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Learning Lions - Prinz Ludwig und seine IT-Schule in Kenia | BR24

© Antje Diekhans / BR

Computerraum der "Learning Lions"

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    Learning Lions - Prinz Ludwig und seine IT-Schule in Kenia

    Mitten im kenianischen Nirgendwo entsteht eine IT-Schule. Autor des Projekts ist Prinz Ludwig von Bayern, der Ururenkel des letzten bayerischen Königs. "Learning Lions" – Lernende Löwen – heißt die Einrichtung, die Ausbildung dort ist vorbildlich.

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    WebdesignerInnen und GrafikerInnen ausgebildet werden in einer neuen IT-Schule ausgebildet, die momentan in Kenia entsteht, quasi im Nirgendwo. Organisator des Projekts ist Prinz Ludwig von Bayern.

    Gewagtes Experiment mit erfolgreichem Vorläufer

    Viele der Studentinnen und Studenten der Learning Lions haben bevor sie zu dieser Schule gekommen sind noch nie zuvor an einer Tastatur gesessen. Insofern ist es ein gewagtes Experiment. Und dennoch ist es ein Projekt mit Vorbildcharakter.

    Die 2016 gegründete Einrichtung hat in den Letzten Jahren bereits einige erfolgreiche Programmierer hervorgebracht. Nun baut Prinz Ludwig von Bayern mitten im kenianischen Nirgendwo eine weitere IT-Schule auf. Der Ururenkel des letzten bayerischen Königs hat sich eine einsame Gegend im Norden Kenias ausgesucht für sein ungewöhnliches Projekt. Die Schule entsteht am Lake Turkana, dem weltgrößten Wüstensee. Touristisch ist das Gebiet fast gar nicht erschlossen. Der See ist so groß, dass man von vielen Stellen aus das andere Seeufer gar nicht sehen kann. Man könnte glauben, am Meer zu sein. Die ersten Gebäude stehen schon. An den weiteren wird fleißig gearbeitet.

    "Wir probieren, afrikanisch zu bauen. Nicht im Sinne, dass wir sagen, wir bauen so, wie hier die Regierung baut oder die Kirche ihre Schulen baut. Sondern wir probieren in afrikanischen Formensprachen zu bauen." Prinz Ludwig von Bayern

    Architektur des afrikanischen Futurismus

    Der Prototyp für die künftigen Wohnhäuser ist den Hütten der Halbnomaden am Turkana-See nachempfunden. Mit einem runden Dach und ockerfarbenen Außenwänden. Das Hauptgebäude wurde von einem renommierten Architekten entworfen. Francis Kere, der in Burkina Faso geboren wurde, jetzt an der Technischen Universität München lehrt und ein Architekturbüro in Berlin betreibt. Kere ist einer der ganz großen Namen im afrikanischen Futurismus. Entsprechend beeindruckend ist auch der Entwurf, den er nun vorgelegt hat. Es braucht Phantasie, um sich vorzustellen, wie der Bau sich an einen Hügel quasi anschmiegen soll. Die Dächer auf verschiedenen Ebenen werden bepflanzt. Schon bald sollen sich hier und auf dem übrigen Campus ein paar hundert Studierende tummeln. Ein Silicon Valley mitten im Nirgendwo.

    Anschluss ans weltweite Netz dank 4G Empfang

    Die Karriere startet mit einem Intensivkurs. Gelehrt werde alles, erzählt Prinz Ludwig von Bayern, von der Gestaltung einer Internet-Seite bis hin zu einem Foto-Shoot, einem kleinen Web-Film. Oder wie man ein 3-D-Objekt baut und ein Computerspiel programmiert.

    Und obwohl es in der Turkana-Region außer dem See, ein paar Sträuchern und Ziegen sonst wenig gibt, klappt der Anschluss ans weltweite Netz. Anders als in abgelegenen Gegenden in Deutschland zeigt am Turkana-See das Handy 4-G-Empfang. Damit ist auch die wichtigste Voraussetzung gegeben, um von hier aus an Internet-Projekten zu arbeiten. Prinz Ludwig von Bayern will jungen Leuten eine Perspektive geben, denen sonst nach der Schule oft kaum eine Wahl bleibt. Die Jungen werden Viehhirte oder Fischer, die Mädchen bekommen viele Kinder und flechten nebenbei Körbe.

    "Deswegen ist das allerwichtigste, dass man für die Zeit nach der Schule realistische Chancen schafft. Und das muss halt mehr sein, als Körbe flechten. Es muss die Karriere-Optionen geben, die es für die Menschen in der entwickelten Welt auch gibt." Prinz Ludwig von Bayern

    Finanzielle Unabhängigkeit als Ziel

    Dass dieses Modell funktioniert, hat Ludwig von Bayern schon bewiesen. Seine IT-Schule gibt es im Kleinen in Lodwar, dem größten Ort in der Turkana-Region. Hier werden seit ein paar Jahren künftige Webdesignerinnen, Graphiker und Animateure ausgebildet. Das größte Gebäude hat in bunten Buchstaben “Google It House” über dem Eingang stehen. Eine graue Metalltür führt in einen einfachen Raum mit vielen Holztischen. Junge Frauen und Männer sitzen vor ihren Laptops. Sie haben die Grundausbildung bei „Learning Lions“ hinter sich und sind jetzt angehende Graphik-Designer. Kevin Waimani entwirft gerade einen Flyer für ein Restaurant in der Nähe. Umgerechnet etwa fünf Euro soll er dafür bezahlt bekommen – für ihn, sagt er, sei das völlig okay. Schließlich brauche er dafür nicht länger als 30 Minuten.

    Das gehört zum Konzept der Schule. Die Studierenden sollen möglichst schnell selbst Geld verdienen können. Die Kreativität auf dem Campus ist groß. Groß ist auch die Motivation bei den Studierenden. Sie sehen, dass sich viele aus den ersten Kursen schon eine erfolgreiche Karriere aufgebaut haben. Einige haben ein Stipendium einer australischen Universität bekommen. Andere sind direkt in den Beruf eingestiegen und haben Kunden nicht nur in Kenia, sondern auch im Ausland, für die sie Internet-Seiten bauen oder Animationsfilme erstellen. Ein Abnehmer ist die GIZ, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

    “Learning Lions” – Ein langzeit Projekt

    Manche haben noch nicht mal an einer Tastatur gesessen, wenn sie mit der Grundausbildung anfangen. Aber sie machen oft schnell Fortschritte. Ludwig von Bayern ist klar: Bis die IT-Schule steht und der Unterricht am Turkana-See läuft, ist noch viel Einsatz von ihm gefragt.

    "Wenn man Projekte wie dieses hier anfängt, dann muss man auch bereit sein, sie über einen langen Zeitraum, vielleicht sogar über das ganze Leben ein bisschen weiter zu begleiten. Das heißt aber nicht notwendigerweise, dass man sein ganzes Leben hier verbringen muss, sondern das heißt nur, dass man – wenn alles mal einigermaßen gut aufgestellt ist – dann noch regelmäßig darauf schaut, dass es gut weitergeht. Die große Kunst im Leben ist, sich ersetzbar zu machen. Und das sollte das eigentlich Ziel aller Entwicklungshilfe sein." Prinz Ludwig von Bayern

    Täglich neue Herausforderungen

    Wenn Ludwig von Bayern über das Gelände streift, trägt er einen bayerischen Trachtenhut aus Filz. Der schützt vor der Sonne, die hier oft unbarmherzig vom Himmel knallt. Und bringt ein bisschen Heimatgefühl nach Kenia. Der Prinz verbringt den Großteil des Jahres hier. Die Tage sind voll mit Arbeit. Entspannen, sagt er, könne er eher bei seinen Besuchen in München. In Kenia indes bringe jeder Tag neue Herausforderungen. So ein großes Projekt umzusetzen bedeutet, alles im Blick zu haben. Ludwig von Bayern hat die Vision, wie die Schule einmal aussehen und funktionieren soll. Doch bis es so weit ist, sind viele kleine Hürden zu überwinden. Wo kommt der Strom her, wie wird die Wasserversorgung gesichert, was geschieht mit dem Müll.

    "Die Infrastruktur zu schaffen, ist eine der großen Herausforderungen. Vor allen Dingen, wenn man eben nicht nur ein einzelnes Gebäude baut, wo man dann ein paar Solarzellen auf’s Dach tut und das reicht dann. Sondern wo wir wirklich einen Platz bauen, an dem 500 Menschen mit ihren Familien leben und arbeiten sollen."

    Vielfältiges Freizeitangebot

    Zu einem funktionierenden Campus soll mehr gehören als Unterrichtsräume und Wohnhäuser. Nach der Arbeit am Computer muss Abwechslung geboten werden.

    Geplant sind umfangreiche Freizeitmöglichkeiten. Alles von Basketball bis zu Tischtennis, auch ein Fitnesscenter. Nicht zu vergessen Wassersport und Erholung am 60 Kilometer langen, Palmen besetzten Sandstrand. Eine IT-Welt mit Urlaubsfeeling, in der Karrieren beginnen sollen. Steve Jobs und seine Freunde gründeten die Firma Apple in einer Garage. Wenn es nach Ludwig von Bayern geht, werden ähnliche Erfolgsgeschichten bald in der Halbwüste am Turkana-See geschrieben.

    Frauenförderung großgeschrieben

    Viele Erfolgsgeschichten sollen möglichst auch von jungen Frauen geschrieben werden. Für sie gibt es im Norden Kenias bisher kaum Chancen. Aber bei den Learning Lions in Lodwar, dem Vorläufer des Projekts am See, sind viele dabei, die in kurzer Zeit einiges erreicht haben. Dieses Selbstbewusstsein haben den jungen Frauen die Learning Lions gegeben. Die Studentinnen haben eine eigene Gruppe gegründet. Die "Tech Dadas" – frei übersetzt die Schwestern, die Ahnung von Technik haben.

    "Bei Tech Dada unterstützen und ermutigen wir uns gegenseitig, dass wir im technischen Bereich etwas lernen können. Genauso ermutigen wir andere Frauen in der Turkana-Region. Viele glauben ja, dass nur Männer solche Berufe ergreifen sollten. Wir zeigen den Frauen, dass wir es geschafft haben und dass sie das genauso können", erklärt Grace Anyango Owuori.

    Sie hat sich auf Graphik-Design spezialisiert. Irgendwann will sie sich selbständig machen. Das Logo für ihre eigene kleine Firma hat sie schon entworfen. Die Karriere steht vorläufig im Mittelpunkt ihres Lebens. Heiraten und Kinder bekommen will sie erst später. Ganz anders als viele andere junge Frauen und Mädchen in Kenia. Ans Körbe flechten – wie ihre Mütter – denkt von den Tech Dadas keine mehr. Manch eine der Frauen hofft auf ein Stipendium der australischen Universität, mit der die Learning Lions zusammenarbeiten.

    IT-Klassen auch für Flüchtlinge

    Chancen bekommen im jüngsten Projekt auch junge Frauen und Männer aus einem Flüchtlingslager. Die Turkana-Region liegt nah an der Grenze zum Südsudan, der von einem langen Bürgerkrieg gebeutelt ist. Millionen von Menschen sind auf der Flucht und ein Teil von ihnen ist in einem Lager im Norden Kenias angekommen. Auch Menschen aus Uganda und Somalia leben hier. Jetzt gibt es an der IT-Schule eine Klasse, die fast ausschließlich aus Flüchtlingen besteht, erzählt Prinz Ludwig von Bayern.

    "Das hat für uns eine gewisse Chance auch, wenn wir daran denken, dass wir in vielen Jahren oder in ein paar Jahren, mal ähnliche Projekte in anderen Ländern verwirklichen wollen, dass wir dann schon Menschen aus diesen schwierigen Ländern haben, die vielleicht dann eines Tages mit dem Wissen, das sie hier in Kenia erworben haben, wieder in den Südsudan oder nach Uganda oder nach Somalia zurückkehren können und wir dann dort ganz ähnliche Gemeinschaften schaffen können, wie wir es hier in Kenia angefangen haben." (Prinz Ludwig von Bayern)

    Damit würde ein weiterer Plan von Prinz Ludwig von Bayern aufgehen: Das Wissen wird aus der Turkana-Region auch in andere Gebiete Ostafrikas getragen. Vielleicht sind die in Lodwar ausgebildeten Leute die Keimzelle für viele neue Projekte.

    Vom Fischer zum Programmierer

    Gleichwohl: jetzt geht es vorrangig darum, die Schule am Lake Turkana fertigzustellen. In ein paar Jahren sollen die Learning Lions vom Turkana-See - so der Wunsch - in der gesamten IT-Branche ein Begriff sein. Und wenn es hier klappe, in einer Generation den Sprung vom Fischer zum Programmierer zu schaffen, meint Prinz Ludwig von Bayern, dann stünde Projekten in anderen Regionen nichts mehr im Weg.