BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© pa/SvenSimon
Bildrechte: pa/SvenSimon

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wartet auf die Ankunft der Länder-Regierungschefs an der Talstation der Zugspitzbahn, 25.10.19.

Per Mail sharen

    Markus Söder: Vom Maurer-Sohn zum Spitzenpolitiker

    Markus Söder ist fleißig und dominant, kennt die Macht der Bilder und ist in der CSU unangefochten - obwohl er sich im unionsinternen Kampf um die Kanzlerkandiatur verloren hat. Porträt eines Mannes, der eigentlich am Ziel seiner Träume schien.

    Per Mail sharen
    Von
    • Arne Wilsdorff

    "Söder unsere Neue Nummer 1" und "Die Zeit ist reif": Diese Sätze auf blauen Schildern bei der Landesversammlung der Jungen Union Bayern gefielen Markus Söder im November 2017 sehr gut. Seine jungen Fans waren die ersten in der Union, die offen Horst Seehofers Abgang als Ministerpräsident forderten. Wegen der Stimmenverluste der CSU bei der Bundestagswahl sah der Parteinachwuchs die Zeit für den damaligen Finanzminister gekommen. Fünf Monate später, im März 2018, war Söder bayerischer Ministerpräsident und damit im "zweitschönsten Amt nach dem Papst", wie es unter CSU-Politikern heißt. Im Januar 2019 holte sich der Franke auch den CSU-Vorsitz.

    Eigentlich war er damit vollendet. In Bayern auf den politischen Gipfel - das war das Ziel, auf das Söder jahrzehntelang hingearbeitet hatte. in diesem Frühjahr aber gab er sich auch damit nicht mehr zufrieden - sein Weg sollte noch weiter nach oben gehen. Nach JU-Chef, CSU-Generalsekretär, Landesminister und Ministerpräsident wollte er Kanzlerkandidat der Union und letztlich Bundeskanzler werden. Sein Hebel: die guten Umfragewerte.

    Zu Beginn des offenen Machtkampfs mit CDU-Chef Armin Laschet [zum Portrait] sagt Söder, es wäre für ihn "ein sehr leichtes gewesen zu sagen, da halte ich mich zurück bei solchen Umfragezahlen, da machen wir nichts". Er habe aber "auch nach vielen Wünschen aus der Bevölkerung, aus der Partei – nicht nur der CSU, auch der CDU – gesagt: Ich bin im Zweifelsfall auch bereit, eine solche Kandidatur anzunehmen".

    Im Kampfmodus auf den Spuren von Strauß und Stoiber

    Weil CDU-Chef Laschet schwächelte, versuchte Söder, nach der Unions-Kanzlerkandidatur zu greifen. Hätte es geklappt, wäre er der dritte CSU-Kanzlerkandidat gewesen - nach seinen eigenen Vorbildern Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber. Es folgten neun dramatische Tage - mit hektischen Telefonaten in der Union, Videoschalten, schließlich einem nächtlichen Spitzentreffen mit CDU-Chef Armin Laschet in Berlin.

    Letztlich musste sich Söder dem Vorsitzenden der großen Schwesterpartei geschlagen geben. Laschet zieht nun in den Wahlkampf und kann vom Wechsel ins Kanzleramt träumen - Söder bleibt auf dem Chefsessel in der bayerischen Staatskanzlei. Eine Niederlage die aber vorerst nichts daran ändert, dass Söder in der CSU die unangefochtene Nummer eins ist.

    Die Basis des politischen Aufstiegs

    Auf politischen Kampf und präzise Rhetorik versteht sich der promovierte Jurist und gelernte Fernsehredakteur Söder wie kein zweiter in der CSU. Als Chef der Jungen Union Bayern knüpfte er acht Jahre lang ab 1995 sein Netzwerk. Sein damaliger Stellvertreter Albert Füracker ist heute noch einer seiner treuesten Gefolgsleute und Nachfolger im Amt des bayerischen Finanzministers.

    Als CSU-Generalsekretär unter Parteichef Edmund Stoiber spielte Söder bereits in der ersten Politik-Liga zwischen Bierzelt und Talkshows. Söder nannte das Amt des Generalsekretärs damals den "eher militaristischen Teil der Politik". Und ergänzte: "Wer Beliebtheit als wichtigstes Ziel hat, der sollte sich mit einer anderen Politikaufgabe zunächst vertraut machen."

    Söder: "Ich bleibe Stoiberianer"

    Als Generalsekretär lernte Söder, keinem Interview aus dem Weg zu gehen. Jede Art von Öffentlichkeit machte ihn bekannter, wie etwa sein Einsatz für die ZDF-Mainzelmännchen oder das MDR-Sandmännchen. Edmund Stoibers Abgang als CSU-Chef und Ministerpräsident im Jahr 2007 bedauerte Söder. "Ich habe ihm persönlich viel zu verdanken", sagte er. "Und ich war, bin und bleibe Stoiberianer."

    Der CSU wandte sich Söder früh zu: Zuerst, so die Legende, hing ein Franz-Josef-Strauß-Plakat in seinem Jugendzimmer. 1983 trat der Gymnasiast im Alter von 16 Jahren in die Partei ein – zu einer Zeit, als Stoiber gerade als "blondes Fallbeil" Maßstäbe für nachfolgende CSU-Generalsekretäre setzte. Aber er sei "nur wegen Strauß eingetreten in die CSU", sagte Söder. Strauß habe all das verkörpert, was einen jungen Menschen an Politik fasziniere.

    © pa/AP(1) | pa/dpa(3) | pa/BREUEL-BILD(1) | pa/SvenSimon (1)
    Bildrechte: pa/AP(1) | pa/dpa(3) | pa/BREUEL-BILD(1) | pa/SvenSimon (1)

    Söder (v. l. oben im Uhrzeigersinn): Als Generalsekretär 2005 und 2006, in Veitshöchheim 2018, im ZDF 2014, als Ministerpräsident 2018 und 2021.

    Vom Handwerkersohn zum Ministerpräsidenten

    Söder engagierte sich in der Jungen Union Nürnberg, schloss sein Jura-Studium in Erlangen mit dem ersten Staatsexamen ab und volontierte beim Bayerischen Rundfunk. Als festangestellter Fernsehredakteur schaffte er es 1994 in den Bayerischen Landtag, hörte beim BR endgültig wieder auf, promovierte nebenbei in Jura. Der Aufstieg vom Maurer-Sohn zum Spitzenpolitiker war dabei Teil seiner Selbstinszenierung: Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten erinnerte er an seine verstorbenen Eltern - die ein kleines Bauunternehmen geleitet hatten. "Mir persönlich war es nicht in die Wiege gelegt, heute hier zu stehen", sagte Söder.

    Stoibers Nachfolger, Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), holte Söder 2007 erstmals ins bayerische Kabinett, als Europaminister. Diesen Posten ohne viel Etat und Einfluss interpretierte Söder für sich zum "bayerischen Außenminister" um, etwa mit einem öffentlichkeitswirksamen Maibaum-Aufstellen in der schlossartigen bayerischen Repräsentanz in Brüssel. Auf Marketing achtete der CSU-Politiker seit jeher: Sein Umwelt- und Gesundheitsministerium nannte Söder später "Lebensministerium".

    Minister ohne Skandale

    Durch Skandale fiel Söder nicht auf. Im Amt des Finanzministers senkte er Bayerns Zahlungen in den unbeliebten Bundesfinanzausgleich. Er verhinderte auch die drohende Pleite der Bayerischen Landesbank wegen ihres Kaufs der maroden Kärntner Bank Hypo Alpe Adria – allerdings durch den umstrittenen Verkauf von mehr als 30.000 halbstaatlichen Wohnungen an private Investoren. Der Untersuchungsausschuss im Landtag zu diesen Vorgängen schadete Söders Karriere nicht.

    Das gilt auch für die schlechte Meinung, die sein Ministerpräsident von ihm hatte: Horst Seehofer attestierte seinem Finanzminister Söder 2012 "pathologischen Ehrgeiz" und einen Hang zu "Schmutzeleien". Trotzdem machte er ihn später zum noch mächtigeren Finanz- und Heimatminister. Söder selbst kommentierte die Schmutzel-Vorwürfe damals im Landtag wie folgt: Bayern sei das stärkste Land, das es in Deutschland gebe. "Und in der Tat, ich habe einen großen Ehrgeiz, dass es noch besser wird, meine Damen und Herren."

    Innerhalb der CSU profilierte sich Söder in den vergangenen zehn Jahren als der kommende, starke Mann. Konkurrenten wie Ilse Aigner ließ er hinter sich und gewann schließlich auch den Machtkampf gegen Seehofer. Im März 2018 wurde Söder bayerischer Ministerpräsident und versprach "100 Prozent Einsatz für unser Land – nicht Bavaria first, nicht abgrenzend gegenüber anderen". Es komme auch nicht immer darauf an, nur das Maximale herauszuholen, sondern das Beste für Bayern zu erreichen.

    Historische Niederlage 2018 schadet Söder nicht

    Bei der Landtagswahl 2018 verlor die CSU mit Söder 10,5 Prozentpunkte und erreichte mit 37,2 Prozent ihr schlechtestes Wahlergebnis seit 1950. Söder musste im Freistaat mit den Freien Wählern von Hubert Aiwanger eine Koalitionsregierung bilden. Persönlich schadete es ihm nicht.

    Denn als Angela Merkel plötzlich den CDU-Vorsitz niederlegte, stieg auch der Druck auf Parteichef Seehofer, an der CSU-Spitze Platz für Söder zu machen. Und nachdem Aspiranten wie Alexander Dobrindt und Manfred Weber ihren Verzicht erklärten, sagte Söder: "Ich habe mir das lange überlegt, und es war keine einfache Entscheidung: Ich stelle mich damit in den Dienst der Partei."

    Söder erfindet sich neu

    In seiner Doppelrolle als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Parteichef erfand sich Söder neu – und bemühte sich um die Rolle des Landesvaters. Von einem der schärfsten Kritiker der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel – er benutzte das Wort "Asyltourismus" und entschuldigte sich später dafür – wandelte sich Söder zum Merkel-Freund. Er sorgte auch dafür, dass das Volksbegehren "Rettet die Bienen" im Landtag direkt angenommen wurde. Schließlich soll die CSU grüner werden.

    Aber erst die Corona-Krise verhalf Söder zu breiter Zustimmung in ganz Deutschland, seine Beliebtheitswerte stiegen. Bayerns "entschlossener und konsequenter" Weg habe sich gelohnt, lautete Söders Fazit schon während des ersten Lockdowns vor einem Jahr. "Zeitpunkt und Inhalt unseres Handelns war richtig. Wir haben Bayern vor dem Schlimmsten bewahrt."

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!