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Lebensmittelversorgung gesichert: "Es ist genug für alle da" | BR24

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Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner stellt klar: Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe, Deutschland sei mit Lebensmitteln und Gütern des alltäglichen Bedarfs gut versorgt. Sorge haben allerdings die Bauern: Es fehlen Saisonarbeiter.

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Lebensmittelversorgung gesichert: "Es ist genug für alle da"

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner stellt klar: Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe, Deutschland sei mit Lebensmitteln und Gütern des alltäglichen Bedarfs gut versorgt. Sorge haben allerdings die Bauern: Es fehlen Saisonarbeiter.

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  • Janina Lückoff

Die Lebensmittelversorgung in Deutschland ist gesichert. Die Supermärkte bleiben geöffnet, die Lieferketten sind intakt: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stellt auf einer Pressekonferenz in Berlin klar: "Es ist genug für alle da"; die Bürger in Deutschland bräuchten sich keine Sorgen zu machen, wegen Corona keine Lebensmittel mehr einkaufen zu können. "Alles andere sind Falschmeldungen", sagt Klöckner – die zu verbreiten sei "unanständig".

Selbstversorgungsrate über hundert Prozent – bei Kartoffeln

Vor allem bei Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Frischmilchprodukten, Getreide, Schweinefleisch und Käse sei Deutschland dank der "starken Landwirtschaft im eigenen Land" gut versorgt und nicht auf Importe angewiesen. Das gilt ganz besonders für Kartoffeln. Bei anderen Gemüsesorten und auch bei Obst sei das anders, räumt Klöckner ein – aber ob man wirklich das ganze Jahr über Erdbeeren brauche, sei fraglich.

Lebensmittelbranche zählt zur "kritischen Infrastruktur"

Prinzipiell sei die Lebensmittelindustrie – vom Landwirt bis zum Handel – "systemrelevant", so Klöckner, und zähle deshalb zur "kritischen Infrastruktur". Wer also in dieser Branche beschäftigt sei, könne zum Beispiel seine Kinder in die Notbetreuung bringen, um weiterhin in die Arbeit gehen zu können.

Einkauf mit "Ruhe und Augenmaß"

Die Bundeslandwirtschaftsministerin formuliert zudem einen Appell an alle: "Wir kommen gut durch diese Situation, wenn wir zusammenstehen." Dazu gehöre auch, mit Bedacht einzukaufen, bedarfsgerecht. Es gebe keinen Grund, Lebensmittel zu horten. "Und wenn jemand mit zwei Einkaufswagen voll Klopapier an die Supermarkt-Kasse kommt, ist es nachvollziehbar, wenn der Supermarkt-Inhaber einschreitet".

Keine Rationierung, keine Zugangsbeschränkungen geplant

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, fordert die Verbraucher auf, den Einkauf nicht ausschließlich am Wochenende zu machen. Dann bestehe die Gefahr, dass die Beschäftigten mit dem Auffüllen nicht nachkämen und doch mal Regale leer seien.

Und Genth bestätigt: Der Einzelhandel achte darauf, dass Produkte zu handelsüblichen Haushaltsmengen abgegeben werden. Eine staatlich verordnete Beschränkung brauche es deshalb nicht – und die ist auch nicht geplant, ebenso wenig wie Zugangsbeschränkungen zu Supermärkten.

Letzteres sei letztendlich eine politische Entscheidung, räumt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, ein. Doch auch er beruhigt: Für Zugangsbeschränkungen zu Supermärkten sähen Wissenschaftler derzeit keine Notwendigkeit.

Zu wenig Saisonarbeiter

Stattdessen sind die Landwirte wegen eines anderen Problems besorgt: wegen des drohenden Mangels an Saisonarbeitskräften. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes liegt der Bedarf in Deutschland im jährlichen Durchschnitt bei 286.000 Personen. In den kommenden Tagen beginne die Spargel- und Erdbeerernte, bis in den Herbst hinein müssten dann Jungpflanzen gesetzt, Obst- und Weinbau gepflegt und dann geerntet werden. "Was heute nicht gepflanzt wird, kann morgen nicht geerntet werden", sagt Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied.

Da aber derzeit die meisten europäischen Länder ihre Grenzen stärker kontrollierten und von Reisen abraten, besteht die Gefahr, dass zu wenig Saison-Helfer etwa aus Osteuropa kommen.

Pragmatische Lösungen gefordert

Auch in anderen Bereichen fordern die Vertreter der Landwirtschaft, des Einzelhandels und der Ernährungsindustrie Lösungen: Ausnahmen bei der Sonntagsarbeit seien zu begrüßen, es brauche aber auch mehr Flexibilität beim Einsatz von 450-Euro-Kräften sowie eine Lockerung bei den Lenkzeitenregeln von LKW-Fahrern.

Über all das werde derzeit gesprochen, versicherte Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner. Hier brauche es pragmatische Lösungen – ebenso wie bei grenzüberschreitenden Lebensmittel- und Tiertransporten. So sei etwa eine Überholspur an den Grenzen denkbar oder Passier- und Pendlerscheine. Es könnte auch darüber beraten werden, ob Saisonhelfer per Direktflug einreisen, um nicht durch Transitländer reisen zu müssen. Auch über gelockerte Zuverdienstmöglichkeiten soll es Gespräche geben.

Keine Exportbeschränkungen geplant

Prinzipiell wollen Politik und Wirtschaft den grenzüberschreitenden Warenverkehr aufrecht erhalten "Exportbeschränkungen sind nicht geplant", betont die Bundeslandwirtschaftsministerin. Denn: Es lasse sich kaum Solidarität von anderen verlangen, wenn man selbst seine Lebensmittel behalte. Was nicht importiert werde, darauf müsste man verzichten. Christian von Boetticher, Geschäftsführer eines norddeutschen Lebensmittel-Unternehmens und stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, formuliert es anders: "Germany first" oder "Europe first" – das dürfe in diesen Zeiten nicht das Credo werden.