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Massive Kritik an Kurzausflug von Corona-Patient Trump | BR24

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Zwei Tage nach seiner Einlieferung in die Klinik hat US-Präsident Donald Trump mit einem kurzen Ausflug massive Kritik auf sich gezogen. Am Sonntagabend ließ er sich in einem gepanzerten Geländewagen an Anhängern vorbeifahren.

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Massive Kritik an Kurzausflug von Corona-Patient Trump

Zwei Tage nach seiner Einlieferung in die Klinik hat US-Präsident Trump mit einem kurzen Ausflug massive Kritik auf sich gezogen. Am Abend ließ er sich in einem Geländewagen an Anhängern vorbeifahren, die sich vor der Krankenhaus versammelt hatten.

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Ein Mediziner des Militärkrankenhauses in Bethesda warf dem ansteckenden Präsidenten wegen seines Kurz-Trips Verantwortungslosigkeit vor. Das Weiße Haus verteidigte Donald Trumps Aktion mit dem Argument, dass sie vom medizinischen Team als sicher eingestuft worden sei.

Donald Trump: "Ich kapiere es, und ich verstehe es"

Fast zeitgleich mit dem Geländewagen-Ausflug wurde einen Videobotschaft Trumps veröffentlicht. Darin erklärte er, dass seine Infektion ihn viel über Covid gelehrt habe. Dies sei die wahre Schule und etwas anderes, als nur darüber zu lesen. "Ich kapiere es, und ich verstehe es", erklärte der Präsident, der die seit sieben Monaten tobende Pandemie wiederholt heruntergespielt hat. "Und es ist eine sehr interessante Sache."

Kritik: Mitfahrer in Gefahr gebracht

Sein Kurztrip im Geländewagen ließ beim Arzt James Phillips jedoch Zweifel aufkommen. "Jede einzelne Person, die während dieser total unnötigen präsidialen "Vorbeifahrt" im Fahrzeug war, muss jetzt für 14 Tage in Quarantäne", schrieb der Mediziner auf Twitter. "Sie könnten krank werden. Sie könnten sterben. Für politisches Theater. Von Trump angehalten, ihre Leben für Theater aufs Spiel zu setzen. Dies ist Wahnsinn." Gemäß Richtlinien des Zentrums für Seuchenschutz und Prävention sollte der Transport eines Patienten mit Verdacht auf Sars-CoV-2 oder bestätigter Infektion außerhalb seines Zimmers auf medizinisch notwendige Zwecke beschränkt sein.

Der demokratische Senator Brian Schatz beschuldigt Trump, seine eigenen Sicherheitsleute zu gefährden: "Sie sind sich des mit dem Job verbundenen Risikos bewusst, aber das Risiko sollte nicht von der zu schützenden Person ausgehen."

Regierung verteidigt Kurztrip von Trump

Regierungssprecher Judd Deere teilte indes mit, dass Vorkehrungen vor Trumps Überraschungsbesuch bei dessen Unterstützern getroffen worden seien. Dazu gehörte Schutzausrüstung sowohl für Trump als auch für seine Begleiter.

US-Medienberichten zufolge saß Trump mit zwei Mitarbeitern des Secret Service in dem gepanzerten Wagen, mit dem er an den Fans vor dem Walter-Reed-Militärkrankenhaus bei Washington vorbeigefahren wurde. Auf Fotos war zu erkennen, dass der Beifahrer ein Plastikvisier über dem Gesicht, eine Atemschutzmaske und einen medizinischen Schutzanzug zu tragen schien. Trump trug lediglich eine Stoffmaske.

Trumps Krankheitsverlauf schwerer als angegeben

Dennoch standen noch Fragen nach dem wahren Gesundheitszustand des Präsidenten im Raum. Zwar gebe es Hoffnung, dass er schon am heutigen Montag die Militärklinik verlassen und seine Behandlung im Weißen Haus fortsetzen könne, sagte der Lungen-Spezialist Brian Garibaldi. Zugleich räumten die Mediziner ein, dass der Verlauf von Trumps Corona-Infektion schwerwiegender gewesen sei als bislang angegeben. Trumps Sauerstoffwerte seien zwei Mal abgesackt, sagte sein Leibarzt Sean Conley. Am Freitag habe der Präsident "hohes Fieber" und einen Sauerstoffgehalt im Blut von unter 94 Prozent gehabt.

Auf die Diskrepanz zwischen seinen Informationen und jenen aus dem Weißen Haus angesprochen, räumte der Leibarzt ein, dass er bewusst ein rosiges Bild von Trumps Zustand habe zeichnen wollen. Es sei ihm darum gegangen, die optimistische Haltung des Teams und des Präsidenten widerzuspiegeln. Man habe aber nicht versucht, etwas zu verbergen.

Trump dringt auf Rückkehr in den Wahlkampf

Trump will ungeachtet seiner Corona-Infektion bei grünem Licht der Ärzte so schnell wie möglich wieder in den Wahlkampf eingreifen – und sogar das zweite TV-Duell mit Joe Biden bestreiten. Das deutete Regierungssprecherin Kayleigh McEnany am Sonntag in einem Interview des Nachrichtensenders Fox News an. Ihr Chef sei "sehr zuversichtlich, unverzüglich wieder draußen zu sein, wenn die Ärzte es für angemessen halten", sagte sie.

Trumps demokratischer Rivale Joe Biden wurde am Sonntag erneut negativ auf das Coronavirus getestet, wie sein Kampagnenteam mitteilte. Das Resultat kam fünf Tage nach Biden Auftritt bei der TV-Debatte gegen Trump. Die beiden hatten sich in Cleveland mehr als 90 Minuten lang eine Bühne geteilt. Biden war bereits am Freitag zwei mal negativ auf das Virus getestet worden.

Maas kritisiert Häme an Trumps Covid-Erkrankung

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat Häme angesichts der Covid-19-Erkrankung von US-Präsident Donald Trump kritisiert. "Wenn es um die Person geht, wenn es ums Überleben geht, dann hat Schadenfreude keine Berechtigung", sagte Maas am Sonntagabend der Internetsendung "Bild live". Hämische Botschaften schadeten nicht nur der Kommunikation, "sondern am Ende auch der demokratischen Kultur".

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