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Lebensmittel: Wie sich Bauern gegen Dumpingpreise wehren | BR24

© dpa-Bildfunk/Jens Büttner

Lebensmittel im Supermarkt

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    Lebensmittel: Wie sich Bauern gegen Dumpingpreise wehren

    In ganz Deutschland protestieren Landwirte gegen die aktuelle Agrarpolitik. Sie finden: Lebensmittel dürfen nicht zu Billigpreisen in Supermärkten verscherbelt werden. Für die Bauern bliebe am Ende zu wenig Geld übrig.

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    Schon seit längerem demonstrieren Bauern gegen die aktuelle Politik in der Landwirtschaft. Unter anderem beklagen sie eine zu große Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels. In der Nacht fanden erneut Proteste statt, diesmal vor den Zufahrten von Supermärkten.

    Die Bauern fordern: Ihre Ware solle nicht mehr zu extrem niedrigen Preisen in den Märkten verkauft werden. Sie erhoffen sich eine faire Preispolitik und dass dem Lebensmitteldumping Einhalt geboten wird.

    "Nächstes Jahr ist Schluss"

    Bauer Franz Wöhrl baut seit über 40 Jahren verschiedene Gemüsesorten an, aber so kann es für ihn nicht weitergehen. Er hofft durch die Demonstrationen der Bauern auf Veränderung: "Wir reden mit der Industrie: Nächstes Jahr ist Schluss, wenn ihr das nicht anhebt, dass wir 20-30 Cent pro Kilo mehr bekommen."

    "Alle Preise steigen, Pflanzen, Dünger, und Personal. Im Gemüsebau sehr intensiv. Lohn, Lohnnebenkosten, und dann zum Schluss bleibt nichts über und wir sind am Ende." Franz Wöhrl, Landwirt

    Bauern machen gegen Supermärkte mobil

    Im Vorfeld des Lebensmittel-Gipfels im Kanzleramt demonstrierten zahlreiche Bauern deshalb in der Nacht auf Montag vor insgesamt sieben Edeka-Zentrallagern. Laut der Polizei Straubing versperrten sie mit Traktoren die Zufahrtswege der Supermarktketten.

    Die Aktionen seien eben die Konsequenz der "unfairen Beziehungen zwischen Handel und Erzeugern", argumentiert der Bayerische Bauernverband. Vier mächtige Konzerne kontrollierten in Deutschland den größten Teil des Lebensmittelmarktes.

    Die Folge ist ein gnadenloser Preiskampf auf dem Rücken der Bauern. Wer die Umwelt und Landwirtschaft schützen möchte, darf nicht zulassen, dass Lebensmittel zum Schnäppchenpreis in den Supermärkten verramscht werden." Markus Drexler, Bayerischer Bauernverband

    Handelsverband: Die Verbraucher sind schuld

    Eine Marktmacht weist Bernd Ohlmann, der Sprecher des Handelsverband Bayern aber zurück: "Die großen Ketten können gar nicht gemeinsam Preise nach unten diktieren, weil das aus kartellrechtlichen Gründen verboten ist. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Ich kenne die Verkaufszahlen. Fair gehandelte Milch dümpelt dahin, viele Verbraucher greifen dann doch zur günstigen Milch."

    Merkel weist Forderungen der Landwirte zurück

    In Berlin sprach sich die Bundeskanzlerin indessen gegen staatliche Mindestpreise in der Lebensmittelpolitik aus. Sie sagte bei einem Treffen mit den Vertretern der Handelsketten in Berlin: "Es geht nicht darum, staatlich verordnete Mindestpreise aufzuoktroyieren." Sie rief aber zu fairen Geschäftsbeziehungen auf. Es gehe darum, dass Landwirte ihr Geld "auskömmlich" verdienten.