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Landesregierung berät über Maßnahmen zu Corona bei Tönnies | BR24

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Sondersitzung in NRW

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Landesregierung berät über Maßnahmen zu Corona bei Tönnies

Das nordrhein-westfälische Landeskabinett berät am heutigen Sonntag in einer Sondersitzung über Konsequenzen aus dem Corona-Ausbruch bei dem Fleischfabrikanten Tönnies. Ein regionaler Lockdown wurde zuvor ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

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  • BR24 Redaktion

Das nordrhein-westfälische Landeskabinett berät am Mittag in einer Sondersitzung darüber, welche Konsequenzen aus dem Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies zu ziehen sind. Dabei geht es auch um die Frage eines regionalen Lockdowns.

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Laschet bei Vorort-Termin

Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies mit bislang mehr als 1.000 Infizierten will sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntag vor Ort ein Bild von der Lage machen. Der Regierungschef fahre mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Morgen nach Gütersloh in Ostwestfalen, teilte die Staatskanzlei in Düsseldorf mit. Dort wollten die Politiker unter anderem den Krisenstab des Kreises treffen und mit eingesetzten Kräften vor Ort sprechen.

Außerdem tritt am Sonntag das Landeskabinett in Düsseldorf zu einer Sondersitzung zusammen. Laschet wird dem Vernehmen nach per Video zugeschaltet. Der CDU-Regierungschef will nach Angaben der Staatskanzlei anschließend ein Statement vor der Presse abgeben.

Debatte über regionalen Lockdown

Laschet hatte wegen des massiven Corona-Ausbruchs einen regionalen Lockdown ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht dafür keine Alternative. Es bestehe die Gefahr, dass die Eindämmung des Virus verschleppt wird, sagte Lauterbach dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Bund und Länder haben Kontakt- und Ausgehbeschränkungen für den Fall von mehr als 50 Neuinfektionen pro Woche bei 100.000 Einwohnern vereinbart. Wann soll diese Regelung zur Anwendung kommen wenn nicht jetzt im Landkreis Gütersloh?", so Lauterbach.

Er halte die Situation für brandgefährlich. "Es muss in dem Betrieb erhebliche Verstöße gegen Hygieneregelungen gegeben haben. Andernfalls wäre ein Ausbruch in dieser Größenordnung undenkbar", sagte der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete.

Der Landrat des betroffenen Kreises, Sven-Georg Adenauer (CDU), will eine Ausgangssperre dagegen verhindern.

Mitarbeiter der Kreisverwaltung und des Arbeitsschutzes seien in der Nacht zum Samstag bei Tönnies gewesen und hätten sich Zugang zu den Personaldaten verschafft, berichtete Adenauer. Das Unternehmen habe es "bis gestern um Mitternacht nicht geschafft", den Behörden sämtliche Wohnadressen der bei Tönnies Beschäftigten auszuhändigen, kritisierte er. Seit 1.30 Uhr lägen diese nun endlich vor.

Quarantänezone in Verl, Schulen und Kitas geschlossen

Nach positiven Corona-Tests bei zahlreichen Tönnies-Mitarbeitern hatte die Stadt Verl (Landkreis Gütersloh) am Samstag in einem Stadtteil eine Quarantänezone eingerichtet. Mehrere Mehrfamilienhäuser, in denen Werkvertragsarbeiter der Firma Tönnies untergebracht sind, wurden unter Quarantäne gestellt. Auch Bewohner, die nicht bei Tönnies arbeiten, sind davon betroffen. Der gesamte Bereich wurde mit Bauzäunen abgeriegelt. In den betroffenen Häusern leben in drei Straßenzügen insgesamt knapp 670 Menschen.

Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wurden bis zum Beginn der Sommerferien erneut geschlossen.

Landsberg nimmt Mitarbeiter in Schutz

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte angesichts der Corona-Ausbrüche der vergangenen Tage vor möglichen sozialen Konflikten. "Wir dürfen Menschen nicht diskriminieren oder benachteiligen, die zum Beispiel im Niedriglohnbereich unter schlechten Wohnverhältnissen die preiswerte Fleischproduktion in bestimmten Betrieben gewährleistet haben", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Landsberg betonte, man dürfe Menschen, die in beengten Verhältnissen wohnen, keinen Vorwurf machen, weil es dort eher zu Infektionen kommen kann. Hier seien insbesondere die Betriebe gefordert, nicht nur für anständige Löhne und Arbeitsbedingungen zu sorgen, sondern insbesondere auch für Wohnverhältnisse, in denen ausreichende Hygienestandards gewährleistet werden können.

Reihentests werden fortgesetzt

Die Reihentestungen der insgesamt 6.500 Mitarbeiter auf dem Werksgelände der Firma Tönnies werden heute mit Hilfe der Bundeswehr fortgesetzt. Bis Samstagmittag waren rund 5.800 Proben genommen worden. 3.127 Befunde lagen vor: Bei 1.029 Beschäftigen wurde das Coronavirus nachgewiesen, in 2.098 Fällen war das Ergebnis negativ.

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