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Leise, aber bestimmt: Der neue EU-Ratspräsident Charles Michel | BR24

© BR/Malte Pieper

Die EU hat einen neuen Ratspräsidenten. Donald Tusk hat die Sitzungsglocke nach fünf Jahren an Charles Michel übergeben. Heute tritt der 43-jährige Belgier sein Amt offiziell an. Der ehemalige Premier ist Jurist und Familienvater.

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Leise, aber bestimmt: Der neue EU-Ratspräsident Charles Michel

Die EU hat einen neuen Ratspräsidenten. Donald Tusk hat die Sitzungsglocke nach fünf Jahren an Charles Michel übergeben. Heute tritt der 43-jährige Belgier sein Amt offiziell an. Der ehemalige Premier ist Jurist und Familienvater. Ein Porträt.

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Der neue Präsident des Europäischen Rats, Charles Michel, ist wie kaum einer erfahren darin, auch in scheinbar aussichtslosen Lagen Kompromisse zu finden. Denn als Premierminister des kleinen Königreichs Belgien war diese Spezialdisziplin sein Tagesgeschäft.

Nie öffentlich auftrumpfend

Gelöst zeigte er sich vor einigen Wochen, als ihn der belgische König gerade von seinem Posten als Premierminister entbunden hatte. Vor der Fernsehkamera atmete er demonstrativ auf: "Ich habe das Gefühl, mein Bestes gegeben zu haben - und das in außerordentlich schwierigen Umständen während dieser fünf Jahre." Eine typische Szene für den 43-jährigen Politiker, der immer ein bisschen gedämpft wirkt, nie öffentlich laut auftrumpfend, stattdessen zurückgenommen, fast unauffällig.

"Er ist jemand, der sehr gut zuhören kann." Karl-Heinz Lambertz, Chef des Ausschusses der Regionen in der EU

Diplomatisches Geschick und eigene Akzente

Der langjährige belgische Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und derzeitige Chef des Ausschusses der Regionen in der EU, Karl-Heinz Lambertz, hat mit Charles Michel seit fast 20 Jahren immer wieder zu tun. Charles Michel sei auch einer, der eigene Anregungen auf den Tisch lege und ein Gespür dafür habe, wie weit sich sein augenblicklicher Gesprächspartner bewegen wolle und könne.

Großes Vorbild ist sein Vater Louis Michel

Der Liberale Charles Michel hat Politik von klein auf gelernt. Vor allem von seinem Vater Louis. Der ist in Belgien eine Größe: Fast 30 Jahre saß der Vater im Parlament, war unter anderem Außenminister, zuletzt EU-Kommissar. Als Kind sieht Charles Michel seinen Vater selten persönlich, er hört ihn stattdessen oft im Radio, bewundert Papa im Fernsehen. Der Vater wiederum sagte einst über seinen Sohn:

"Er will natürlich besser sein als ich. Das ist - tief in ihm drin - sein Traum. Vielleicht wird er sogar erst an dem Tag zur Ruhe kommen, wenn ihm tatsächlich bewusst wird, dass er es geschafft hat." Louis Michel, Vater von Charles Michel

"Wer Belgien kann, der kann auch Europa"

Und Charles Michel setzt wirklich alles daran, um es seinem Vater zu zeigen. Mit 19 wird er erstmals Mitglied des Provinzparlaments, mit 23 zieht er in die belgische Abgeordnetenkammer ein, lässt sich nebenbei als Rechtsanwalt nieder, wird mit 24 erstmals Minister, mit 39 schließlich Premierminister von Belgien. Ein Land, das bis heute zerrissen ist zwischen Sprachgruppen und Befindlichkeiten, zwischen Armut im Süden und stetigem Aufschwung im Norden. Wer Belgien "kann", der "kann" jetzt auch Europa, lächelt der langjährige Weggefährte Michels, Karl-Heinz Lambertz:

"Belgien ist ein Land, das von morgens bis abends Kompromisse schmiedet. Und diese Kompromisse sind auch notwendig, um das Zusammenleben der verschiedenen Sprachgruppen zu gewährleisten." Karl-Heinz Lambertz, Chef des Ausschusses der Regionen in der EU

Themen: Klima, Digitalwirtschaft und Verteidigung

Charles Michel selbst nennt als Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit an der Spitze der EU-Staats- und Regierungschefs vor allem immer drei Themen, die denen der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sehr ähnlich sind: Europa solle bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt sein, bei der Digitalwirtschaft müsse die EU den Riesen Amazon, Google und Co. endlich Paroli bieten können und bei der Verteidigung müsse die Union deutlich enger zusammenarbeiten.

Um das zu erreichen, gelte es aber erst einmal, die Gräben zwischen einander zu überwinden:

"Das Wichtigste ist das Vertrauen untereinander. Fehlt das Vertrauen, bekommen die Staats- und Regierungschefs keine gemeinsamen Entscheidungen hin." Charles Michel, neuer EU-Ratspräsident