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Seit Monaten streiten die Türkei und Griechenland um ein Gebiet im östlichen Mittelmeer, wo reiche Gasvorkommen vermutet werden. Bundesaußenminister Maas hat beide Länder nun eindringlich vor einer Eskalation gewarnt.

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Maas warnt vor militärischer Eskalation im Mittelmeer

Seit Wochen streiten sich Griechenland und die Türkei um riesige Gasvorkommen im Mittelmeer. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ist nun zu Vermittlungsgesprächen in die Region gereist. Doch die Zeichen stehen keinesfalls auf Entspannung.

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Von
  • Markus Wolf
  • BR24 Redaktion

Wem gehören die Seegebiete im östlichen Mittelmeerraum? Sowohl Griechenland als auch die Türkei beanspruchen das Territorium für sich. Grund für den Streit sind riesige Gasvorkommen, die dort vermutet werden. Die Fronten sind verhärtet. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will nun vermitteln.

Frage nach Gebietsansprüchen ungeklärt

Seit Wochen schaukelt sich der Streit zwischen Griechenland und der Türkei um Seegebiete im Mittelmeer hoch. Ausgelöst hatte den Konflikt die Aussendung des türkischen Forschungsschiffes "Oruc Reis", das - begleitet von Kriegsschiffen - vor griechischen Inseln im östlichen Mittelmeer nach Erdgas sucht.

Ankara argumentiert, dass das Gebiet zum Festlandsockel der Türkei gehöre. Der Türkei sind aber die griechischen Inseln Rhodos und Kastelorizo vorgelagert, weshalb Griechenland das Seegebiet für sich beansprucht. Deutschland startet einen neuen Vermittlungsversuch. Außenminister Maas ist deshalb heute zu Friedensgesprächen mit beiden Parteien in die Region geflogen.

Maas ruft zur Deeskalation auf

Wie viel der Vermittlungsversuch tatsächlich gebracht hat, lässt sich allerdings schwer sagen. Athen und Ankara zeigten sich nach den Gesprächen zwar grundsätzlich zum Dialog bereit, signalisierten aber beiderseits kein konkretes Entgegenkommen. Stattdessen waren die öffentlichen Äußerungen der Außenminister Nikos Dendias und Mevlüt Cavusoglu von gegenseitigen Schuldzuweisungen geprägt.

Maas rief die beiden Nato-Partner deshalb nochmals eindringlich zu Kompromissen auf. "Die Situation ist hoch riskant", sagte er. "Wer sich immer näher auf den Abgrund zubewegt, der kann irgendwann dann auch hinunterfallen." Es seien nun dringend "sichtbare Schritte" zur Deeskalation notwendig. Die Lage im östlichen Mittelmeer habe sich zu einem "Spiel mit dem Feuer" entwickelt, so der SPD-Politiker.

Maas bekundete in Athen gleichzeitig die volle Unterstützung Deutschlands für Griechenland. Die Bundesrepublik und die gesamte EU stünden "in fester Solidarität an der Seite Griechenlands", sagte der Minister nach dem Treffen mit seinem griechischen Amtskollegen. Gleichzeitig betonte Maas aber auch, dass niemand ein Interesse an einer militärischen Konfrontation unter Nato-Partnern und Nachbarn haben könne. Die Spirale der Eskalation im östlichen Mittelmeer bereite vielen EU-Partnern und Nato-Verbündeten große Sorgen.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Griechenland begrüßte das Engagements Deutschlands. Außenminister Dendias forderte aber auch Sanktionen von der Europäischen Union. Die Türkei betreibe im Mittelmeer "grenzenlosen Expansionismus". Griechenland werde seine Grenzen schützen, die auch Grenzen der EU seien. Athen sei zwar zum Dialog bereit - aber nur unter der Bedingung, dass die Bedrohung durch die Türkei beendet werde, so der griechische Außenminister Dendias.

Die Türkei wiederum machte Griechenland für das Scheitern von vorherigen Vermittlungsversuchen verantwortlich. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte an Athen: "Wenn Ihr einen falschen Schritt macht, dann werden wir diesmal ohne Bedenken tun, was nötig ist." Die Türkei sei grundsätzlich zu Gesprächen - aber nicht, wenn die andere Seite Vorbedingungen oder Maximalforderungen stelle.

Bereits vor seinem Abflug machte Maas allerdings auch deutlich, dass das über Thema auch im Kreise der EU-Außenminister in dieser Woche in Berlin noch einmal diskutiert werden solle. Deutschland wolle seine EU-Ratspräsidentschaft gern dazu nutzen, dass es zwischen der EU und der Türkei "auch in Zukunft einen konstruktiven Dialog gibt", so Maas.

Mahnende Worte an Russland im Fall Nawalny

Während seiner Reise äußerte sich Maas auch zu der mutmaßlichen Vergiftung des russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny. Der Minister forderte Russland erneut zu einer umfassenden Kooperation in dem Fall auf. Es sei unabdingbar, dass alles getan werde, um die Vorgänge transparent zu machen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn Russland ein Interesse an guten Beziehungen zu Deutschland und zur EU habe, könne das Land jetzt einen guten Beitrag dazu leisten, so der Außenminister. Nawalnys behandelnde Ärzte in der Berliner Charité gehen nach einer Auswertung von klinischen Befunden davon aus, dass der Oppositionelle vergiftet wurde.

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Der deutsche Außenminister Heiko Maas war heute sowohl in Athen als auch in Ankara, um im Konflikt um ein Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer zwischen Griechenland und der Türkei zu vermitteln.

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