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Auspuff eines Autos
© picture-alliance/dpa
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Auspuff eines Autos

Der Geretsrieder Kinderlungenarzt Franz Bundscherer steht weiterhin hinter der Stellungnahme einiger Lungenärzte, in der sie die geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid in Frage gestellt und deren Wissenschaftlichkeit angezweifelt hatten. Er habe den Aufruf des Lungenarztes Dieter Köhler unterschrieben, weil er die Diskussion um Stickoxid-Grenzwerte als sehr unsachlich geführt empfunden habe, sagte Bundscherer der radioWelt auf Bayern2.

"Es wird wiederholt so hingestellt, als würden konkret Todesfälle durch die Belastung mit Schadstoffen auftreten. Das ist so nicht ganz korrekt", beklagte Bundscherer. Es handele sich um Risiken, die erhöht seien, genauso wie bei Übergewicht oder Rauchen. Das lasse sich mit statistischen Verfahren berechnen.

Fehlerhafte Berechnungen Köhlers

Köhler hatte am Donnerstag nach einem Bericht der Zeitung "taz" Fehler in seinen Berechnungen eingeräumt. Er habe sich um den Faktor 100 verrechnet, als er die Schadstoffbelastung durch Zigarettenrauch mit der Luft an stark befahrenen Straßen verglich. Zudem habe er die Konzentration von Stickoxid im Zigarettenrauch falsch angegeben.

Bundscherer fordert niedrigere Grenzwerte

Trotz dieser Fehler bleibt Bundscherer, einer von sieben bayerischen Lungenfachärzten, die die Stellungnahme unterschrieben hatten, bei seiner Forderung nach niedrigeren Grenzwerten. "Ich denke, es ist wichtig, dass man diese Werte in der Zukunft immer weiter absenkt und immer bessere Werte erzielt", so der Mediziner.

Er fügte hinzu: "Die Frage ist: In einem Land, in dem die Werte ohnehin seit Jahren sinken, und in dem wir immer älter werden und gesünder werden - ob man dann Menschen das Recht nehmen soll, mit ihren Autos in die Stadt zu fahren, ob das noch adäquat ist, oder ob man da nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat?"

Kontroverse Debatte

Die Initiative der 100 Lungenfachärzte hatte in den vergangenen Wochen eine hitzige Debatte über die Schädlichkeit von Stickoxiden und die Höhe von Grenzwerten ausgelöst. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte die Initiative begrüßt und die EU-Kommission aufgefordert, den NO2-Grenzwert zu überprüfen.

Demgegenüber zogen unter anderen SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach und der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Cem Özdemir (Grüne), die Aussagen der Lungenärzte in Zweifel. ". "Wir haben keine Studien, die derzeit die Gefährdung in Frage stellen würden. Im Gegenteil", betonte Lauterbach.