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Lügde-Prozess: Beide Hauptangeklagte legen Geständnisse ab | BR24

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Der Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat heute am Landgericht Detmold begonnen. Angeklagt sind drei Männer. Die jüngsten Opfer sollen im Kindergartenalter gewesen sein.

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Lügde-Prozess: Beide Hauptangeklagte legen Geständnisse ab

Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campinggplatz im nordrhein-westfälischen Lügde haben die beiden Hauptangeklagten am ersten Verhandlungstag Geständnisse abgelegt. Den Männern drohen bis zu 15 Jahre Haft.

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Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen auf einem Campinggplatz im nordrhein-westfälischen Lügde haben die beiden Hauptangeklagten am ersten Verhandlungstag Geständnisse abgelegt. Andreas V. (56) und Mario S. (34) räumten die angeklagten Taten vor dem Detmolder Landgericht weitestgehend ein. Den beiden Männern drohen bis zu 15 Jahre Haft. Opferanwälte hatten im Vorfeld in Medienberichten Sicherungsverwahrung gefordert.

Richterin: "Anschuldigungen lassen niemanden unberührt"

Die angeklagten Taten seien "zweifelsohne abscheulich", sagte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda. Erschreckend sei die hohe Zahl der potenziellen Opfer sowie der lange Zeitraum der mutmaßlichen Taten von mehr als 20 Jahren.

"Die Anschuldigungen lassen niemanden unberührt." Vorsitzende Richterin Anke Grudda

Es gelte aber die Unschuldsvermutung, das Gericht werde unvoreingenommen und unparteiisch arbeiten.

Öffentlichkeit zu Beginn des Prozesses ausgeschlossen

Schon kurz nach dem Start schloss die Richterin die Öffentlichkeit von der Verlesung der Anklageschriften vorübergehend aus. Alle 18 Anwälte, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten, hatten dies beantragt. Grudda betonte, schutzwürdige Interessen der Opfer würden sonst erheblich verletzt. Deren Namen seien in den Anklagen genannt. Ebenso würden die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen verübt worden sein sollen. Auch alle Medienvertreter mussten den Saal verlassen. Der Ausschluss gelte nur für die Anklageverlesung, danach müsse "für jeden Prozessabschnitt neu beraten" werden.  

Mehr als 40 Opfer identifiziert

Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden. Angeklagt seien nun die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer, sagte eine Gerichtssprecherin. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen vier Jahre alt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft dem Dauercamper Andreas V. 298 Straftaten vor. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen sexuelle Gewalt angetan haben. Die Taten soll er in seiner heruntergekommenen Unterkunft auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

4.800 Dateien mit kinderpornografischem Material sichergestellt

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4.800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt. Ein 49-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzt auf der Anklagebank, weil er an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben soll. Auch er räumte über seinen Verteidiger die Vorwürfe inzwischen ein.