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Luftschadstoffe: Wo entstehen sie, wie gefährlich sind sie? | BR24

© dpa-Bildfunk/Bernd Weissbrod

Feinstaub-Messstation in Stuttgart

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    Luftschadstoffe: Wo entstehen sie, wie gefährlich sind sie?

    Nach der Kritik an den EU-Grenzwerten für Stickoxide und Feinstaub tobt die Debatte um Luftschadstoffe. Fachgesellschaften haben auf die Kritik reagiert und betonen, die Schädlichkeit ist belegt. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

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    Woher kommen Stickoxide?

    Stickstoffdioxid entsteht immer dann, wenn etwas bei hohen Temperaturen verbrennt: Wenn ein Metallbauer Stahl-Teile verschweißt, wenn in einer Glasfabrik Ampullen per Gasflamme in die richtige Form gebracht werden oder wenn Automotoren Dieseltreibstoff verbrennen. Dann reagiert der Stickstoff aus der Luft mit Sauerstoff – und es entsteht unter anderem Stickstoffdioxid. Auch andere Verbindungen wie Stickstoffmonoxid entstehen, das Gemisch fasst man unter dem Namen Stickoxide zusammen.

    Wie wirken sie sich auf die Gesundheit aus?

    Gesundheitlich relevant ist vor allem Stickstoffdioxid: Es ist ein Reizgas, das tief in die Lunge eindringt. Atmet ein Mensch zu viel Stickstoffdioxid ein, löst das Entzündungsreaktionen in der Lunge aus. Atmet man anschließend wieder frische, unbelastete Luft, können sich die Zellen erholen. Ist ein Mensch aber dauerhaft einer zu hohen Belastung ausgesetzt, kann es sein, dass die Lunge sich nicht mehr regeneriert.

    Asthmatiker reagieren schon auf relativ geringe Konzentrationen, bei ihnen kann Stickstoffdioxid zusammen mit bestimmten Allergenen zur Bronchienverengung führen. Was Stickstoffdioxid in Abgasen aus dem Verkehr angeht, lässt sich allerdings schwer abschätzen, ob die beobachteten Erkrankungen allein dem Stickoxid zuzurechnen sind oder anderen Schadstoffen, die mit Stickstoffdioxid zusammen auftreten. Das stellt auch das Expertengremium der WHO in seinen Richtlinien zur Luftqualität fest. Als gesichert gilt aber die Beobachtung, dass bei stark mit Stickoxiden belasteter Luft Bedingungen herrschen, die Menschen krank machen.

    Wie entsteht Feinstaub?

    Feinstaub entsteht an vielen verschiedenen Orten: Im Automotor, wenn bei der Verbrennung von Benzin oder Diesel kleine Rußpartikel entstehen, in Kraftwerken, Heizungen, Abfallverbrennungsanlagen. Filter können einiges davon zurückhalten, doch gerade die besonders kleinen Partikel gelangen oft in die Umgebungsluft. Im Winter kommen noch private Kaminöfen hinzu, bei denen wegen schlechter Verbrennung besonders viel Feinstaub entsteht.

    Außerdem entsteht Feinstaub durch Abrieb von Autoreifen oder Bremsbelägen oder Abrieb von Rollsplit auf dem Fahrbahnbelag. Auch die Landwirtschaft erzeugt Feinstaub: Vor allem, weil aus Schweine- und Rinderställen Ammoniak entweicht. Dieses Gas verbindet sich in der Luft mit anderen Stoffen zu kleinen Feinstaubpartikeln.

    Wie wirkt sich Feinstaub auf die Gesundheit aus?

    Feinstaub belastet zuerst Lunge und Atemwege. Er reizt die Schleimhäute und löst Asthmaanfälle oder Atemnot aus. Wenn die Partikel in die Lungenbläschen eindringen, führt das zu winzigen Entzündungsherden und es kann zur Entstehung von Lungenkrebs beitragen. Besonders kleine Feinstaubpartikel aber können auch in die Blutbahn gelangen und den ganzen Körper belasten. Auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist belegt, dass sie eine Folge von zu großer Feinstaub-Belastung sein können. Auch gibt es den Verdacht, dass Feinstaub die Entstehung von Diabetes begünstigen kann.

    Generell betonen Umweltmediziner: Feinstaub ist als Luftschadstoff gefährlicher als Stickstoffdioxid. Die "Global Burden of Disease Study", bei der über 1.000 Forscher aus aller Welt Gesundheitsrisiken bewerten, kommt zu dem Ergebnis: Feinstaub in der Außenluft liegt unter allen Risikofaktoren, die das Leben verkürzen, auf Rang 5 (Auf Rang 1 bis 4: Bluthochdruck, Rauchen, Erhöhte Glukosewerte, Erhöhte Cholesterinwerte).

    Doch weil Feinstaub aus so vielen verschiedenen Quellen kommt, ist es komplizierter als bei Stickoxiden, die Belastung großflächig zu senken.