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Corona legt Online-Drogenhandel lahm | BR24

© Screenshot: Seite im Darknet zum Drogenverkauf

Screenshot: Seite im Darknet zum Drogenverkauf

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    Corona legt Online-Drogenhandel lahm

    Auch Kriminelle erleiden derzeit Einbußen - bei ihren illegalen Geschäften. Darüber sprechen sie in Untergrund-Chats und informieren sogar ihre Kunden über Lieferengpässe. Grund sind weltweite Reisebeschränkungen, die den Schmuggel erschweren.

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    "Liebe Freunde, das erste Mal in acht Jahren müssen wir unsere Geschäfte schließen, wegen der Corona-Pandemie." Die Person, die hier Geschäftspartner informiert, arbeitet nicht in der legalen Wirtschaft. Es handelt sich um die online-Nachricht eines Drogenhändlers, der LSD und Crack im Dark Web vertreibt. Wie in der "normalen" Welt bietet die Organisation spätere Lieferung oder Rückerstattung geleisteter Vorauszahlungen an. "Stay healthy, stay safe, best regards" (bleibt gesund und bleibt sicher, beste Grüße), schließt die Botschaft. Andere Händler nutzen neue Vertriebswege, garantieren allerdings nicht, wie sonst, den Empfang der heißen Ware: "We are not reshipping in case of non arrival," (im Falle eines nicht-Eintreffens, verschicken wir nicht erneut) heißt es im Mailverteiler an die Abnehmer, die diese kriminelle Plattform als "Psychonauten" anspricht.

    "Drogenlieferung nicht pünktlich"

    IT-Sicherheitsexperte Jim Walter von der Firma SentinelOne hat diese Nachrichten im Dark Web für BR24 mitgelesen. Jim ist so etwas wie ein e-Bedrohungslagen Analyst. Er dringt in die Ökosysteme der Cyber-Gangster ein und hat auch Plattformen der Drogenhändler im Blick. Seit vergangenem März sieht er vermehrt Nachrichten zu Verspätungen bei der Auslieferung von Drogen.

    "It gets harder and more dangerous, even next time impossible, to ship it now" (es wird schwieriger und gefährlicher, beim nächsten Mal sogar unmöglich, jetzt zu versenden), meldet ein LSD Lieferant. "Die Kriminellen Händler schreiben, sie könnten nicht sagen, wie lange Lieferungen brauchen würden", erklärt Walter. Hinzu komme, dass manche kriminelle Händler Probleme hätten, für Nachschub zu sorgen: "Sie kriegen ihre Lager nicht mehr voll und mussten deshalb sogar komplett schließen."

    Denn auch die Lieferketten zur Herstellung der Drogen sind von der Pandemie betroffen. So weist der Bund Deutscher Kriminalbeamter BDK darauf hin, dass "mexikanische Drogenkartelle durch die Corona Pandemie die Produktion von Crystalmeth und Fentanyl runterfahren müssen, weil Grundstoffe überwiegend aus China kommen."

    Das Bundeskriminalamt sagt gegenüber BR24, die Verbreitung von Covid-19 erzeuge weltweit und auch in Deutschland eine sehr dynamische Lage. Die Sicherheitsbehörden würden das Kriminalitätsgeschehen sehr aufmerksam beobachten und ihr Vorgehen bundesweit der veränderten Lage anpassen.

    Hygiene-Ratschläge vom Drogenbaron

    Dass Drogenhändler nun Informationen zu Lieferengpässen mit Ratschlägen in Sachen Hygiene wie Händewaschen und zu Hause bleiben, kombinieren, amüsiert IT-Sicherheitsexperten Jim Walter: "Der Verkäufer M.M. sagt seinen Kunden, die Drogenpäckchen nach Erhalt zu desinfizieren und eine Woche liegen zu lassen."

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