährlichen Krankheit zu schützen. Masern ist ein hoch ansteckende und selten auch tödliche Krankheit.

Vorschlag für ein Impfgesetz in Arbeit

Der zuständige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bereits Gespräche in der großen Koalition über einen solchen Schritt geführt. Er will wohl bald einen Vorschlag für eine gesetzliche Regelung machen. Allerdings könnte ein Impfzwang verfassungsrechtlich anfechtbar sein. Darauf hat schon vor zwei Jahren der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hingewiesen: Für Kita-Kinder könnte das noch einigermaßen funktionieren, bei Schulkindern ist das möglicherweise schwieriger, so die Experten.

Zwei Bundesländer preschen vor

Einige Länder sind da schneller: Brandenburg hat am Donnerstag eine Masern-Impfpflicht für Kinder in Kitas beschlossen und in Nordrhein-Westfalen zeichnet sich eine generelle Impfpflicht auch in Kindergärten ab: In NRW gab es heuer schon fast 100 Masernfälle. Die Hamburger CDU will nach einem Masernausbruch in Schleswig-Holstein eine Impfung für alle städtischen Mitarbeiter, die mit Kindern arbeiten.

Andere Bundesländer warten mit Zwang zur Impfung ab

In Niedersachsen sind die Masern zwar häufiger geworden, Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) will über eine Impfpflicht aber erst nachdenken, wenn der Trend länger anhält. Berlin sieht keinen akuten Handlungsbedarf und will auf eine Bundesregelung warten. Schließlich seien die Impfquoten bei Schulanfängern nah an 100 Prozent. Hessen will die Eltern mit besserer Aufklärung zur Impfung ihrer Kinder motivieren:

"Aus unserer Sicht ist eine Impfpflicht im Moment nicht verhältnismäßig und auch nicht notwendig." Kai Klose (Grüne), hessischer Gesundheitsminister

Impfung gegen Masern umstritten

Viele Ärzte sehen die Nebenwirkung einer Masernimpfung im Allgemeinen als harmlos: Sie gingen laut Robert Koch-Institut (RKI) meist nicht über Kopfschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit oder kleinere Reaktionen an der Einstichstelle hinaus. Nach einer Untersuchung des RKI haben von rund 26.000 gegen Masern geimpften Kindern nur rund 60 die Impfung schlecht vertragen. Extrem selten sind laut Bundesärztekammer Gehirnentzündungen oder der Abfall von Blutplättchen.

Die Gegner einer Masernimpfung halten das Risiko von Komplikationen nach einer Impfung für nicht kalkulierbar. Ihrer Meinung nach sind Masern eine harmlose Kinderkrankheit, gegen die die Impfung auch nicht immer helfe, und es sei für Kinder wichtig, solche Krankheiten durchzumachen, so z. B. der Impfgegner Hans Tolzin.

💡 Was sind Masern?

Masern sind eine Viruserkrankung, die schneller übertragen wird als etwa die Grippe oder Ebola. Wenn ein Infizierter niest oder hustet, bleiben die Viren noch zwei Stunden aktiv. Eine Infektion kann also noch erfolgen, wenn gar kein Infizierter mehr im Raum ist. Die Krankheit äußert sich mit hohem Fieber und später dann mit rotem Hautausschlag. Zudem können lebensgefährliche Komplikationen wie eine Lungenentzündung oder eine Hirnhautentzündung auftreten, insbesondere bei ohnehin abwehrgeschwächten Menschen wie Säuglingen oder Senioren.