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Lawinen: Der Wahnsinn abseits der Pisten | BR24

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Skifahren abseits freigegebener Pisten – bei der aktuellen Wetterlage kann das lebensgefährlich sein. Trotzdem wagen sich Skifahrer in ungesicherte Hänge, gefährden damit sich und andere. Warum?

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Lawinen: Der Wahnsinn abseits der Pisten

Skifahren abseits freigegebener Pisten – bei der aktuellen Wetterlage kann das lebensgefährlich sein. Trotzdem wagen sich Skifahrer in ungesicherte Hänge, gefährden damit sich und andere. Warum?

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Andi Eder hat viel zu tun momentan. Er ist Einsatzleiter der Bergrettung Mayrhofen im Zillertal. Erst vor wenigen Tagen hatten sie einen schwierigen Einsatz: Vier junge Männer, zwei Deutsche und zwei Österreicher, sind trotz Lawinenwarnstufe 4 in die Horberg-Klamm hinuntergefahren. "Dann kommt es zu der Situation, dass sie einfach wie in einer Mausefalle in der Schlucht da unten sind, nicht mehr vor und nicht mehr zurückkommen", erzählt er. Lebensgefährlich sei das nicht nur für die Skifahrer, sondern auch für die Retter.

"Das Gefährliche an diesem Gelände ist, dass es so steil ist, dass ein Schneebrett wegrutschen und wirklich auch Leute verschütten kann." Andi Eder, Einsatzleiter der Bergrettung Mayrhofen im Zillertal

15 Retter - um vier Skifahrer in Sicherheit zu bringen

Steiles Gelände und hohe Lawinenwarnstufe – eine gefährliche Kombination: Je höher die Warnstufe, desto riskanter wird es auch in flacheren Gebieten. Bei Lawinenwarnstufe 4 und 5 sollte man Hänge mit mehr als 30 Grad Steigung meiden, denn selbst bei geringem Gefälle können spontan Lawinen abgehen. Diese Warnung aber hatten die vier Skifahrer ignoriert, sodass 15 Retter von der Bergwacht Mayrhofen im Dunkeln in das unwegsame Gelände vordringen mussten. Mehrere Stunden dauert der Einsatz; am Ende kann die Bergwacht die vier Skifahrer retten.

Andi Eder allerdings ist immer noch verärgert - nicht nur wegen der Risikobereitschaft der Skifahrer. Sondern auch wegen deren Uneinsichtigkeit im Nachhinein. Denn noch während des Einsatzes beschwerten sich zwei der Fahrer, dass die Rettung so lange dauere.

"Man kommt sich verarscht vor. Wenn jemand so kommt, dann ist man erstmal fassungslos, weil wir unser Bestes geben und versuchen, den Menschen zu helfen in einer alpinen Notlage." Andi Eder, Einsatzleiter der Bergrettung Mayrhofen im Zillertal

Auch Lawinenairbags schützen nur bedingt

Auch wir beobachten während unserer Recherche Skifahrer abseits der gesicherten Pisten - trotz Lawinenwarnstufe 4. Viele wissen offenbar gar nicht, welches Risiko sie dabei eingehen: "Ich hatte schon ein bisschen Angst - aber nicht zu viel! Ich fahre abwechselnd auf der Piste und abseits. Und es ist doch erlaubt abseits der Piste zu fahren, oder?" Ein anderer wiederum räumt ein, man müsse schon vorsichtig sein: "Aber dann ist es okay."

Wiederum andere sagen, sie hätten keine Angst - schließlich hätten sie ja Lawinen-Airbags dabei. Doch genau diese Annahme ist trügerisch: Manchen Nutzern gelingt es vor Schreck nicht, den Auslösegriff zu ziehen. Die, die das schaffen, bleiben zunächst an der Oberfläche der Lawine. Staut es sich aber im Auslauf und kommt von oben weiterer Schnee nach, werden die Skifahrer dennoch verschüttet. Es droht der Erstickungstod.

Trotz Lawinenwarnstufe 3: Gefahr weiterhin groß

Für das kommende Wochenende wird voraussichtlich die Lawinenwarnstufe in manchen Gebieten von 4 auf 3 herabgesetzt. Doch Andi Eder von der Bergwacht Mayrhofen glaubt nicht, dass es dann weniger für ihn zu tun geben wird - im Gegenteil. Er befürchtet, viele Skifahrer könnten das als Entwarnung auffassen und trotz der Warnschilder in ungesichertes Gelände fahren.