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Symbolbild Lehrermangel
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Autoren

Julio Segador
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Symbolbild Lehrermangel

Es ist ein politisches Dauerthema und für Eltern und Schüler ein Dauerärgernis – der Lehrermangel an den Schulen. So gut wie jedes Bundesland sieht sich mit dem Problem konfrontiert. Und der Chef der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Bildungsminister Helmut Holter, versucht erst gar nicht, die Lage schönzureden.

Aus den vorliegenden Zahlen ergebe sich, dass bis 2030 jährlich 32.000 Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen in Deutschland benötigt werden. Ein Bedarf, der nach Holters Worten nicht gedeckt werden kann.

"Leider kommen nicht so viele aus der Lehramtsausbildung, so dass wir jährlich eine Lücke von 700 haben in ganz Deutschland." Helmut Holter, Chef der Kultusministerkonferenz

Ein Mangel an Lehrerinnen und Lehrer, der mit Blick auf die Landkarte regional sehr unterschiedlich ausfällt.

Vor allem im Osten Deutschlands gibt es große Probleme

Vor allem im Osten Deutschlands haben die Schulminister große Probleme, Personal zu gewinnen. So beträgt laut Holter die Unterdeckung in Sachsen-Anhalt 50 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 30 Prozent und in Thüringen 20 Prozent. Für KMK-Chef Holter ist das die schulpolitische Herausforderung der kommenden Jahre. Zumal aufgrund der Schülerprognosen die Zahl der Schülerinnen und Schüler weiter steigen werde. Und damit auch ein erhöhter Lehrerbedarf.

Bayern steht besser da als andere Bundesländer

Besser sieht es in Bayern aus, wenngleich genaue Zahlen nur schwer zu ermitteln sind. Die Schätzung, wie hoch in Zukunft der Lehrermangel sein wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Etwa von den Geburtenzahlen, der Berufsentscheidungen der Abiturienten, der Zahl der Lehrer, die in Elternzeit gehen. Ebenso von der Zahl jener Lehrerinnen und Lehrer, die pensioniert werden. Der Prognose nach wird es langfristig auch in Bayern zu Problemen kommen, für dieses Schuljahr hat Kultusminister Bernd Sibler reagiert.

"Wir haben in diesem Jahr 4.300 neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Davon etwa 850 für neue Aufgaben, Digitalisierung an Schulen, Deutschklassen. Das sind alles Lehrkräfte mit 1. und 2. Staatsexamen. Also hochqualifiziert. Und das ist natürlich auch der wichtigste Punkt zur Qualitätssicherung." Bernd Sibler, Bayerns Kultusminister

Berlin: Knapp die Hälfte der Lehrer hat kein Pädagogikstudium

Etwa 850 neue, zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer, die auch wirklich dafür ausgebildet wurden, davon können andere Bundesländer häufig nur träumen. Dort führt der Lehrermangel dazu, dass viele Schulen mehr und mehr auf sogenannte Quereinsteiger zurückgreifen müssen. In Sachsen zum Beispiel werden externen Bewerbern Fächer zugewiesen, die dem Hochschulabschluss irgendwie entsprechen.

In Berlin hat knapp die Hälfte der neueingestellten Lehrerinnen und Lehrer kein Pädagogikstudium. Und noch ein Problem haben die Kultusminister ausgemacht. Die Attraktivität des Lehrerberufes ist nicht besonders groß. Der Lehrerberuf müsse ideologisch und moralisch auf ein anderes Niveau gehoben werden, fordert Holter.

"Man muss die Wertschätzung und die Attraktivität für den Beruf erhöhen. Dass das Lehrersein heute auch Freude macht." Helmut Holter, Chef der Kultusministerkonferenz

Es tobt schon jetzt der Kampf um die besten Köpfe, auch bei Lehrern

Die Frage aber bleibt: Wie kann man künftig bundesweit den Lehrermangel besser in den Griff bekommen? Bildungsforscher Klaus Klemm, emeritierter Professor an der Universität Duisberg-Essen, ist davon überzeugt, dass die Politik gegen das Dauerärgernis Lehrermangel etwas tun könnte:

"Eigentlich müsste die Politik, etwas mehr Lehrer regelmäßig einstellen, als sie unbedingt und aktuell braucht. Um für solche Zeiten, wie die, die wir jetzt haben, ein Polster zu haben." Klaus Klemm, Bildungsforscher

Was nicht einfach werden dürfte. Denn der bundesweite Lehremangel heißt auch, dass die Länder verstärkt Kandidaten anwerben werden. KMK-Chef Helmut Holter macht sich da keine Illusion. Jeder Minister denke schließlich zuerst an sich. Der KMK-Chef plädiert dafür, dass es zu einer Harmonisierung bei den Gehältern kommt. Das sei aber nur ein Apell, die KMK könne da nichts vorschreiben. Auch deshalb konstatiert Holter: "Der Wettbewerb um die Köpfe, auch bei den Lehrinnen und Lehrern, der tobt."