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Kurzarbeit – jetzt sind auch Zeitungsredaktionen betroffen | BR24

© Bildagentur-online/Schoening/dpa

Trotz umfangreicher Berichterstattung über die Corona-Pandemie, müssen viele Zeitungen derzeit Kurzarbeit anmelden.

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    Kurzarbeit – jetzt sind auch Zeitungsredaktionen betroffen

    Die Mainpost in Würzburg, die Allgäuer Zeitung in Kempten, die Augsburger Allgemeine und jetzt auch die Süddeutsche Zeitung (SZ): In all diesen Redaktionen ist derzeit wegen Corona Kurzarbeit angesagt.

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    Seit Wochen berichten Redaktionen darüber, jetzt sind sie selbst betroffen: Immer mehr Verlagshäuser melden Kurzarbeit an – nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Spiegel, Zeit, Springer-Verlag und die Stuttgarter Zeitung gehören dazu, andere erwägen es zumindest.

    Und das, obwohl die journalistische Arbeit in der Krise eher mehr als weniger geworden ist: Die Tages- und Wochenzeitungen informieren ausführlich über alle Facetten der Coronakrise, vertiefen die regionale Berichterstattung, legen Sonderausgaben auf, setzen neue Ideen wie Podcasts oder Newsletter um.

    Regionalverlage: Zu wenig vorgesorgt?

    Zugleich brechen Werbeumsätze weg. Der Rückgang ist dramatisch und liegt bei regionalen Zeitungen bei bis zu 80 Prozent. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) rechnet mit einem Rückgang von 50 bis 70 Prozent. Der Bayerische Journalistenverband BJV erkennt dieses Problem an, ist aber dennoch verwundert: "Wir sehen momentan noch nicht das Licht am Ende des Tunnels. Wir sehen aber auch nicht das schwarze Loch, in das wir alle reinfallen", so der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbandes BJV, Michael Busch.

    "Uns überrascht ein wenig, dass die Häuser letztlich eine Art Offenbarungseid leisten, der zeigt, dass man offensichtlich über einen sehr kurzen Zeitraum nicht überlebensfähig ist. Das macht es schon schwer einzuschätzen, ob jetzt die richtigen Schlüsse gezogen und Maßnahmen angestoßen werden. Da sind wir aus Sicht des BJV eher skeptisch."

    Auch Cornelia Berger, die die Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (DJU) bei Verdi leitet, zweifelt mit Blick auf den gesamtdeutschen Medienmarkt, dass die Existenznöte der Verlage schon so groß sind, dass man ganze Unternehmen komplett runterfahren sollte.

    Sparrunden in München

    Die SZ, als größte überregionale Tageszeitung Deutschlands, gehört seit 2008 zur Südwestdeutschen Medienholding SWMH in Stuttgart; über die aus Schwaben verordneten Sparrunden haben Verlag und Redaktion schon öfter gestöhnt. Jetzt hat SWMH-Geschäftsführer Stefan Hilscher für sie ebenfalls Kurzarbeit und zudem einen Einstellungs- und Kostenstopp angekündigt.

    Der eigene Buchverlag des Hauses, in dem auch Autorinnen und Autoren der SZ veröffentlicht haben, wird eingestellt. Die Geschäftsleitung kündigt gleichzeitig an, drei Monate lang auf 20 Prozent ihres Gehalts zu verzichten, um einen Härtefonds für die Mitarbeiter einzurichten – was die, so hört man aus dem Hause, eher als Hohn betrachten.

    Süddeutsche Zeitung: Kurzarbeit trotz Mehrarbeit?

    Auch der Begriff "Kurzarbeit" stößt redaktionsintern auf Kritik: Die Zeitung, ob gedruckt oder digital, ist so gefragt wie nie. Die Zahl der Digitalabos schnellte auf 140.000 nach oben – im Vorjahresvergleich ist das fast eine Verdopplung, auch wenn das nicht nur der Krisennachfrage, sondern auch der Digital-Offensive geschuldet ist, die Redaktion und Verlag 2018 gestartet hatten.

    Die Abrufe auf dem Online-Portal und in der App haben sich ebenso verdoppelt wie das Interesse am SZ-Newsletter, aufwändige eigene Recherchen werden in schneller Taktfolge veröffentlicht – journalistisch ist mehr als genug zu tun.

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