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Lkw-Abbiegeassistent: Grüne wollen Radler besser schützen | BR24

© picture alliance/Markus Scholz/dpa

Abbiege-Assistent mit Monitor im Lkw-Innenraum

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    Lkw-Abbiegeassistent: Grüne wollen Radler besser schützen

    Wenn Lastwagen und Radfahrer zusammenstoßen, geht das für die Radler oft schlimm aus. Viele von ihnen werden schwer verletzt – oder verunglücken gar tödlich. Jetzt beschäftigt sich der Bundestag damit, wie solche Unfälle vermieden werden können.

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    Der Vorfall dürfte vielen Menschen in München noch in Erinnerung sein: An der Corneliusbrücke in München ist vergangenes Jahr ein elf Jahre alter Junge ums Leben gekommen, als er auf dem Rad die Straße überqueren wollte. Ein Lkw-Fahrer hatte ihn beim Abbiegen übersehen. Auch in diesem Jahr gab es zahlreiche Unfälle mit Lastwagen und Fahrradfahrern - und zwar in ganz Deutschland.

    "Wir haben das Problem, dass wir sehr viele und vor allem sehr viele schwere Unfälle zwischen Lkws und fahrradfahrenden Menschen haben", sagt der Abgeordnete Stefan Gelbhaar von den Grünen. Ein Problem, das Jahr für Jahr größer werde.

    Immer mehr Radler verunglücken tödlich

    Tatsächlich zeigt ein Blick in die Verkehrs-Statistik: Allein im vergangenen Jahr sind fast 2.700 Unfälle mit einem Lastwagen und einem Fahrradfahrer passiert. 50 Menschen kamen ums Leben. Insgesamt steigt die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer seit Jahren – obwohl die Gesamtzahl der Verkehrstoten unterm Strich zurückgeht.

    An diesem Mittwoch bringen die Grünen einen Gesetzentwurf ein, von dem sie sich eine Lösung des Problems erhoffen. Sie setzen auf die Einführung von elektronischen Abbiege-Assistenten für Lastwagen. Lkw sollen in der Regel nur noch dann in Ortschaften und Städte fahren dürfen, wenn sie ein solches Gerät haben. Ein Abbiege-Assistent kann Warnsignale geben oder den Lastwagen automatisch bremsen, wenn sich ein Radfahrer dem Laster im toten Winkel nähert.

    Unfallforscher: Abbiege-Assistenten sollen Unfälle verhindern

    Dass sich damit Unfälle verhindern lassen, bestätigt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Nach seinen Worten schließt ein Abbiege-Assistent "die Lücke, die dadurch entsteht, dass der Lkw-Fahrer sehr viele verschiedene Dinge gleichzeitig tun muss: nach vorne schauen, auf Fußgänger achten, in drei Spiegel nach rechts gucken."

    Ein Abbiege-Assistent könne dafür sorgen, dass ein Radfahrer auch im toten Winkel nicht übersehen wird. Brockmann schätzt, dass durch einen flächendeckenden Einsatz solcher Geräte pro Jahr etwa 25 Fahrradfahrer weniger bei Unfällen ums Leben kommen würden.

    Bundesregierung setzt auf freiwillige Lkw-Nachrüstung

    Auch die Bundesregierung sieht Potenzial in Abbiege-Assistenten für Lkw. Das Verkehrsministerium würde eine generelle Pflicht dazu "lieber heute als morgen" einführen, wie es ein Sprecher formuliert. Das Problem: Aus europarechtlichen Gründen sei das im Moment nicht zu machen. Auf EU-Ebene ist der Brüsseler Kommission zufolge geplant, Abbiege-Assistenten für Lkw schrittweise zur Pflicht zu machen: bei neuen Fahrzeugtypen ab 2022 – und für alle neuen Lastwagen ab 2024.

    Bis eine EU-weite Lösung kommt, fördert das CSU-geführte Verkehrsministerium eine freiwillige Nachrüstung von Lastwagen. In diesem Jahr seien mehr als 5.900 Abbiege-Assistenten bewilligt worden.

    Spediteure verweisen auf Kosten

    Und was halten die Spediteure von solchen Geräten? An sich eine gute Idee, heißt es vom Bundesverband Spedition und Logistik. Nur könne es durchaus aufwendig sein, Lastwagen entsprechend nachzurüsten. Der Verband beziffert die Kosten auf bis zu 6.000 Euro pro Fahrzeug. Dass so bei einem ganzen Fuhrpark größere Summen zusammen kommen, liegt auf der Hand.

    Und doch muss aus Sicht der Grünen jetzt etwas passieren. Ihnen dauert die Diskussion schon viel zu lange. Deshalb will die Fraktion im Bundestag eine schnelle Lösung durchsetzen.

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