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Kulturpreis für Club-of-Rome-Forscher | BR24

© BR/Ulrich Trebbin

1972 hat Dennis Meadows vorausgesagt, dass in mittlerweile nur noch 80 Jahren die Ressourcen der Erde aufgebraucht sein werden. Heute hat er zusammen mit dem Begründer von Transparency International, Peter Eigen, den Deutschen Kulturpreis bekommen.

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Kulturpreis für Club-of-Rome-Forscher

1972 hat Dennis Meadows vorausgesagt, dass in 80 Jahren die Ressourcen der Erde aufgebraucht sein werden. Für seine Analysen hat er zusammen mit dem Begründer von Transparency International, Peter Eigen, den Deutschen Kulturpreis bekommen.

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Die These von Dennis Lynn Meadows 1972 war: Bereits in 80 Jahren werden die Ressourcen der Erde aufgebraucht und die Weltwirtschaft zusammengebrochen sein. Klimakrise und Bevölkerungswachstum werden ein Übriges tun, um den dramatischen Wandel zu befördern und politische, soziale und kulturelle Umwälzungen zu verschärfen.

Club-of-Rome-Studie "Die Grenzen des Wachstums"

Schon 1972 in seiner weltberühmten Studie für den Club of Rome mit dem Titel "Die Grenzen des Wachstums" hat der heute 77-jährige Ökonom das vorhergesagt. Über folgende Hungersnöte, Kriege und den Zusammenbruch von Gesellschaften und Kulturen kann er nur spekulieren, sicher aber ist laut Dennis Meadows, dass unser Leben schon in 30 Jahren deutlich anders aussehen wird – auch in Bayern.

"Ich bin absolut sicher, dass das Klima sich in negativer Weise verändern wird. Energie wird teurer sein, und das hat Auswirkungen auf die Nahrungsversorgung, die Wirtschaft und so weiter. Der Migrationsdruck wird ebenfalls deutlich höher sein und so werden immer konservativere und nationalistischere Regierungen Mauern gegen die Fluchtbewegungen errichten." Dennis Lynn Meadows Ökonom

Homo sapiens kann nicht weit in die Zukunft denken

Worüber Meadows den Kopf schüttelt, ist, dass die Welt all das seit über 45 Jahren weiß, sich aber trotzdem nichts grundsätzlich ändert, obwohl es möglich wäre. Der Grund dafür seien die Begrenzungen unserer der Gattung Homo sapiens: Die Evolution habe uns nie gezwungen, an der Lösung von weiter in der Zukunft liegenden Problemen zu arbeiten.

"Wenn ich Sie warne: 'Vorsicht da vorne kommt ein Tiger!' und Sie dann sagen: 'Ich werde jetzt erstmal die Geschichte der Spezies Tiger untersuchen und verstehen', dann wird der Tiger Sie töten. Sie müssen also rennen. Wir Menschen sind intellektuell und kulturell nicht in der Lage, diese langfristigen Probleme zu sehen und uns entsprechend darauf vorzubereiten. Der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker hat gesagt: 'Wir wissen schon, was wir tun müssten, aber wir wissen nicht, wie wir wieder gewählt werden, wenn wir es tun.'" Dennis L. Meadows

Jeder kann seinen Beitrag leisten

Seine Konsequenz: Man müsse im Kleinen anfangen. Jeder muss tun, was er kann, um schonend mit den Ressourcen umzugehen, und hoffen, dass die anderen es auch tun, so Meadows. Der Amerikaner selbst lehnt Einladungen zu Klimakonferenzen in Europa häufig ab, weil er dafür ein Flugzeug besteigen müsste. Trotzdem ist er für den Deutschen Kulturpreis Preis nach München geflogen. Mit den 30.000 Euro Preisgeld will er in seiner Heimatstadt eine Fußgängerbrücke aus Holz bauen lassen, damit viele Menschen zu Fuß in die Stadt kommen können, anstatt mit dem Auto zu fahren.

Korruption bringt Migration

Dass Menschen ihre Heimatländer verlassen und in wohlhabendere Länder auswandern, weil ihnen die Lebensgrundlagen fehlen, dafür ist auch die weltweite Korruption verantwortlich. Peter Eigen hat für sein Handeln aus dieser Erkenntnis heute den Ehrenpreis des Deutschen Kulturpreises bekommen. Als Mitarbeiter der Weltbank hat er in den 70er- und 80er-Jahren erlebt, wie auch europäische Firmen Politiker in Afrika, Lateinamerika oder Asien bestochen haben.

"Da ging es um Beträge wie 50 Millionen Dollar an einen Präsidenten, einen Minister, einen Generaldirektor eines Staatsunternehmens, um die falschen Entscheidungen zu treffen. Über Wasserkraftwerke, über große Eisenbahnlinien, über Pipelines, über Milliardenprojekte." Peter Eigen, Gründer von Transparency International

Tranparency International im Kampf gegen Korruption

Als die Weltbank, bei der er damals arbeitete, sich nicht dafür interessierte, gründete Peter Eigen die gemeinnützige Organisation "Transparency International", die inzwischen ein Jahresbudget von 30 Millionen Euro zur Verfügung hat, um Korruption zu bekämpfen – durch Überzeugungsarbeit, durch politische Arbeit, aber auch durch konkreten Einfluss auf die Wirtschaft.

"Wenn da eine große Ausschreibung ist, dann sprechen wir alle Firmen an, die sich beteiligen an der Ausschreibung, zum Beispiel ein großes Weltbankprojekt in Kenia oder so, da gibt's zehn Firmen, die ein Angebot vorbereiten, und alle denken, die anderen bestechen. Und deswegen sagen wir, wir machen einen Integritätspakt, den ihr alle unterschreiben müsst, und in dem bestimmte Dinge definiert werden, die ihr nicht machen dürft. Und wir als Zivilgesellschaft, wir sorgen dafür, dass das überwacht wird."