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Lieferstreit: EU will Einsicht in Astrazeneca-Unterlagen | BR24

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Impfdosen und Impfspritzen stehen auf einem Tisch vor dem AstraZeneca-Logo.

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    Lieferstreit: EU will Einsicht in Astrazeneca-Unterlagen

    Der Konflikt zwischen der EU und Astrazeneca spitzt sich zu. Das Unternehmen bleibt dabei, dass weniger als die Hälfte der vorfinanzierten Bestellung geliefert werde. Die EU äußert nun einen unverhohlenen Verdacht.

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    Von
    • Helga Schmidt

    Zwei stundenlange Verhandlungsrunden und am Ende kein Ergebnis. Die Vertreterin des Pharmaunternehmens Astrazeneca musste sich den bohrenden Fragen der EU-Kommission stellen, dazu kam heftige Kritik von den Experten der 27 EU-Mitgliedsländer - aber sie blieb bei ihrer Position: Astrazeneca werde deutlich weniger liefern als zugesagt, wahrscheinlich weniger als die Hälfte der vereinbarten Impfstoffdosen.

    Völlig inakzeptabel sei diese Haltung, das machte die für Gesundheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides schon nach der ersten Verhandlungsrunde deutlich.

    Unverhohlener EU-Verdacht

    Die Kommission hat schon Vorauszahlungen geleistet, insgesamt 336 Millionen Euro für Astrazeneca. Damit sollte nicht nur die Entwicklung des Impfstoffs finanziert werden, sondern auch die Produktion. Das Ziel: Der Impfstoff sollte sofort nach der noch diese Woche erwarten Zulassung ausgeliefert werden.

    "Die Europäische Union hat die Entwicklung des Impfstoffs vorfinanziert und will jetzt eine Gegenleistung sehen. Wir wollen genau wissen, welche Dosen von Astrazeneca bisher wo produziert wurden und ob und an wen sie geliefert wurden." Stella Kyriakides, EU-Kommissarin

    Einigermaßen unverhohlen sprach Kommissarin Kyriakides damit einen Verdacht aus: Dass Astrazeneca den von der EU mitfinanzierten Impfstoff an andere Länder geliefert haben könnte. Als offiziellen Grund für die Lieferausfälle hatte das Unternehmen Probleme mit einem belgischen Zulieferer genannt.

    AstraZeneca muss Dokumente offenlegen

    Fadenscheinig sei das, sagte der Gesundheitsexperte und CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. Sein Argument: Die Lieferungen nach Großbritannien würden von Astrazeneca ja auch eingehalten. Bis zum kommenden Freitag muss der Pharma-Konzern offenlegen, wie es zur Reduzierung der Impfdosen kommen konnte.

    Unter Druck gerät jetzt auch Astrazeneca-Chef Pascal Soriot. Beim digitalen Weltwirtschaftsforum in Davos ging er mit keinem Wort auf die Vorwürfe aus Brüssel ein. Stattdessen richtete er einen Appell an die weltweite Solidarität im Kampf gegen das Coronavirus.

    "Gerade bei Infektionen sind wir nur sicher, wenn alle sicher sind. Deshalb hat Astrazeneca entschieden, den Impfstoff allen in der Welt zugänglich zu machen. Mit wenig Profit und so schnell wie möglich." Pascal Soriot, Astrazeneca-Chef

    Astrazeneca wies am späten Abend Medienberichte zurück, nach denen der Impfstoff bei älteren Menschen nur eine geringe Wirkung haben soll. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Berliner Kabinettskreise berichtet, bei den über 65-Jährigen zeige das Mittel nur eine Wirksamkeit von acht Prozent, ähnlich berichtete auch die "Bild"-Zeitung. Astrazeneca konterte: Die Angaben seien "komplett falsch."

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