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Mahnerin oder Marionette? Ein Jahr "Klima-Greta"-Thunberg | BR24

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Am 20. August 2018 setzte sich ein 15-jähriges Mädchen vor den Reichstag in Stockholm, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Ihren Namen kannte damals kaum jemand: Greta Thunberg. Heute ist sie berühmt.

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Mahnerin oder Marionette? Ein Jahr "Klima-Greta"-Thunberg

Am 20. August 2018 setzte sich ein 15-jähriges Mädchen vor den Reichstag in Stockholm, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Ihren Namen kannte damals kaum jemand: Greta Thunberg. Heute ist sie berühmt.

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"Ich sitze hier vor dem Reichstag im Schulstreik fürs Klima", sagt das junge Mädchen einem Team des schwedischen Fernsehens: Schüchtern, leise, ein selbstgemaltes Pappschild in der Hand. Als "die 15-jährige Greta Thunberg aus Kungsholmen", wurde sie in den Lokalnachrichten vorgestellt.

Kungsholmen ist eine der Stockholmer Inseln, das berühmte Rathaus steht darauf, gute Adresse. Dazu passt die Familie: Greta Tintin Ernman Thunberg ist die Tochter des Schauspielers Svante Thunberg, heute ihr Manager, und der Opernsängerin Malena Ernman. Die beiden haben sie auf dem Weg zur Klimaschutz-Ikone gestützt. Kritiker sagen, sie haben sie dahin gepusht. Jetzt ist sie gefühlt die beste aller "Gutschweden".

Plastikmüll und Asperger

Bei einer Sportgala übergab sie Anfang des Jahres den Preis für den "Anführer des Jahres" an Janne Andersson, den Trainer der schwedischen Fußball-Nationalmannschaft. Damals erklärte sie: "In unsicheren Zeiten braucht man mutige Menschen, die sich trauen, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Die wissen, wann man nach vorn und wann man zurück gehen muss. Die Gemeinschaft vor das eigene Ich stellen, Zukunft vor Gegenwart." Das ist typisch Greta.

Im Alter von acht Jahren fing sie an, zu weinen und aß nichts mehr, weil sie einen Film über Plastikmüll in den Meeren gesehen hatte. Sie begann, sich mit Umwelt- und Klimaschutz zu beschäftigen. Dann kam die Diagnose "Asperger Syndrom", eine Art Autismus.

Darüber sprach sie schon sehr früh öffentlich in einer Talkshow: "Hätte ich kein Asperger und wäre ich nicht so merkwürdig, dann hätte ich mich wohl auch in den sozialen Netzwerken verfangen, nach denen alle so verrückt sind. Ich sehe die Welt aber anders und glaube, dass ich sonst nicht in der Lage wäre, von außen auf das Problem zu schauen."

"Ich will, dass ihr Panik bekommt"

Greta nimmt kein Blatt vor den Mund. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte sie: "Ich will, dass ihr Panik bekommt, dass ihr die Angst fühlt, die ich jeden Tag habe. Und dass ihr handelt, als stünde das Haus in Flammen."

Begeisterte Leser einer schwedischen Zeitung haben sie deshalb zur "Frau des Jahres" gewählt. Sie ist für den Friedensnobelpreis nominiert, hat viele prominente Politiker getroffen, auch den Papst, und alle haben ihr zugehört.

Ende September will sie beim Klimagipfel der Vereinten Nationen auftreten und im Dezember in Chile an der jährlichen UN-Klimakonferenz teilnehmen. Wenn sie heil in New York ankommt. Aktuell ist sie mit Papa und einem Dokumentarfilmer an Bord einer Renn-Segelyacht auf hoher See. Nichts für schwache Nerven und Mägen, das war ihr bei der Abreise im britischen Plymouth klar. Schließlich sei sie ein wenig seekrank, so Thunberg.

Verschwörungstheorien oder berechtigte Kritik?

Laut Online-Logbuch geht es ihr im Moment ganz gut. Heftiger Gegenwind kommt vor allem von Kritikern, die behaupten, sie sei eine Marionette düsterer Strippenzieher mit ökonomischen statt ökologischen Interessen. Beweise? Fehlanzeige.

Unangenehmer sind da schon Berichte, nach denen der Törn gar nicht so grün ist wie gedacht, auch wenn die Segelyacht selbst kein CO2 ausstößt. Denn der Skipper fliegt danach zurück nach Europa und auch die mehrköpfige Besatzung für die Rücktour nimmt den Flieger nach Amerika.

Greta Thunberg weiß, dass sie im Moment auf einer Erfolgswelle schwimmt. Bei ihrem letzten Schulstreik vor der Amerikareise sagte sie: "Dieses Medieninteresse wird sich auf Dauer nicht halten, das wissen alle. Deshalb versuche ich so viel wie möglich rauszuholen, solange ich das kann. Ich hoffe aber, dass der Fokus von einzelnen Personen auf die Forschung gelenkt wird. Statt mich zu interviewen, sollte man Forscher interviewen."