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Kurzarbeit - ein bewährtes Kriseninstrument | BR24

© picture alliance/Ulrich Baumgarten

Auto-Produktion bei Audi. Auch bei dem Ingolstädter Autobauer waren schon Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen (Archivbild).

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Kurzarbeit - ein bewährtes Kriseninstrument

In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 setzte die damalige Bundesregierung auf eine großzügige Ausweitung der Kurzarbeit. Es half: Die Arbeitslosenzahlen schnellten nicht in die Höhe. Nun sitzt Arbeitsminister Heil wieder an Sonderregelungen.

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Es gibt auch in normalen Zeiten Kurzarbeitergeld. Wenn ein Betrieb auf ein "unvorhersehbares Ereignis" wie zum Beispiel einen Auftragseinbruch reagieren muss, kann er für seine Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragen. Für maximal zwölf Monate übernimmt die Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Teil des Lohnausfalls. Kinderlose bekommen 60 Prozent des Lohnausfalls ersetzt. Wer Kinder hat, erhält 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns.

Beispiel: Wem von seinem Nettogehalt 660 Euro wegen der Kurzarbeit fehlen, bekommt von der BA 400 Euro Kurzarbeitergeld, also 60 Prozent.

Das Credo damals: "Mit Kurzarbeit die Krise meistern"

So lautete die Überschrift, die sich der damalige SPD-Arbeitsminister Olaf Scholz 2008 ausgedacht hatte, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer sicher durch die Konjunkturkrise zu führen. Die zwölf Monate Bezugsdauer wurden auf 24 Monate erweitert. Für Arbeitnehmer, die sich weiterqualifizierten, übernahm die BA die vollen Sozialversicherungsbeiträge.

Mit Erfolg: Die Zahl der Arbeitslosen blieb nahezu konstant. Die Betriebe mussten keine Mitarbeiter entlassen. Im Jahr 2008 waren 3,3 Millionen Menschen arbeitslos, im Jahr darauf waren es 3,4 Millionen.

Credo heute: Mit Qualifizierung Arbeitslosigkeit verhindern

Hubertus Heil setzt nun neben der Erweiterung der bestehenden Kurzarbeiterregelungen vor allem auf die Möglichkeiten zur Qualifizierung. Das soll laut einem ersten Entwurf sogar so weit gehen, dass auch Beschäftigte ohne Berufsabschluss diesen nachholen können.

"Wir wollen uns für den Krisenfall wappnen", beschwichtigte Arbeitsminister Heil seine Pläne. Tatsächlich ist die Bundesrepublik von einer Wirtschafts- und Finanzkrise wie 2008 weit entfernt. Die offizielle Sprachregelung der Bundesregierung lautet, es gebe im Moment eine "Konjunkturdelle". Tatsächlich liegt die Arbeitslosenquote seit einem Jahr konstant um die fünf Prozent. Allerdings hat die Bundesregierung die Konjunkturprognose für das Jahr 2019 gesenkt. Sie erwartet für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent. Die Industrie klagt bereits über sinkende Aufträge. Allein die bayerischen Maschinenbauer verzeichneten im ersten Halbjahr 2019 ein Minus von sieben Prozent.

Anträge auf Kurzarbeit seit einem Jahr mehr als verdoppelt

Während im Juli 2018 bei der Bundesagentur für Arbeit 473 Betriebe in ganz Deutschland konjunkturelle Kurzarbeit anzeigten, waren es ein Jahr später mehr als doppelt so viele: nämlich 1050 Firmen. In Bayern meldeten im Juli vergangenen Jahres 68 Betriebe Kurzarbeit an. Im Juli 2019 waren es 165 Betriebe. Diese Zahl schwankt im Monatsvergleich, seit Mai sinkt sie in Bayern.

Wirklich aussagekräftig sind die Zahlen von Kurzarbeit erst mit einiger Verzögerung. Denn wenn ein Betrieb Kurzarbeit "anzeigt", heißt das noch nicht, dass auch alle Mitarbeiter Kurzarbeitergeld bekommen. Das hängt davon ab, wie viele Menschen dann tatsächlich weniger arbeiten und dafür eine Ausgleichszahlung von der BA erhalten.

© BR

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