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Linke wählt neue Führung - Gürpinar neuer Vizechef | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/Bernd von Jutrczenka

Die Linke wird jetzt von zwei Frauen geführt: Janine Wissler, Fraktionschefin in Hessen, und Susanne Hennig-Wellsow, Linken-Chefin in Thüringen. Das bisherige Führungsduo Kipping und Riexinger hatte nicht mehr kandidiert.

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Linke wählt neue Führung - Gürpinar neuer Vizechef

Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow führen künftig die Linkspartei. Der bayerische Linken-Vorsitzende Ates Gürpinar wurde bei dem Online-Parteitag zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Bundespartei gewählt.

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Von
  • Anita Fünffinger

Ates Gürpinar ist es kalt. Berlin zeigt sich an diesem Morgen von seiner unschönen Seite. So viel Grau und so viel Ostwind kennt Gürpinar aus München nicht. Der bayerische Landeschef der Linken ist einer der wenigen, die den Parteitag in Berlin nicht nur online verfolgen. Er will stellvertretender Bundesvorsitzender werden, als Kandidat darf er bei der Veranstaltung live dabei sein. Auf die beiden neuen Chefinnen freut er sich: "Die stehen für einen Generationenwechsel."

Neues Frauenduo will Partei einen

Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler wollen die Kämpfe der vergangenen Zeit hinter sich lassen. Beide rufen in ihren Reden zu Geschlossenheit nach den jahrelangen Grabenkämpfen auf. Die Frauen waren nie Teil dieser Streitereien, sie konzentrierten sich in den vergangenen Jahren auf die Arbeit in ihren Landesverbänden. Janine Wissler führt die Linksfraktion im Hessischen Landtag. Susanne Hennig-Wellsow gilt als Architektin des rot-rot-grünen Bündnisses in Thüringen mit dem linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow.

Regieren oder nicht?

Bei der Frage, ob sich die Linke auch an der Regierung auf Bundesebene beteiligen soll, geht ein Riss durch die Partei. Dieser lässt sich auch an den Wahlergebnissen des Parteitags ablesen. Susanne Hennig-Wellsow wirbt offen und direkt: "Ob Schwarz-Grün kommt oder Rot-Rot-Grün, liegt auch an uns." Nicht alle Delegierten stimmen dem zu. Hennig-Wellsow erhält 70,5 Prozent der Stimmen, wobei sie noch Gegenkandidaten auf der sogenannten gemischten Liste hatte. Janine Wissler stand dagegen allein auf der Frauenliste. Sie, die aus ihrer Skepsis gegenüber einer Regierungsbeteiligung im Bund nie einen Hehl gemacht hat, erhält 84 Prozent der Stimmen.

Stellvertreter-Wahlen als Stimmungsbarometer

Auch bei den Wahlen zu den Stellvertretern ist der Anti-Regierungskurs erkennbar. Matthias Höhn, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der Linken, der das kategorische Nein seiner Partei zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr für falsch hält, schafft es auch in der Stichwahl nicht in die Parteispitze. Er verliert gegen Tobias Pflüger vom linken Flügel. Ates Gürpinar kommt im ersten Wahlgang gleich auf 52 Prozent und ist somit einer der sechs Stellvertreter von Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow. Seiner Meinung nach hängt die Frage, ob die Linke regieren sollte, gar nicht so sehr an Rüstungsexporten, sondern an der sozialen Frage: "Es geht um Umverteilung von oben nach unten, da müssen wir entscheidende Veränderungen machen. Dann klappt‘s auch mit dem Regieren."

Gürpinar will auch in den Bundestag

Den Weg nach Berlin wird Ates Gürpinar nun also öfter antreten. Die Parteizentrale der Linken, das Karl-Liebknecht-Haus, liegt mitten in Berlin. Selbst wenn die Sitzungen der neuen Parteiführung wegen Corona weiterhin überwiegend digital stattfinden, kann sich der frisch gekürte Parteivize dennoch genauer in der Hauptstadt umsehen. Er bewirbt sich bei der Bundestagswahl im Herbst um ein Bundestagsmandat. Noch sind die Listenplätze der Linken in Bayern nicht vergeben. Gürpinar rechnet sich aber gute Chancen aus.

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