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Laschet, Merz und Röttgen: Buhlen um die junge Generation | BR24

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Das Format kommt aus der Werbebranche: der Pitch. Binnen fünf Minuten gilt es dabei zu überzeugen. Die Junge Union hatte die drei Bewerber um den CDU-Vorsitz zu einem Pitch nach Berlin geladen.

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Laschet, Merz und Röttgen: Buhlen um die junge Generation

Die CDU sucht einen neuen Chef. Um aus den drei Bewerbern ihren Favoriten zu wählen, hat die Junge Union ein Rededuell veranstaltet. Laschet, Merz, Röttgen - wer überzeugt den Parteinachwuchs?

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Die Kunst eines Pitches ist es, andere innerhalb kurzer Zeit von einer Idee zu überzeugen. Oder von sich selbst. Als bester Chef für eine Partei zum Beispiel. Genau vor diese Aufgabe hat die Junge Union nun die drei Männer gestellt, die Vorsitzender der CDU werden wollen: Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen.

"Wir reden viel über das Hier und Jetzt, aber wir wollen wissen: Wer will dieses Jahrzehnt wie gestalten?", fragt JU-Chef Tilman Kuban zum Start des Rededuells, für das sich die Junge Union das Format des Pitches ausgesucht hat. Die Spielregeln: Innerhalb von jeweils fünf Minuten sollen Laschet, Merz und Röttgen ihre Zukunftsideen vorstellen, vor allem zu Themen, die die Jugendorganisation von CDU und CSU am meisten beschäftigt: Innovation, Digitalisierung, Bildung, Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit.

Ziel ist es, mit den Bewerbungsreden den Parteinachwuchs zu überzeugen, denn der entscheidet im Anschluss darüber, wer die beste Figur gemacht hat.

Armin Laschet wirbt mit Erfahrungen als Ministerpräsident

Den Start macht, per Los ausgewählt, Armin Laschet, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens. Er steht auf der Bühne in einem großen Veranstaltungsraum in Berlin-Mitte. Das Publikum aber hört von zu Hause aus zu, der Pitch wird live im Netz übertragen.

Laschet wirbt mit Erfahrungen aus seinem Bundesland: Ein Digitalministerium auf Bundesebene, eine der großen Forderungen der Jungen Union, habe Nordrhein-Westfalen bereits aufgebaut. Sein Landeskabinett zeige die Vielfalt der Partei, was in der Bundespolitik noch nicht der Fall sei. Themen wie Bürokratieabbau und Klimaschutz packe er längst an. "Wir sind dabei, eine klimaneutrale Wirtschaft zu schaffen bis zum Jahr 2050", sagt Laschet, der seinen Pitch überzieht, denn zum Ende kommt er nicht nach fünf, sondern erst nach etwa sieben Minuten.

Friedrich Merz fordert neuen Generationenvertrag

Knapper, in nur vier Minuten, trägt im Anschluss Friedrich Merz seine Ideen für die Zukunft der CDU und Deutschlands vor: "Dieses Land ist zu langsam geworden, wir sind zu träge geworden", sagt Merz. Deutschland brauche eine "Technologie- und Gründungsoffensive".

Darüber hinaus dürfe das Land nicht mehr auf Kosten der jungen Generation leben. Merz macht sich für einen neuen Generationenvertrag stark: "Wir werden keine Beschlüsse mehr fassen, keine Gesetze mehr verabschieden, die die Lasten von heute in die Zukunft verlegen und dort der jungen Generation auferlegt werden", sagt Merz.

Norbert Röttgen will Digitalisierung voranbringen

"Wir sind am Beginn der 20er-Jahre, in denen nichts sicher ist, außer einem: Es wird weiter dramatische Veränderungen geben." So startet Norbert Röttgen seine fünfminütige Bewerbungsrede. "Ich glaube, weder das Land noch die CDU sind angemessen vorbereitet auf das, was kommt an weiteren Erschütterungen."

Die Digitalisierung müsse schnell vorangebracht werden, vor allem in den Schulen, denn im Moment sei etwa "WLAN an jeder Schule" noch ein "frommer Wunsch". Es sei auch nicht damit getan, Tablets für die Schulen einzukaufen, es brauche darüber hinaus Personal, das die Technik betreut und auch neue pädagogische Konzepte.

Hitzige Diskussionen bleiben aus

Nach den drei Bewerbungsreden geht der Pitch der Jungen Union zu einzelnen Themen in die Tiefe. Einige Mitglieder der Jugendorganisation haben dazu ihre Fragen als Video geschickt. Laschet, Merz und Röttgen antworten. Große Kontroversen und intensive Diskussionen bleiben aber aus. In vielen Dingen sind sich die drei Kandidaten offenbar nicht uneinig.

Röttgen beklagt, dass auch die öffentliche Verwaltung in Sachen Digitalisierung aufholen muss – und verweist auf den Pionier Estland: "Sprechen Sie mal mit einem Esten, dass wir Kindergeldanträge auf Papier machen. Die lachen sich kaputt."

Merz gegen Homeoffice per Gesetz

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt der Zukunft kritisiert Merz, dass es ein Recht auf mobiles Arbeiten per Gesetz geben soll. Genau dazu hat erst kürzlich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD einen Gesetzentwurf vorgelegt. "Es macht überhaupt keinen Sinn, in Deutschland 24 Arbeitstage im Jahr Homeoffice per Gesetz anzuordnen", sagt Merz. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssten das jeweils verhandeln. Mehr Flexibilität soll es, so Merz, auch bei den Arbeitszeiten geben.

Laschet bekennt sich zum Bildungsföderalismus

Uneinigkeit gibt es unter den Bewerbern beim Thema Bildung: "Wir haben eine Krise des Bildungsföderalismus", sagt Röttgen. Als Beispiel nennt er den Digitalpakt, mit dem der Bund Milliardenbeträge in die digitale Ausstattung von Schulen pumpen will. Allerdings kommt viel von dem Geld im Moment nicht dort an.

Die Lösung - aus Röttgens Sicht: "Wir brauchen für die nationale Aufgabe Bildung mehr Kompetenz und mehr Verantwortung des Bundes." Laschet widerspricht: "Ich bin dezidiert nicht der Meinung, dass der Unterricht in den Schulen besser geht, wenn das der Bund in die Hand nimmt." Der Bund habe das Verfahren, um an das Geld aus dem Digitalpakt zu kommen, zu kompliziert gestaltet.

Wer überzeugt den Parteinachwuchs?

Nun sind die Mitglieder der Jungen Union gefragt, nach ihren Angaben sind es um die 100.000. Sie sollen in den nächsten zwei Wochen entscheiden, wer den Pitch gewonnen hat, wer also aus ihrer Sicht der beste Bewerber für den CDU-Vorsitz ist.

"Das Ergebnis dieser Befragung betrachtet der JU-Bundesvorsitzende für seine persönliche Wahlentscheidung am Parteitag als bindend", heißt es auf der Webseite der Jungen Union. Der CDU-Parteitag, und damit die Wahl des nächsten CDU-Chefs, soll voraussichtlich im Dezember stattfinden.

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