Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Machtkampf in Venezuela: Guaidó setzt alles auf eine Karte | BR24

© BR

Sttaschef Maduro und der selbst ernannte Übergangspräsident Guaido ringen weiter um die Macht in Venezuela. Beide Konrahenten behaupten, sie hätten die entscheidenden teile des Militärs hinter sich.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Machtkampf in Venezuela: Guaidó setzt alles auf eine Karte

Für Venezuelas umstrittenen Präsidenten Maduro ist der Putsch, wie er die gestrigen Krawalle mit vielen Verletzten und Festgenommenen nennt, vorbei. Sein Widersacher Guaidó rief für heute zu neuen Protesten auf.

Per Mail sharen
Teilen

Am Ende eines langen Tages stand Oppositionsführer Juan Guaidó mit leeren Händen da, und er war wieder allein: Leopoldo López, sein Partner im kämpferischen Duo, suchte noch vor Einbruch der Dunkelheit mit seiner Familie zunächst in der chilenischen Botschaft Zuflucht, wenig später dann in der spanischen Botschaft.

Fünf Jahre Haft liegen hinter dem einst einflussreichen Oppositionsführer López, zuletzt im Hausarrest, aus dem ihn nach eigenen Angaben abtrünnige Soldaten auf Befehl seines Parteikollegen Guaidó befreit haben sollen. So konnte er den Aufstand mit anführen, der im Morgengrauen mit einer gemeinsamen Videobotschaft vor einer Militärbasis begann. Fast einen Tag lang genoss López die Freiheit und ließ sich von Oppositionsanhängern bejubeln:

"Wie in der freien Welt werden die Streitkräfte ihren Teil zur Befreiung und Rettung unseres Landes beitragen. Venezuela versinkt im Elend und das Volk will, dass sich alles ändert. Wir sind überzeugt, dass es kein Zurück gibt. Das Volk und seine Armee werden die illegale Machtaneignung beenden, eine Übergangsregierung einsetzen und freie Wahlen durchführen." Leopoldo López, Oppositionsführer

Erneut an der Armee gescheitert

Wieder setzte die Opposition auf den Seitenwechsel der Armee, wieder scheiterte sie. Auch Ende Februar, als Guaidó die Soldaten vor die Wahl stellte, humanitäre Hilfe aus Kolumbien ins Land zu lassen oder weiter zu Machthaber Maduro zu halten, war die Rechnung nicht aufgegangen. Was aus der Handvoll Soldaten geworden ist, die sich in der Videobotschaft an Guaidós und López‘ Seite gezeigt hatte, ist unbekannt.

Zusammenstöße, Verletzte und Festnahmen

Gestern baten 25 Soldaten um Asyl in der brasilianischen Botschaft. Tausende Regierungsgegner waren in Caracas auf die Straße gegangen. Besonders an der Militärbasis, an der Guaidó den Aufstand ausgerufen hatte, lieferten sich gewalttätige Demonstranten heftige Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Die versuchten, die Menge mit Tränengas und Wasserwerfern zu vertreiben. Ein Panzerfahrzeug rammte eine Gruppe. Insgesamt wurden Dutzende Menschen verletzt.

© BR

In Venezuela hat ein Militärfahrzeug eine Gruppe von Demonstranten gerammt. Mehrere Personen wurden verletzt. Offenbar hatten sich Teile der Arme gegen Präsident Maduro erhoben.

Auch in anderen Städten des Landes reagierte die Staatsmacht mit Repression. Die Nichtregierungsorganisation Foro Penal zählt 25 verhaftete Regierungsgegner außerhalb von Caracas. Der Zugang zur Information wurde behindert, das Internet zeitweise abgeschaltet, Onlinemedien blockiert, private Radio- und Fernsehsender abgeschaltet.

"Wir werden sie nicht durchlassen!"

Das Staatsfernsehen sendete seine Propaganda wie gewohnt und zeigte Diosdado Cabello, den Chef der regierungstreuen Verfassungsversammlung. Er rief seinen Gegnern zu, sie seien Vaterlandsverräter, Lakaien des US-Imperialismus: "Sie sagen, sie wollen unser Land wieder aufbauen. Als wäre unserem Volk nicht klar, dass wir ihretwegen in diese Situation geraten sind. Sie sagen, sie wollen hierher zum Präsidentenpalast kommen. Aber wir werden sie nicht durchlassen!" Der Putschversuch sei gescheitert, behauptete Cabello.

Aufruf zu neuen Protesten

Der vom entmachteten Parlament ernannte Interimspräsident Guaidó widersprach: Da er legitimer Staatschef und damit Befehlshaber der Streitkräfte sei, könne von einem Putsch nicht die Rede sein. Vielmehr handele es sich um eine friedliche Rebellion. Deren Ergebnis ist bislang mager.

Seine Hoffnung setzt Guaidó auf den heutigen Tag. Wieder hat er zu Massendemonstrationen aufgerufen. Ganz Venezuela solle auf die Straße gehen. Wenn sich die Menge in Caracas entschließen sollte, zum Präsidentenpalast zu ziehen, könnte das eine neue Gewissensprobe für die regierungstreuen Soldaten werden. Guaidó hat mit dem Aufruf zur Rebellion alles auf eine Karte gesetzt - die spielt er heute aus.

© BR

Die politische und militärische Lage in Venezuela bleibt unklar. Heute rief Juan Guaidó zu Protestmärschen auf, um Präsident Maduro aus seinem Amt zu drängen. Der kann weiter auf viele Militärs zählen.