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Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel

Viele Wirtschaftsforschungsinstitute haben es bereits getan- jetzt schraubt auch die Bundesregierung ihre Wachstums-Erwartungen für dieses Jahr herunter. Das liegt vor allem daran, dass viele Unternehmen nicht so produzieren können, wie sie wollen.

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Lieferengpässe für Mikrochips: Kein Neuwagen für Altmaier

Die Bundesregierung sieht die Wirtschaft langsamer wachsen als gedacht. Schuld ist nicht nur Corona, großes Problem sind vor allem Lieferengpässe auf dem Weltmarkt. Die treffen in Deutschland die Automobilindustrie – und auch den Wirtschaftsminister.

Von
Moritz PomplMoritz Pompl
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Noch kann sich Peter Altmaier von der CDU als geschäftsführender Bundeswirtschaftsminister im Dienstwagen chauffieren lassen. Weil dieses Privileg in absehbarer Zeit aber passé ist, schaut sich Altmaier bereits nach einem Neuwagen um. Wie er in seiner Nach-Minister-Zeit mobil sein wird, steht allerdings in den Sternen: Es sei schwer, überhaupt einen Liefertermin zu bekommen, gibt der Minister zu bedenken.

Wirtschaftswachstum nach unten korrigiert

Die Lieferengpässe bei Halbleitern, aber auch bei anderen Produkten wie Stahl, Dämmstoffen oder Aluminium sind ein Hauptgrund dafür, warum die Bundesregierung das Wirtschaftswachstum jetzt schwächer einschätzt als zunächst erhofft. Im Frühjahr war Altmaier für dieses Jahr noch von einem Wachstum von 3,5 Prozent ausgegangen – jetzt korrigiert er es auf nurmehr 2,6 Prozent. Er folgt damit den Einschätzungen führender Wirtschaftsexperten.

Mangel an Mikrochips

Allein die deutsche Autoindustrie kann hunderttausende Fahrzeuge nicht fertigstellen, sagt Altmaier, weil ihnen die Mikrochips ausgegangen sind. Das liegt unter anderem daran, dass in der Corona-Zeit Laptops, Tablets und Smartphones wie warme Semmeln verkauft werden, in denen ebenfalls Mikrochips verbaut sind. Von der Knappheit seien 77 Prozent aller deutscher Unternehmen betroffen, so Altmaier. Die Lage zeigt: Deutschland und Europa müssen unabhängiger vom Weltmarkt werden; die Chipproduktion soll mit Milliardensummen ausgebaut werden.

Wirtschaftsboom mit Unwägbarkeiten

Für 2022 erwartet Altmaier eine Entspannung der Lage, auch weil sich die Lieferketten voraussichtlich wieder normalisieren. Die Wirtschaft könnte dann um 4,1 Prozent wachsen und im ersten Quartal wieder das Niveau vor Corona erreichen. Die Prognose liegt im unteren Bereich dessen, was führende Wirtschaftsexperten erwarten – diese gehen teils von einem Wachstum von mehr als fünf Prozent aus.

Unwägbarkeiten sieht der geschäftsführende Wirtschaftsminister bei zwei Dingen: bei Corona und den Energiepreisen. Deutschland stehe vor einem zweiten Pandemiewinter, gibt Altmaier zu bedenken. Er gehe zwar nach wie vor davon aus, dass kein weiterer Lockdown drohe – trotzdem könnten hohe Infektionszahlen negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Gerade bei Hotels und Gaststätten habe sich die Stimmung zuletzt aufgehellt. Die Umsätze dort hätten stark dazu beigetragen, dass die Wirtschaftsleistung gestiegen sei. Damit es bei den Öffnungen bleiben kann, dürfe man jetzt bei Impfungen und auch bei den Coronaregeln wie der Maskenpflicht nicht nachlassen, so der Minister.

Energiepreise: Ausgleich für Verteuerungen gefordert

Was die stark gestiegenen Energiepreise angeht, so glaubt Altmaier an ein baldiges Ende der "Rallye der Preiserhöhungen". Dass die EEG-Umlage ab Januar auf unter vier Cent pro Kilowattstunde Strom sinkt, trage zur Entlastung der Verbraucher bei. Trotzdem sieht Altmaier die neue Bundesregierung in der Pflicht, einen Ausgleich zu den Verteuerungen zu schaffen. Er habe angeboten, auch gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Altmaier rechnet mit Neuwagen im Februar oder März

Am Ende der Pressekonferenz will ein Journalist von Altmaier wissen, für welches Auto er sich interessiere. Der will – keine Überraschung – als geschäftsführender Bundeswirtschaftsminister einzelne Hersteller "nicht namentlich nennen und damit privilegieren". Man könne ihn aber, wenn man ihn nicht ganz aus den Adressbüchern streiche, ja im Februar oder März darauf ansprechen. Zumindest bis dahin rechnet Altmaier also mit einem fahrbaren Untersatz, der mit den derzeit so raren Mikrochips ausgestattet ist.

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