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Studie zu 30 Jahre Mauerfall

Eine moderne Infrastruktur im Osten und ein zuvor undenkbares Maß an Selbstbestimmtheit für die Menschen dort ist erreicht worden. "Das", so Lothar de Maizière im Bayerischen Rundfunk, "ist der wirklich große Zugewinn, den die Einigung uns gebracht hat."

Ein "Abgehängtein" im Osten

Aber er sieht auch die Schattenseiten: "Trotzdem erleben wir ein Gefühl der Zweitklassigkeit bei vielen Ostdeutschen. Und Abgehängtsein. Das ist etwas, was mich bedrückt."

Ein Problem ist laut de Maizière, dass die DDR ein vormundschaftlicher Staat gewesen sei und als solcher unselbstständige Bürger hervorgebracht habe. Daraus resultiere die Sehnsucht nach einer Struktur, die Führung verspreche. Und das komme unter anderem der AfD zugute. Deren Umfragewerte führt de Maizière aber auch darauf zurück, dass die Linkspartei nicht mehr als Protestpartei wahrgenommen wird und dass die Elite in Ostdeutschland größtenteils aus Westdeutschen besteht.

"Ihr vergleicht immer noch mit dem Westen"

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Unzufriedenheit vieler Menschen in Ostdeutschland ist de Maizière im Nachbarland Tschechien fündig geworden. Ein Freund dort habe ihm erklärt, warum seine Landsleute zufriedener sind: "Wir vergleichen mit früher, Ihr vergleicht immer noch mit dem Westen. Außerdem: Wir ändern uns und Ihr seid geändert worden."

Die Zukunft sieht de Maizière durchaus positiv. Geschichte denke nicht in Jahren, sondern in Generationen. Und trotz aller Probleme denke niemand in Deutschland 30 Jahre nach dem Mauerfall und der anschließenden Wiedervereinigung an eine Scheidung.