Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

"Lifeline"-Kapitän Reisch will in Berufung gehen | BR24

© BR

Nach der Rettung von 230 Flüchtlingen vor der Küste Libyens ist Claus-Peter Reisch aus Landsberg in Malta vor Gericht gelandet. 10.000 Euro soll der Kapitän der Lifeline - dem Rettungschiff der Hilfsorganisation Mission Lifeline - bezahlen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Lifeline"-Kapitän Reisch will in Berufung gehen

Der Kapitän des Flüchtlingsrettungsschiffes "Lifeline" will gegen das Urteil eines maltesischen Gerichtes in Berufung gehen. Das sagte er im BR-Interview. Er soll aus formaljuristischen Gründen 10.000 Euro an lokale Hilfsorganisationen zahlen.

Per Mail sharen

Der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline" muss 10.000 Euro Geldstrafe zahlen. So lautet das Urteil eines Gerichts in der maltesischen Hauptstadt Valletta. Immerhin wurde keine Gefängnisstrafe verhängt. Der Kapitän aus dem bayerischen Landsberg am Lech hatte vergangenen Juni mit dem Schiff "Lifeline" mehr als 230 Migranten vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet. Er will sich mit dem Urteil nicht abfinden und in Berufung gehen.

Schiff tagelang blockiert

In dem Urteilsspruch wird ihm nach eigener Aussage vorgeworfen, ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot gesteuert zu haben. Er hatte im Auftrag der Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" vor der libyschen Küste mehr als 230 Geflüchtete aus Seenot gerettet. Tagelang blockierten die maltesischen Behörden das Schiff, das unter niederländischer Flagge fuhr. Es durfte erst in Malta anlegen, nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Private Seenotretter sahen hinter den juristischen Ermittlungen eine politische Kampagne, um die Rettung von Migranten zu erschweren und NGOs zu kriminalisieren.

Reisch: "Dieses Urteil ist politisch motiviert"

Schon früher hatte Reisch gesagt, dass das Gerichtsverfahren seiner Meinung nach eine Farce ist. Zu der Geldstrafe von 10.000 Euro sagte der verurteilte Lifeline-Kapitän auf Bayern 2 (radioWelt am Mittag):

"Ich habe damit gerechnet, dass es keinen Freispruch geben wird. Dieses Urteil ist mehr oder minder politisch motiviert. Mich hat es nicht verwundert, dass es hier keinen Freispruch gibt. Wir werden gegen dieses Urteil in Berufung gehen, da wir nicht akzeptieren, dass ich hier verurteilt werde für ein Flaggenzertifikat - und das ist alles, um was es sich tatsächlich dreht - das angeblich nicht gültig sein soll. (...) Es kann nicht sein, dass wir ein Registrierungspapier haben, das zirka 25.000 andere Schiffe, die in Holland registriert sind, ebenso besitzen und ausgerechnet unseres nicht gelten sollte." Claus-Peter Reisch im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk

Reisch will in Berufung gehen

Laut Claus-Peter Reisch bleibt das Rettungsschiff "Lifeline" allerdings beschlagnahmt, wenn er gegen das maltesische Urteil in Berufung geht. Davon will er sich aber nicht abschrecken lassen.

"Es ist etwas, das ich fast persönlich als Erpressung auffasse, weil man uns damit zwingen kann, dieses Urteil zu akzeptieren, damit wir das Schiff frei bekommen. Aber wir haben ein neues Schiff gekauft und werden mit diesem Schiff auch in den Einsatz gehen." Claus-Peter Reisch im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk

Reisch: Die Einsätze gehen mit neuem Schiff weiter

Das Nachfolge-Schiff der "Lifeline" wird laut Reisch in einigen Wochen in den Einsatz gehen. Es werde gerade ausgerüstet. Wo das Schiff liegt und wie es heißt, will er allerdings erst veröffentlichen, wenn es ab Juni in den Einsatz geht.

Durch das Urteil sieht Reisch die Seenotrettung jedoch nicht grundsätzlich infrage gestellt. Schließlich habe der maltesische Richter gesagt, dass das Retten von Menschenleben Pflicht sei und auch nicht kriminell.

Urteil mit abschreckender Wirkung

Dennoch beabsichtigt das Gericht in den Augen von Claus-Peter Reisch mit dem Urteil eine abschreckende Wirkung. Seiner Meinung nach darf die Zivilgesellschaft sich von davon aber nicht "ins Bockshorn jagen lassen".

"Ein gewisser ziviler Ungehorsam ist dringend notwendig. Man kann diese Menschen auf See nicht einfach sterben lassen. Und solange die Politik nicht fähig ist, diese Rettungen selbst durchzuführen, und solange Politik nicht fähig ist, die tatsächlichen Fluchtursachen zu bekämpfen, wird diese Fluchtbewegung auch nicht aufhören." Claus-Peter Reisch im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk
© BR

"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch ist von einem maltesischen Gericht zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden. Im Interview mit der radioWelt sagt Reisch, dass er in Berufung gehen will.