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Gesundheitsminister Lauterbach (Archivbild)

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Corona: Lauterbach übt scharfe Kritik an Bundesländern

Corona: Lauterbach übt scharfe Kritik an Bundesländern

Gesundheitsminister Lauterbach rechnet mit einer Corona-Winter-Welle, aber es seien gute Vorbereitungen getroffen worden. Im "Thema des Tages" bei BR24 beklagt er einen "Überbietungswettbewerb" der Lockerungen und verweist auf die Todeszahlen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet mit einer Corona-Welle im Winter. Im "Thema des Tages" bei BR24 Radio verwies er in diesem Zusammenhang auf die aktuell kursierende Variante BQ.1.1. Zugleich beklagte der SPD-Politiker einen "Überbietungswettbewerb" der Lockerungsmaßnahmen zwischen den Bundesländern.

Doch Karl Lauterbach hält Kurs: Mit ihm wird es in den nächsten Wochen keine neuen Corona-Lockerungen geben – auch wenn die Infektionszahlen niedrig bleiben. Jetzt müsse man erst mal den Winter gut schaffen. "Wir haben gute Vorbereitungen getroffen. Ich glaube, dass wir noch mal eine Winter-Welle bekommen werden. Im Moment haben wir eine deutliche Übersterblichkeit. Das heißt, es ist zu früh zum Entwarnen“, so der Gesundheitsminister.

Lauterbach kritisiert Lockerungen der Länder

Den Weg, den manche Bundesländer derzeit einschlagen, kann Lauterbach nicht verstehen. Die Isolationspflicht aufzuheben, wie es beispielsweise Bayern, Baden-Württemberg und Hessen entschieden haben, hält der SPD-Minister für einen großen Fehler.

Er sagt: "Jetzt gibt es hier einen Überbietungswettbewerb, welches Land kann zuerst lockern. Das haben wir schon so oft gehabt. Immer wieder dieser Überbietungswettbewerb: Wer ist der Lockerungsweltmeister. Das ist ein stückweit auch populistisch. Das gefährdet diejenigen, die sich selbst nicht so gut schützen können. Nicht jeder kann sich durch eine Impfung perfekt schützen. Da muss einfach noch mal Rücksicht aufeinander genommen werden."

Lauterbach begründet seine Position unter anderem mit den weiterhin hohen Todeszahlen in Verbindung mit Corona: Pro Woche würden rund 1.000 Menschen sterben, so Lauterbach.

Lauterbach hält fest an der Maskenpflicht im Fernverkehr

Kritik am Kurs des Gesundheitsministers kommt beispielsweise von der Union. CDU-Chef Friedrich Merz wirft dem SPD-Politiker einen "fast schon sirenenhaften Alarmismus" vor. Auch Lauterbachs-Koalitionspartner in der Ampel-Regierung – die FDP – macht Druck. Manche Liberale sehen die Zeit längst gekommen, auf alle verpflichtenden Corona-Maßnahmen verzichten zu können.

In mehreren Bundesländern hat inzwischen eine Debatte über die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr begonnen. Schleswig-Holstein und Bayern überlegen, die Maske in Bus und Bahn abzuschaffen. Das wäre in den Augen Lauterbachs der nächste große Fehler.

Im Fernverkehr, für den der Bund zuständig ist, kommt ein Ende der Maskenpflicht für den Minister nicht in Frage. Er gibt zu bedenken: "Wir können ja jetzt hier nicht Folgendes machen: Es fällt eine leichtsinnige Entscheidung bei einigen Ländern. Und dann sagt man: Ok, jetzt ist diese Sicherung schon gefallen, dann sichern wir auch nicht mehr. Dann hätten wir gar keinen Effekt mehr. Das würde ja bedeuten, wir beenden die Pandemie."

Corona-Entwarnung nicht vor dem Frühjahr

Eine Entwarnung könne frühestens im nächsten Jahr gegeben werden, so Lauterbach. "Es zeichnet sich ab, dass die Varianten, die sich jetzt entwickeln, Gemeinsamkeiten aufweisen. Diese Gemeinsamkeiten weisen darauf hin, dass es so sein könnte, dass die Varianten nicht gefährlicher werden. (…) Jetzt kann es sein, dass wir mal auf eine Phase zulaufen, wo man etwas ruhiger mit dem Verfahren umgehen kann. Das könnte sein, dass das im Frühjahr der Fall ist."

Bis dahin will Lauterbach vorsichtig und auf Kurs bleiben – egal wer welche Lockerung in den nächsten Wochen fordern wird.

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