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London macht ernst: Umwelt-Maut für alte Diesel und Benziner | BR24

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Autofahren in London wird für einige Autofahrer noch teurer: Umweltschädliche Fahrzeuge müssen eine Extra-Gebühr bezahlen. Gleichzeitig stärkt Londons Bürgermeister Khan den öffentlichen Nahverkehr und hat die Tarife eingefroren.

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London macht ernst: Umwelt-Maut für alte Diesel und Benziner

Nicht nur deutsche Städte haben mit Abgasen zu kämpfen, auch in London ist die Luft schlecht. Die britische Metropole setzt aber nicht auf Fahrverbote, sondern bittet Besitzer älterer Autos jetzt besonders zur Kasse. Umweltschützer loben den Schritt.

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In der Londoner Innenstadt müssen Fahrer älterer Autos seit heute eine neue Umwelt-Maut von umgerechnet rund 14,50 Euro pro Tag zahlen. Grüne Schilder an der Straße markieren die "Ultra Low Emission Zone". Betroffen sind vor allem Diesel, aber auch ältere Benziner.

Umwelt-Maut-Einnahmen sollen in den Nahverkehr fließen

Die Einnahmen dürften für nichts anderes als bessere Luft und den Nahverkehr verwendet werden, sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Es gehe "nicht nur um ein Umwelt- oder Verkehrsproblem. Es ist eine nationale Gesundheitskrise", sagte Khan in Interviews und verwies auf Todesfälle, die auf die schlechte Luftqualität zurückzuführen seien. "Es gibt in London Kinder, die unterentwickelte Lungen haben wegen der schlechten Luftqualität", so Khan. Sein Ziel sei es, die Menschen dazu zu bewegen, mehr zu Fuß zu gehen, Rad zu fahren oder den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Deshalb habe er auch die Tarife für den öffentlichen Nahverkehr eingefroren seit er Bürgermeister sei.

Umwelt-Gebühr trifft auch Touristen

Die neue Gebühr fällt zusätzlich zur City-Maut von umgerechnet knapp 13,40 Euro an und trifft auch Touristen, die in die Innenstadt fahren wollen. Sie soll die Belastung mit gesundheitsschädlichen Stickoxiden (NOx) senken, mit der auch viele deutsche Städte kämpfen - eine Umwelt-Maut gibt es in Deutschland aber bisher nirgends. In London dürfen weiterhin alle unterwegs sein, aber viele müssen zahlen.

Kontrolle der Umwelt-Maut über Kameras

Es trifft vor allem Dieselfahrer: Die Gebühr wird fällig für Diesel der EU-Abgasnormen Euro 0 bis 5, die bis September 2015 erstmals zugelassen wurden. Benziner der Abgasnorm Euro 0 bis 3 sind ebenfalls betroffen, diese wurden bis Ende 2005 erstmals zugelassen. Auch Motorradfahrer werden zur Kasse gebeten, wenn ihr Fahrzeug der Norm Euro 0 bis 2 entspricht. Die Umwelt-Abgabe wird rund um die Uhr fällig, die City-Maut dagegen nur werktags zwischen 7.00 Uhr und 18.00 Uhr gilt. Kontrolliert wird mit Kameras. Zahlen kann man unter anderem per App oder Telefon, Informationen dazu gibt es auf der Homepage des öffentlichen Nahverkehrs, "Transport for London".

Der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel wird in Londons teils um ein Vielfaches überschritten. In den Straßen drängen sich die berühmten roten Busse, schwarzen Taxis, Lieferverkehr und Privatautos nicht nur während der Rushhour.

Deutschland setzt auf andere Maßnahmen

Eine Gebühr für die Einfahrt in Innenstädte war auch in der von der Bundesregierung eingesetzten Verkehrskommission im Gespräch - allerdings ging es dort nicht um Stickoxide, sondern um Klimaschutz und die Experten waren sich auch nicht einig, ob eine "Infrastrukturabgabe" der richtige Weg sei. Die Entscheidung darüber müssten gegebenenfalls die Kommunen treffen, hieß es Ende März.

Die deutschen Städte und die Bundesregierung versuchen auf anderen Wegen, die Luftverschmutzung in den Griff zu kriegen. Sie setzen etwa auf die Verbesserung der Abgasreinigung bei Pkw, Bussen, Müllabfuhr und Transportern. Wer ein saubereres Auto kauft, kann einen Extra-Rabatt bekommen. Der öffentliche Nahverkehr soll gestärkt und der Verkehrsfluss besser gesteuert werden. Die NO2-Belastung sinkt zwar, liegt aber vielerorts trotzdem noch deutlich über dem EU-Grenzwert. In Hamburg wurden deshalb schon zwei Straßenabschnitte für ältere Diesel gesperrt, in Stuttgart ein großer Teil der Stadt.

Umweltschützer loben das Londoner Modell

Deutsche Umweltschützer lobten das Londoner Modell: "Die weitere Verschärfung der Londoner Umweltzone ist ein Vorbild für viele, ähnlich belastete Metropolen in Europa", sagte etwa Jürgen Resch, der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Daniel Rieger vom Naturschutzbund Nabu sagte, es sei "gut vorstellbar", dass das Modell Schule mache, "wenn es auf anderem Wege nicht gelingt, die Menschen zum Umsteigen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu bewegen".