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Landtagswahl in Thüringen: Stimmung, Themen und Trends | BR24

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In Thüringen sind heute 1,7 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Die Stimmung im ersten Bundesland mit einem Ministerpräsidenten der Linkspartei ist gut. Bodo Ramelow profitiert von seinem Amtsbonus.

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Landtagswahl in Thüringen: Stimmung, Themen und Trends

In Thüringen sind heute 1,7 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Die Stimmung im ersten Bundesland mit einem Ministerpräsidenten der Linkspartei ist gut. Bodo Ramelow profitiert von seinem Amtsbonus.

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Den Thüringern geht es gut. Die Wirtschaft läuft, Themen wie Arbeitslosigkeit oder Angst vor Armut im Alter spielen bei dieser Wahl keine Rolle. So sagten es die Thüringer zumindest selbst bei Befragungen von Infratest dimap. Die Wahlforscher stellen eine Verschiebung der wichtigsten Themen fest.

Wichtige Themen: Umwelt, Zuwanderung und Bildung

Wahlforscher Roberto Heinrich fällt auf, wie auch schon bei den vergangenen Wahlen in den ostdeutschen Bundesländern, dass die Grundstimmung der Bürger eigentlich ganz gut ist. "Schule und Verkehr bewegen die Thüringer", sagte er. Doch auch die Themen Umwelt und Zuwanderung spielen für die Wähler eine Rolle. Es gibt Sorgen Einzelner, dass sie ihren Lebensstandard künftig nicht mehr halten können, aber die Mehrheit berichtet in Umfragen nicht von persönlichen Sorgen und Nöten.

70 Prozent mit Ramelow zufrieden

Wussten nach der Landtagswahl vor fünf Jahren viele noch nicht, wie das wohl werden wird mit dem ersten Linken-Ministerpräsidenten der Republik, stellen heute sechs von zehn Thüringern der rot-rot-grünen Regierung von Bodo Ramelow ein gutes Zeugnis aus. Ramelow steht sogar besser da als einst seine Vorgänger Dieter Althaus und Christine Lieberknecht von der CDU. 70 Prozent sagen, Ramelow sei ein guter Ministerpräsident, über Lieberknecht sagten das damals 49 Prozent.

Auch im bundesweiten Vergleich muss sich Ramelow mit diesen Werten nicht verstecken. Winfried Kretschmann stand im Jahr 2016 mit 89 Prozent Zustimmung ganz oben auf der Beliebtheitsskala, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder lag im vergangenen Jahr bei 49 Prozent.

Ramelows Stärke schadet SPD und CDU

Der SPD-Spitzenkandidat in Thüringen, Wolfgang Tiefensee, hat ein Problem, das auch sein Genosse in Sachsen, Martin Dulig, gut kennt. Wie auch Dulig ist der ehemalige Bundesverkehrsminister Tiefensee im Land wohlgelitten, aber seine Beliebtheitswerte zahlen nicht auf das Konto der Landes-SPD ein. Im Gegenteil: Die SPD muss, wie auch schon bei den vorangegangenen Wahlen in Brandenburg und Sachsen, mit Verlusten rechnen.

Die CDU steckt in einer echten Klemme, nämlich zwischen Rechts und Links. Die Wahlforscher stellen fest, dass die eigentlichen politischen Gegner Gefallen an der Landesregierung finden. Fast die Hälfte der CDU-Anhänger in Thüringen ist mit der linken Regierung in Erfurt zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Auf der anderen Seite treibe die AfD die CDU mit den Themen innere Sicherheit, Flüchtlingspolitik und Zuwanderung vor sich her. Noch dazu, so die Erkenntnis von Roberto Heinrich, bekämen die Landespolitiker der CDU inzwischen keinen Rückenwind mehr aus Berlin, sondern eher Gegenwind.

FDP wird zum Zünglein an der Waage

Ob Bodo Ramelow mit Rot-Rot-Grün weiterhin regieren kann, hängt vor allem von der FDP ab. Wahlforscher Roberto Heinrich legt sich fest: "Wenn sechs Parteien in den Landtag kommen, dann war es das für die jetzige Landesregierung - null Chance mehr." Doch auch wenn die FDP die Fünf-Prozent-Hürde nicht schafft, könnte die Regierungsbildung schwierig werden. Am Ende müssten sich rein rechnerisch die Linke und die CDU zusammensetzen. Theoretisch. Denn die CDU hat sowohl mit der AfD als auch mit der Linkspartei ein Bündnis kategorisch ausgeschlossen.

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Bis 14 Uhr zeichnete sich eine höhere Wahlbeteiligung ab als beim letzten Mal: etwa 42 Prozent hatten bis dahin schon abgestimmt. Vor fünf Jahren waren es um diese Zeit erst 30 Prozent.