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Ab Ende 2021 soll es in Deutschland kein Kükentöten mehr geben. Was sind die Alternativen?

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    Kükentöten-Verbot: Wie steht es um die Alternativen?

    Das Kükentöten soll in Deutschland verboten werden. Am 20. Januar hat die Bundeslandwirtschaftsministerin ihren Gesetzentwurf ins Kabinett eingebracht. Doch die Alternativen zum Kükentöten sind auch nicht ganz unproblematisch.

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    Von
    • Simon Plentinger

    Wer Hühnereier produzieren will braucht Legehennen. Sie werden in Brütereien ausgebrütet und legen nach ihrer Aufzucht dann etwa ein Jahr lang Eier. Diese Legehennen sind speziell dafür gezüchtet, möglichst produktiv Eier zu legen. Dafür sind diese Rassen allerdings nur schlecht zu mästen, die Hähne setzen kaum Fleisch an.

    Da nur die Weibchen Eier legen und die Männchen nicht als Masthähnchen taugen, werden die Hähne gleich nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet - in der Regel mit dem Gas Kohlendioxid. Diese Praxis will Landwirtschaftsministerin Klöckner abschaffen. Doch dafür müssen Alternativen her. Die gibt es, allerdings bringen sie auch einige Schwierigkeiten mit sich.

    Alternative eins: Bruderhahnaufzucht

    Die Idee: Die männlichen Geschwister trotzdem aufziehen. Das Problem: Rentabel ist die Aufzucht nicht. Es wird viel Futter benötigt für sehr wenig Fleisch, dieses taugt allerdings nur für verarbeitete Produkte. Die Mehrkosten werden über einen höheren Preis der so entstandenen Bruderhahn-Eier finanziert. Weil es sich kaum lohnt, sind viele Produzenten skeptisch. Sie verweisen oft auch darauf, dass die Bruderhahnaufzucht dadurch nicht ressourcenschonend und damit klimaschädlich sei.

    Für Bernd Adleff, Vorsitzender des Landesverbands der bayerischen Geflügelwirtschaft, ist die Bruderhahnaufzucht keine bessere Alternative zum Kükentöten – nur weniger emotional diskutiert: "Beim kleinen, süßen, flauschigen Küken kommen einfach vielen Leuten die Tränen, wenn Sie sagen: 'Das wird jetzt getötet.' Wenn wir uns das als Bruderhahn anschauen, dann wird er eben zehn Wochen später getötet. Und man kann nichts damit anfangen, mehr oder weniger", so Adleff.

    Alternative zwei: Geschlechtsbestimmung im Ei

    Die Idee: Noch bevor die Küken schlüpfen wird bestimmt, aus welchen Embryonen Männchen und aus welchen Weibchen werden. Ausgebrütet werden nur die Legehennen. Die männlichen Embryonen werden abgetötet – im Idealfall so früh, dass sie davon nichts spüren. Die Eier werden dann zu Futtermitteln verarbeitet.

    Für das Verfahren wird aus den Eiern noch mitten in der Brutphase ein Tropfen Flüssigkeit entnommen. Dann werden entweder die DNA oder die enthaltenen Geschlechtshormone analysiert.

    Das Problem: Bislang sind zwei Verfahren für einige deutsche Handelsketten im Einsatz. Bis diese Verfahren flächendeckend genutzt werden können, wird es noch dauern. Und: Klöckners Gesetzentwurf sieht vor, dass bis 2024 die Geschlechtsbestimmung spätestens an Tag sechs von 21 Bruttagen passieren darf. Damit die Embryonen auch möglichst sicher noch nichts spüren.

    Doch daran tüfteln die Entwickler, wie etwa Michael Kleine vom Anbieter Plantegg aus Kiel, erst noch. Die funktionierenden Verfahren greifen im Moment nämlich erst an Tag neun. Die Flüssigkeit früher zu entnehmen ist bislang noch eine ungelöste technische Herausforderung. Kleine ist zwar optimistisch, dass das mit seinem DNA- basierten Verfahren möglich ist, aber: "Wir haben noch keine konkrete Lösung in der Hand", sagt er.

    Alternative drei: Zweinutzungshühner

    Die Idee: Züchtungen, die beides liefern: Hennen, die halbwegs produktiv Eier legen und Hähne, die genug Fleisch ansetzen, sodass sie als Brathähnchen verkäuflich sind. So können alle Tiere der Züchtung wirtschaftlich genutzt werden.

    Das Problem: Es ist ein Kompromiss. Er bedeutet weniger Eier pro Henne, weniger fette Hähnchen und das zu insgesamt höheren Preisen. Darum wird das Konzept vor allem da ausprobiert, wo die Kunden auch bereit sind, für mehr Tierwohl mehr zu bezahlen.

    Und zwar im Bio-Sektor, zum Beispiel bei Gerlinde Wagner mit ihrer Biohennen AG. Sie sieht es als den richtigen Weg an, in der der Biohennen-Haltung auf Zweinutzungshühner umzusteigen. "Wenn wir zeigen können, dass geht, dann freuen wir uns über Nachahmer", sagt Wagner. Bislang ist das Zweinutzungshuhn aber noch ein absolutes Nischenprodukt. Als Alternative für die große Masse der Branche ist diese Option weit entfernt.

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