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Kurden in Nord-Syrien: "Wir werden unser Gebiet nicht verlassen" | BR24

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Die türkische Armee steht für einen dritten Einmarsch in Syrien bereit, die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Viele Menschen in Nord-Syrien sehen dies mit großer Sorge, zeigen sich aber auch kampfbereit - obwohl sie sich vom Westen verraten fühlen.

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Kurden in Nord-Syrien: "Wir werden unser Gebiet nicht verlassen"

Die türkische Armee steht für einen dritten Einmarsch in Syrien bereit, die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Viele Menschen in Nord-Syrien sehen dies mit großer Sorge, zeigen sich aber auch kampfbereit - obwohl sie sich vom Westen verraten fühlen.

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In Ras al-Ain in der Provinz Hasaka kamen gestern Syrer zusammen, um gegen die drohende Invasion zu demonstrieren. In dem Ort direkt an der Grenze leben vor allem Araber und Kurden. Summaiyah Mohammed, eine Kurdin, sagte zum irakisch-kurdischen Sender Rudaw:

"Wenn der Krieg ausbricht, werden die Menschen in Gefahr sein, und sie werden vertrieben werden. Wohin sollen wir gehen? Jeder, den du fragst, sagt dir, dass wir unser Gebiet nicht verlassen werden. Aber schlussendlich werden wir alle vertrieben werden." Summaiyah Mohammed, Kurdin

"Wir akzeptieren keine Fremden"

Auf Bannern sind Slogans gegen die Türkei zu lesen. Auf einem steht: "Wir akzeptieren keine Fremden in unserem Land." Ähnlich entschlossen gibt sich Avin Sweden, eine Aktivistin:

"Dies ist nicht das erste Mal, und es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Türkei mit einer Invasion droht. Während der vergangenen sieben Jahre hat Erdogan die Bevölkerungsgruppen im Norden und im Osten Syriens (immer wieder) bedroht. (Aber) in unserem Gebiet haben wir unsere Truppen, die uns seit Beginn der Krise verteidigen." Avin Sweden, Aktivistin

Die YPG-Miliz ist zur Verteidigung bereit

Damit dürfte sie die YPG meinen, eine syrisch-kurdische Miliz, die aus Sicht der Türkei der verlängerte Arm der verbotenen Terrororganisation PKK ist. Innerhalb der Syrischen Demokratischen Kräfte, SDF, einer multi-ethnischen und multi-konfessionellen Allianz in Nordost-Syrien, spielt die YPG eine führende Rolle. Militärisch dürften die SDF den Türken bei einem Einmarsch zwar wenig entgegenzusetzen haben, dennoch sagt Gabriel Keno, ein Sprecher der SDF, man sei zur Verteidigung bereit:

"Die Drohungen der Türkei, das Gebiet anzugreifen, sind nicht neu, das machen die Türken seit Jahren. Wir, die Syrischen Demokratischen Kräfte, berücksichtigen das und sind darauf vorbereitet, auf jeden Angriff auf syrischen Boden machtvoll zu antworten." Gabriel Keno, Sprecher der SDF

Die Kurden fühlen sich von den USA verraten

Unmittelbarer Anlass der Demo in Ras al-Ain: Gestern Morgen hatten die USA dort und im etwa einhundert Kilometer entfernten Tel Abyad Beobachterposten geräumt, um den Türken nicht im Wege zu stehen. Erst Anfang August hatten die Amerikaner gemeinsame Patrouillen mit den Türken in diesem Gebiet begonnen und flogen mit ihnen auch Aufklärungsmissionen.

Die SDF beugten sich dabei dem Wunsch der Amerikaner: Sie zerstörten in dieser Region Befestigungen, die sie zum Schutz vor der Türkei errichtet hatten, und zogen sich mehrere Kilometer weit von der Grenze zurück nach Süden. Jetzt, nach dem Rückzug der US-Soldaten aus diesem Grenzstreifen, könnte genau dort ein türkischer Einmarsch beginnen. Die Kurden fühlen sich deshalb verraten. Abdel Halim Akko, einer der Demonstranten in Ras al-Ain:

"Wenn die internationale Koalition die Grenze verlässt und ihren Verbündeten aufgibt, der für die ganze Welt gegen den IS gekämpft hat, als der auf dem Höhepunkt seiner Macht war, … wir waren diejenigen, die den IS (fertiggemacht) haben …, wenn diese Leute allein gelassen werden, dann verurteilen wir die internationale Gemeinschaft." Abdel Halim Akko, Demonstrant