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Malta: Drei Jahre nach dem Mord an Daphne Caruana Galizia | BR24

© picture-alliance/ZUMA Press/Sachelle Babbar

Ein Bild von Daphne Caruana Galizia steht inmitten von Blumen, davor Grablichter

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    Malta: Drei Jahre nach dem Mord an Daphne Caruana Galizia

    Daphne Caruana Galizia wurde vor drei Jahren auf Malta durch eine Autobombe getötet. Bis heute ist der Mord nicht aufgeklärt. Ihre drei Söhne haben über ihre Arbeit ein Buch gemacht. Titel: "Sag die Wahrheit, auch wenn deine Stimme zittert."

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    "Schurken, wohin man schaut. Es ist zum Verzweifeln." Diesen Blogeintrag schreibt Daphne Caruana Galizia am 16. Oktober 2017 um 14:35 Uhr. Nur wenige Minuten später, um 14:58 Uhr, zerfetzt eine Bombe ihr Auto, die 53-jährige Journalistin ist sofort tot. Nur wenige Meter von ihrem Zuhause entfernt hört ihr Sohn Matthew die Explosion.

    "Ich erinnere mich nur noch daran, wie ich den Hügel runtergerannt bin und erst einmal gar nicht verstanden habe, was passiert ist", erzählt Matthew. Als er dann näher gekommen sei, habe er verstanden, dass das, was er sah, das Auto seiner Mutter war. Es sei nur noch ein Feuerball gewesen.

    Furchtlos gegen Korruption und Kriminalität

    Daphne Caruana Galizia musste sich mit zahlreichen Verleumdungsklagen herumschlagen. Die Journalistin schrieb über Korruption, Geldwäsche, Kriminalität, zunächst für Tageszeitungen, seit 2008 in ihrem eigenen Blog:

    "Malta ist gut 300 Quadratkilometer groß und wird überflutet von Kokain, Korruption und schmutzigem – nicht nur dreckigem – Geld." Aus dem Blog von Daphne Caruana Galizia

    Diese drei Dinge hingen zusammen, heißt es dort weiter, denn das schmutzige Geld aus dem Kokainhandel und dem Schmuggel sei Bargeld und müsse irgendwo untergebracht werden.

    Zur Buchmesse: Texte von Daphne Caruana Galizia erschienen

    Jetzt haben ihre drei Söhne ein Buch herausgegeben mit Texten ihrer Mutter, das zur Buchmesse auch auf Deutsch erschienen ist: "Daphne Caruana Galizia: Sag die Wahrheit, auch wenn deine Stimme zittert. Die Aufzeichnungen der ermordeten maltesischen Journalistin."

    Daphne Caruana Galizia war eine ungewöhnliche Frau, sie kannte keinerlei Furcht, legte sich mit den Einflussreichen ihrer Heimat an. Sie wertete auch die sogenannten Panama-Papers aus, die einen weltweiten Sumpf an Geldwäsche, Bestechung und Steuerhinterziehung belegen.

    Bestechung in höchsten Regierungskreisen aufgedeckt

    Kurz vor ihrem Tod recherchierte sie einen Gasdeal, in dem die maltesische Regierung der Firma Electrogas garantierte hatte, die von ihr erzeugte Energie 18 Jahre zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Schätzungen zufolge wurden allein im ersten Jahr 40 Millionen Euro über dem Marktpreis bezahlt.

    Der maltesische Electrogas-Direktor Yorgen Fenech habe dafür hohe Politiker bestochen und wollte das vertuschen, meint der Blogger Manuel Delia. Fenech habe eine Firma in Dubai gehabt, die Zahlungen an Panama-Firmen geleistet habe, die dem damaligen Stabschef der Regierung, Keith Schembri und dem damaligen Energieminister Konrad Mizzi gehört hätten.

    Mord immer noch nicht aufgeklärt

    Vetternwirtschaft bis in die höchsten politischen Kreise, nah am damaligen Premier Joseph Muscat. Der Geschäftsmann Yorgen Fenech sitzt inzwischen im Gefängnis, er gilt als Drahtzieher des Mordes.

    Doch auch drei Jahre danach ist noch immer nicht geklärt, wer wirklich hinter dem Mord steckt. Daphnes Familie will nicht aufgeben, will die Wahrheit wissen, so ihr Sohn Matthew: "Wir kämpfen weiter. Wir hoffen, dass wir Gerechtigkeit bekommen. Dass wir alles wissen werden, was wirklich passiert ist."

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