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Der Trip des FC Bayern zur nächsten Titelmission hat in der Nacht von Freitag auf Samstag (06.02.2021) mit einer chaotischen Anreise begonnen

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    Lauterbach vs. Fußball: Wackeln sportliche Großveranstaltungen?

    Während sich Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge noch immer verärgert über einen verspäteten Abflug zur Club-WM nach Katar zeigt, stellt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sportliche Großveranstaltungen insgesamt in Frage.

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    • BR24 Redaktion

    Es war ein echter Aufreger: Die Verantwortlichen des FC Bayern zeigten sich wütend auf Brandenburger Behörden. Die ließen die Mannschaft nach einem Spiel gegen Hertha BSC aus der Bundeshauptstadt am Freitagabend nicht abfliegen, da es bereits Mitternacht war. Der Flughafen BER hat ein Nachflugverbot ab 0 Uhr. Der Verein konnte erst nach mehreren Stunden Verspätung und einer Zwischenlandung in München die Reise nach Katar zur Club-WM antreten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach stellt nun solche internationalen Fußball-Wettkämpfe in Frage.

    Müssen Fußballer in der Welt umherfliegen?

    Der frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat den Vorfall am Flughafen in Berlin als "Skandal ohne Ende" kritisiert. Dagegen zeigt Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der aktuellen Lage kein Verständnis für Spiele der Champions League. Er sieht auch eine mögliche Austragung von Fußball-EM und Olympia als "kritisch" an. Dieser Wettbewerb setze das "falsche Signal", sagte Lauterbach in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit Blick auf die anstehenden K.o.-Spiele in der Fußball-Königsklasse.

    "Wir sollen derzeit alle auf Reisen verzichten, diesen Appell hat auch die Bundeskanzlerin gesetzt, und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum wir da für einen Profizirkus eine Ausnahme machen sollten." Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

    Hoeneß sieht UEFA-Pläne kritisch

    Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hingegen sieht das anders. Die Münchner würden schließlich bei der Club-WM in Katar "als deutscher Verein für unser Land" antreten. Der Titelgewinn "würde der Bundesliga und damit auch unserem Land nicht schlecht zu Gesicht stehen", sagte Rummenigge. Trotz allem sieht auch Hoeneß die Pläne der UEFA kritisch. Das Festhalten der Europäischen Fußball-Union an einer EM in zwölf Ländern in Zeiten der Corona-Pandemie halte er für falsch.

    "Also ich finde es nicht gut, dass die UEFA offensichtlich darauf besteht, das in so vielen Städten zu machen, weil es doch zumindest im Moment so aussieht, dass viele Länder dieses Problem nicht im Griff haben. Ich hätte es vorgezogen, es auf drei, vier Länder zu konzentrieren, wo man eine größere Wahrscheinlichkeit gehabt hätte, dass man diese Hygienekonzepte gut umsetzen kann." Uli Hoeneß, früherer Präsident des FC Bayern

    Lauterbach stellt internationale Wettbewerbe in Frage

    Die Gefahr, das Virus einzuschleppen, sei gegeben, argumentiert hingegen SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach. Nicht nachvollziehen kann Lauterbach, dass EM und Olympia in einigen Monaten ausgetragen werden sollen. "Im Sommer wird es so sein, dass wir in vielen Plätzen Europas noch große Probleme, noch hohe Fallzahlen, haben werden. Im Sommer steht uns in Deutschland das letzte Gefecht dieser ersten Impfrunde bevor", sagte Lauterbach und gab mit Blick auf Olympia zu bedenken, dass dort Athleten aus Ländern anreisen, "denen das Schlimmste noch bevorsteht - Afrika oder Lateinamerika".

    An IOC-Präsident Thomas Bach stört Lauterbach, dass der keinen Plan B entwickele. "Er sagt einfach: Wir machen das und damit setzt er sich quasi über die internationale Notlage hinweg. Diese Haltung ist nicht gerade demütig und passt nicht in die Attitüde, die der Sport vorleben sollte", erklärte der Politiker, der auch gegen eine Impfbevorzugung von Sportlern ist. "Natürlich kann man es trotzdem machen, es wäre allerdings nicht sehr vorbildlich."

    "Spitzensport ist große Abwechslung für Bürger"

    Grundsätzlich ist der frühere Weltmeister Hoeneß aber dafür, den Spielbetrieb im Fußball trotz weiter beunruhigender Corona-Lage fortzusetzen. Zumindest in Deutschland habe der Fußball mit einem "sehr guten Hygienekonzept mit großer Disziplin diesen Wettbewerb prima hingekriegt".

    Zudem dürfe man nicht vergessen, dass der Spitzensport "doch eine große Abwechslung für die Bürger" sei.

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