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Machtkampf in Bolivien - Staatssender besetzt, Polizei meutert | BR24

© ARD

Seit Wochen gibt es in Bolivien Proteste gegen Staatschef Morales. Nun sind offenbar auch Polizisten ins Lager der Demonstranten gewechselt. Zwei staatliche Sender wurden gezwungen, ihr Programm zu unterbrechen.

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Machtkampf in Bolivien - Staatssender besetzt, Polizei meutert

Seit Wochen gibt es in Bolivien Proteste gegen Staatschef Morales. Nun sind offenbar auch Polizisten ins Lager der Demonstranten gewechselt. Zwei staatliche Sender wurden gezwungen, ihr Programm zu unterbrechen.

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Nach der umstrittenen Präsidentenwahl wächst der Druck auf Boliviens Staatschef Evo Morales: In mehreren großen Städten haben sich Polizisten Berichten zufolge den Protesten gegen ihn angeschlossen. Die Polizeiwache am Präsidentenpalast in La Paz verließ demnach ihren Posten.

Regierungsgegner besetzen staatliche Sender

Regierungsgegner drangen zudem in die Zentralen der staatlichen Sender Bolivia TV und Radio Patria Nueva ein und unterbrachen das Programm. Patria Nueva-Chef Ivan Maldonado sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Wir sind gewaltsam verjagt und bedroht worden."

Staatschef Morales twitterte, organisierte Gruppen hätten die Mitarbeiter der Sender bedroht und eingeschüchtert und sie dann gezwungen, ihre Arbeitsplätze zu verlassen. "Sie sagen, dass sie die Demokratie verteidigen, verhalten sich aber wie in einer Diktatur." Die Häuser der Gouverneure zweier Departments sowie das seiner Schwester seien angezündet worden.

Morales spricht von Putschversuch

Morales hatte einige Stunden zuvor in einer Fernsehansprache erneut von einem Putschversuch gesprochen und seine Anhänger aufgefordert zu mobilisieren. Die Polizei ermahnte er, die Verfassung zu erfüllen.

Oppositionsführer Luis Fernando Camacho dankte der Polizei auf Twitter dafür, dass sie auf der Seite des Volkes stehe. Er bedankte sich auch bei den Streitkräften. Deren Oberbefehlshaber Williams Kaliman hatte auf einer Pressekonferenz erklärt, Soldaten würden nicht gegen das Volk vorgehen.

Seit Wochen Proteste gegen offizielles Wahlergebnis

In Bolivien gibt es seit Wochen massive Proteste gegen das von der Wahlkommission verkündete offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Demnach trug Amtsinhaber Morales knapp den Sieg davon. Die Opposition vermutet Wahlbetrug.

Morales ist der dienstälteste Präsident des Kontinents. Bereits seit 2006 leitet der frühere Koka-Bauer die Geschicke Boliviens. Der 59-Jährige hatte sich zum dritten Mal zur Wiederwahl gestellt, obwohl die Verfassung nur eine Wiederwahl vorsieht. Morales überwand diese Hürde mit Hilfe der Justiz, die die Begrenzung der Amtszeiten als Verletzung seiner Menschenrechte bezeichnete.