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Leben mit Corona: Forscher werben für "Social Bubbles" | BR24

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Um den Kreislauf von Corona-Lockdowns zu durchbrechen, müssen Kontakte dauerhaft drastisch beschränkt werden, fordern Wissenschaftler. In Social Bubbles sehen sie einen Ausweg, dass trotzdem niemand vereinsamt.

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Leben mit Corona: Forscher werben für "Social Bubbles"

Epidemiologische Forscher haben Empfehlungen veröffentlicht, wie die Menschen die Corona-Lockdowns überstehen, ohne zu vereinsamen. Sie werben für "Social Bubbles": Singles oder Familien könnten sich dauerhaft zu kleinen Gruppen zusammenschließen.

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Pandemie in der dunklen Jahreszeit: Das trifft diejenigen am härtesten, die ohnehin niemanden haben. Aber auch für alle anderen ist die Beschränkung von Nähe schwer zu ertragen. Kontakte herunterfahren muss aber nicht heißen, dauerhaft keine zu haben, sagen Wissenschaftler. Ein Ausweg: Die "Social Bubble" – eine Art Quarantäne-Gemeinschaft in der Pandemie.

"Wir halten das für eine intelligente Lösung", sagt die Eva Grill. Sie ist Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie. Zusammen mit Wissenschaftlern anderer medizinischer Fachgesellschaften hat sie jetzt Empfehlungen veröffentlicht, wie eine nachhaltige Strategie für ein Leben mit der Pandemie im Winter und darüber hinaus aussehen könnte.

Drosten: "Wir wollen nicht, dass die Leute verzweifeln"

Die "Social Bubble" ist ein Bestandteil der Vorschläge, dabei sind viele Konstellationen denkbar: Eine Familie tut sich mit einer anderen Familie zusammen – die Kinder haben jemanden zum Spielen, die Erwachsenen teilen sich die Betreuung und bewältigen ihre Arbeit von zuhause besser. Die Single-Frau trifft sich weiter mit Freunden oder den Nachbarn von gegenüber, man hilft sich mit Einkäufen – und keiner vereinsamt.

Denn darum geht es: "Wir wollen nicht, dass alle Leute verzweifeln und depressiv werden", sagte auch Virologe Christian Drosten schon vor Wochen im NDR-Corona-Podcast. Auch er sprach sich klar für die "Sozialblase" aus: "Das wäre für viele Leute im Alltagsleben eine extreme Erleichterung – speziell dann, wenn auch ein Haushalt eingeschlossen wäre, in dem die Mitglieder nicht so beweglich sind, ältere Leute etwa."

Eine Person darf nicht in mehreren "Bubbles" sein

Wichtig zu beachten: Es muss eine "kleine Anzahl an Haushalten oder Familien sein", heißt es in der aktuellen Stellungnahme der Wissenschaftler um Epidemiologin Eva Grill. Und: Die Blasen dürfen sich nicht mit anderen Gruppen überschneiden. Wer etwa schon im Büro mit Team-Mitgliedern eine "Bubble" bildet, weil Heimarbeit nicht möglich ist, kann nicht privat noch eine weitere Gruppe mit Freunden haben.

Stärker auf Sozialkontakte verzichten muss allgemein jemand, der etwa als Pfleger im Krankenhaus Kontakt zu vielen Kranken hat oder wenn es um Menschen aus Risikogruppen geht.

Leben mit Corona bedeutet Umstellung von Lebensgewohnheiten

"Kurz gesagt geht es darum, die Kontakte runterzufahren und die notwendigen Kontakte sicher zu machen", sagt Eva Grill. Leben mit der Pandemie – das bedeute für jeden Einzelnen, seine Lebensgewohnheiten erst einmal umzustellen. "Sonst hangelt man sich von Lockdown zu Lockdown."

Dass Regeln der Politik und eigenverantwortliches Handeln der Bürger sich gut ergänzen, hat Neuseeland vorgemacht. Im März schickte Regierungschefin Jacinda Ardern ihre Landsleute in einen harten Lockdown. Die Regeln waren strikt, aber jeder Neuseeländer konnte mit einem beliebigen anderen Menschen eine "Bubble" bilden. So mussten auch Singles und Alleinerziehende die schwere Zeit nicht alleine durchstehen.

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