BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture-alliance/dpa
Bildrechte: picture-alliance/dpa

Geschlechtsbestimmung der Küken nach dem Schlüpfen

Per Mail sharen

    Kükentöten: Der Verbraucher entscheidet mit

    Jeder Deutsche isst rund 230 Eier pro Jahr. Millionen von Legehennen sorgen dafür - die männlichen Küken dagegen werden nach dem Schlüpfen getötet. Die Politik hat das bisher nicht verhindert. Aber schon jetzt hat der Verbraucher eine Wahl.

    Per Mail sharen

    Johanna Burczyk schlendert durch einen Bio-Supermarkt im Münchner Stadtteil Moosach. Vor dem Eierregal verweilt sie einen Augenblick. Sie sucht nach einer ganz bestimmten Sorte. Denn nicht bei allen Eiern kann sie sich darauf verlassen, mit ihrem Kauf nicht dazu beizutragen, dass die männlichen Küken nach dem Schlüpfen gleich getötet werden.

    Dass in Deutschland immer noch massenhaft Küken vergast werden, kann sie nicht verstehen. "Das ist nicht schön zu wissen, dass unsere Industrie so funktioniert und man das dann auch noch unterstützt, indem man diese Eier kauft", sagt sie.

    Millionenfaches Kükentöten

    Tatsächlich werden in Deutschland männliche Küken immer noch millionenfach getötet. Denn bei der Zucht und Haltung von Legehennen besteht kein Bedarf an männlichen Nachkommen. Sie legen keine Eier und auch für die Mast sind die Tiere nicht geeignet. Deshalb werden sie nach dem Schlüpfen aussortiert und mit Kohlendioxid vergast. Auch das Kükenschreddern ist grundsätzlich noch zulässig.

    Zahl angestiegen

    Zuletzt ist die Zahl der getöteten Küken sogar angestiegen. Das legt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Fraktionsvizes der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, nahe. Der Grünen-Politiker kritisiert, dass der Ex-Bundeslandwirtschaftsminister von der CSU, Christian Schmidt, das nicht verhindert hat.

    "Es sind inzwischen fast 46 Millionen Küken, die letztes Jahr getötet worden sind. Das sind eine Million mehr als noch im Jahr zuvor. Ich hoffe, dass Julia Klöckner hier eine andere Politik macht als Christian Schmidt und nicht nur folgenlose Ankündigungen in die Welt setzt." Oliver Krischer, B.90/Grüne, Stellv. Fraktionsvorsitzender

    Was plant die GroKo?

    Union und SPD kündigen im Koalitionsvertrag an: „Das Töten von Eintagsküken werden wir bis zur Mitte der Legislaturperiode beenden.“ Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gibt sich optimistisch, dass es nicht nur bei einer Ankündigung bleibt. Man könne aber nicht von heute auf morgen ein Gesetz erlassen ohne eine Alternative. Aus Sicht der CDU-Politikerin würde die Eier produzierende Industrie ansonsten ins Ausland abwandern.

    "Es sind ja vier Millionen Euro eingesetzt worden für die Forschung an alternativen Methoden. Zum Beispiel, dass man im Ei schon das Geschlecht erkennen kann. Und bis zur Mitte der Legislaturperiode ist eines klar, dann wollen wir kein Kükentöten mehr haben." Julia Klöckner, CDU, Bundeslandwirtschaftsministerin

    Aufzucht statt Töten

    Darauf wollte Annalina Behrens nicht warten. Als Mitinitiatorin von „haehnlein“ setzt sie sich dafür ein, dass auch die sogenannten Bruderhähne aufgezogen werden. Auch weil sie schon gesehen hat, was es bedeutet, wenn männliche Küken gleich nach dem Schlüpfen vergast werden.

    "Die Küken am ersten Lebenstag zu töten ist furchtbar. Da wird einem ganz anders. Und das bringt allen Elan, den man irgendwie aufbringen kann, zutage, dass man so etwas zukünftig nie wieder machen muss." Annalina Behrens, Mitinitiatorin haehnlein, Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof

    Schlachtung nach 120 Tagen

    Statt die männlichen Tiere direkt nach ihrem Schlupf zu töten, zieht die Erzeugergemeinschaft Fürstenhof sie nach eigenen Angaben schonend und unter biologisch kontrollierten Haltungsbedingungen groß – querfinanziert über einen geringen Aufpreis bei den Eiern der Schwesterhennen. Nach etwa 120 Tagen werden die Hähne geschlachtet und das Fleisch im Einzelhandel angeboten. Zum Vergleich: Ein konventionell gemästetes Hähnchen erreicht sein Schlachtgewicht nach etwa 35 Tagen.

    PETA: „Bruderhahn“ ein Unwort

    Für die Tierschutzorganisation PETA ist der Begriff „Bruderhahn“ ein tierfeindliches Unwort. Die Organisation kritisiert, Anbieter dieses Konzepts würden eine tierfreundliche Alternative zum Töten von männlichen Küken vorgaukeln. Der Tod der Tiere werde jedoch nur hinausgezögert und die Hähne nach wenigen Monaten geschlachtet. Annalina Behrens vom Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof spricht von einem Spannungsfeld.

    "Wir retten zwar die Küken. Aber die Hähne werden nachher trotzdem getötet. Bis dahin haben sie es aber so gut gehabt, wie es geht. Und dann kann ich persönlich es auch wieder vertreten, zu sagen, es ist ein Nutztier." Annalina Behrens, Mitinitiatorin haehnlein, Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof

    Mehr Bewusstsein beim Verbraucher

    Im Bio-Supermarkt in München wird Johanna Burczyk doch noch fündig. Sie greift nach einer Eierpackung von einem Betrieb, der sich dem Konzept „Bruderhahn“ verschrieben hat. Dass sie für diese Eier ein paar Cent mehr bezahlen muss, nimmt sie gerne in Kauf. Sie glaubt, es brauche mehr Bewusstsein beim Verbraucher und mehr solcher Angebote.

    "Dann würden die Leute auch mehr darauf zugreifen. Da kann man dann mit gutem Gewissen davon ausgehen, dass die männlichen Küken tatsächlich auch weiterleben dürfen und nicht geschreddert werden." Johanna Burczyk