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"Mama ich mag nicht mehr. Ich bin müde!" | BR24

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"Mama ich mag nicht mehr. Ich bin müde!"

Nicht wenige Kinder in Deutschland leiden unter Überforderung und Stress. Wie wir ihnen dabei helfen können, ihren Alltag selbstbewusst zu meistern – das erklärt uns der Neurobiologe und Lernforscher Professor Gerald Hüther. Von Ruslan Amirov

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Erneut waren die Schüler aus Singapur Sieger des PISA-Tests. Sowohl in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz hat der Stadtstaat aus Südostasien den Rest der Welt abgehängt. Den Preis für diese Goldmedaille zahlen die Kinder. Tage von bis zu zwölf Stunden, vollgestopft mit Unterricht, Nachhilfe und sonstigen Förderprogrammen, sind keine Seltenheit. Die Ansprüche der Eltern sind enorm und eine ganze Nachhilfeindustrie profitiert davon.

Freude am Lernen

Eine Tendenz, die auch in Deutschland erkennbar ist. Jedoch Kindern Wissen einzubläuen, nur weil wir Erwachsenen meinen, dass sie das am besten für den Wettbewerb des Lebens vorbereitet, kann langfristig auch das Gegenteil verursachen. "Wissen müssen sich die Kinder selbst aneignen wollen“, sagt der Neurobiologe und Lernforscher Prof. Gerald Hüther. Das Wichtigste was Schule Kindern mitgeben sollte, ist die Freude am Lernen. "Wer die Freude am Lernen verliert", so Hüther, "verliert auch die Freude am Leben." Eines der Hauptprobleme in Deutschland sei jedoch, dass unser Schulsystem nie dafür gedacht war, lernfreudige Kinder auszubilden.

"Wir erziehen Kinder zu Einzelkämpfern"

Wissen ist Macht, war lange Zeit die Maxime. Das Kind als Subjekt, mit seinen ihm eigenen Talenten, Begabungen und Besonderheiten stand dabei nie im Mittelpunkt.

An dieser Vorstellung der Bildung hat sich seit damals nicht viel geändert. Doch unsere Gesellschaft hat sich verändert. Wettbewerb und Effizienz sind die Götter der modernen Ökonomiegesellschaft.

"Unsere gegenwärtige Gesellschaft ist im Wesentlichen eine vom Wettbewerb bestimmte Konsumgesellschaft und deshalb brauchen wir Kinder, die möglichst wettbewerbsfähig sind. Wir erziehen sie zu Einzelkämpfern." Gerald Hüther

Jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland leiden unter hohem Stress, befand eine Studie der Bayer Health Care schon 2015. Das kann zwei Gründe haben: Entweder werde es dem Kind wirklich zu viel oder, so Hüther, "das Fundament, auf dem das Kind steht, ist zu dünn." Wir könnten dieses Fundament jedoch stärken. Wenn wir Kindern mehr Freiheiten ließen, lernten sie Vertrauen in sich selbst. Wenn wir für unsere Kinder bei Problemen tätig würden, anstatt ihnen "einfach nur über den Kopf zu streicheln", hätten sie mehr Vertrauen in andere. Wenn wir ihnen sagten und vorlebten: "Egal was kommt, es wird wieder gut!", dann hätten sie mehr Vertrauen in das Leben an sich. Daraus bestünde das Fundament, das unsere Kinder in der Wettbewerbsgesellschaft stärken könnte, meint der Neurobiologe.

Die Zukunft der Arbeit

Längst haben wir Werkzeuge erfunden, die schneller und effektiver arbeiten als wir. Jungen Menschen einfach viel Wissen beizubringen und ihnen vorzugaukeln, mit einem Abitur seien sie für die Zukunft bestens vorbereitet, ist vorgestrig. Keine moderne Gesellschaft braucht Nachwuchs, der mit seinem Schulwissen zu den Datenmengen von Google und Co. in Konkurrenz tritt. Die Zukunft der Arbeitswelt besteht aus Problemlösern und kreativ denkenden Köpfen, die wissen, wann und wozu sie welches Wissen brauchen, wo sie es herbekommen und wie sie es am besten anwenden. Es braucht Menschen, die richtig Lust darauf haben, sich ständig neues Wissen anzueignen, weil es ihnen Spaß macht und nicht weil sie müssen. Wir sind dazu verpflichtet, ihnen genau das beizubringen.