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Münchner Runde: Wie soll man mit Risikopatienten weiter umgehen? | BR24

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Wie können wir die Risikogruppe schützen, ohne sie zu bevormunden?

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Münchner Runde: Wie soll man mit Risikopatienten weiter umgehen?

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz fordert bei den Corona-Lockerungen, Risikopatienten nicht zu vergessen. Noch immer würden vor allem Pflegebedürftige unter strengen Kontaktbeschränkungen leiden. Wie reagiert die Politik?

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Das Coronavirus kann für viele ältere Menschen besonders gefährlich werden – aber eben nicht für alle. In der Debatte um den Schutz von Risikogruppen fühlen sich Senioren oft bevormundet. Altersmediziner warnen sogar vor Entmündig.

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Der Leiter der Virologie am Max von Pettenkofer-Institut Prof. Oliver Keppler weist in der Münchner Runde darauf hin, dass vielen nicht bewusst ist, wie groß die Risikogruppe tatsächlich ist. Denn zu ihr gehören beispielsweise auch Menschen, die an Krebs erkrankt sind, Jugendliche, die unter juveniler Osteoporose leiden oder Personen mit Diabetes. "Einige Leute propagieren, wir reden hier von ein paar wenigen Alten, die in Altenheimen sind und da drehen wir den Schlüssel um und schmeißen den weg. Und wenn Corona vorbei ist, schließen wir wieder auf. Das ist absolut nicht die Realität", so Keppler. Stattdessen gehe es um Millionen von vorerkrankten und älteren Menschen.

Isolierung von Kranken und Älteren?

In der immer wieder aufkommenden Debatte um die Isolierung von Risikopatienten vertritt der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann, eine klare Meinung. Er lehnt einen Ausschluss insbesondere der Älteren vom öffentlichen Leben strikt ab: "Das ist völlig an der Realität vorbei, denn unser Leben spielt sich zwischen den Generationen ab. 60-Jährige, 70-Jährige stehen mitten im Leben. Es ist eine reine Kopfgeburt zu glauben, man könne sie abschotten."

Kontakte werden weiter beschränkt

Allerdings gleichen die Regelungen in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen noch immer einem Flickenteppich. Im Zweifelsfall würde man dort auf Nummer sicher gehen und die Kontakte zwischen Pflegebedürftigen und Angehörigen weiter einschränken, beobachtet Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. In der Münchner Runde fordert er die Bayerische Staatsregierung daher auf, schnellstens zu handeln: "Die Landesregierung muss den Pflegeheim mit einem klaren Konzept heraushelfen. Diese Konzepte fehlen und so wurschtelt jeder herum. Herumwurschteln geht immer zu Lasten derjenigen, die wir eigentlich schützen wollen. Das können wir uns gerade jetzt nicht leisten. Bayern hat die Chance zu sagen, wir zeigen Euch den Weg."

Laut Florian Herrmann hat das Kabinett inzwischen ein Konzept für das Testen des Pflegepersonals in Heimen und Kliniken auf den Weg gebracht. Danach sollen die Kapazitäten von derzeit 11.000 auf 30.000 Corona-Tests erhöht werden.

Kommt eine zweite Corona-Welle?

Ein wichtiger Schritt, denn trotz der guten Entwicklung bei den aktuellen Infektionszahlen ist Prof. Oliver Keppler überzeugt, dass die Krise noch lange nicht überwunden ist. Im nächsten Herbst und Winter wird seiner Ansicht nach "das Virus wieder Fahrt aufnehmen".

Auch was die Suche nach einem Impfstoff anbelangt, zeigt sich der Virologe verhalten:

"Der Impfstoff, von dem wir alle träumen, der soll sehr sicher sein für alle Bevölkerungsgruppen, er soll hoch effektiv sein und vor einer Infektion schützen und er soll skalierbar sein, das heißt dass Milliarden Leute geimpft werden können. Ein solcher Impfstoff ist extrem schwer, vielleicht unmöglich zu bekommen."

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