Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Küken-Töten: Was bedeutet das Urteil? | BR24

© BR/ Julia Haas

Küken töten bleibt weiterhin erlaubt – übergangsweise. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich auf Methoden bezogen, die die Geschlechtsbestimmung nach ein paar Tagen ermöglichen sollen. Was sagen Geflügelzüchter und Tierschützer?

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Küken-Töten: Was bedeutet das Urteil?

Küken töten bleibt weiterhin erlaubt – übergangsweise. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich auf Methoden bezogen, die die Geschlechtsbestimmung nach ein paar Tagen ermöglichen sollen. Was sagen Geflügelzüchter und Tierschützer?

Per Mail sharen

Rund 13.000 Tiere hat der Legehennenhalter aus Dietramszell im Landkreis Bad-Tölz Wolfratshausen in seinen Ställen. Er füttert sie ohne Gentechnik, betreibt seine Geflügelzucht als Freilandhaltung. Die Hühner bekommt das Unternehmen von einer Brüterei in Baden-Württemberg. Die männlichen Küken werden dann direkt nach dem Schlüpfen getötet.

"Ich glaube, die ganze Geflügelbranche ist erleichtert. Es ist ein sehr vernünftiges Urteil. Man arbeitet seit Jahren daran, eine Lösung zu finden und will es zur Praxisreife bringen. Wir wären in der Geflügelbranche froh, wenn wir aus der Diskussion um das 'Küken Töten' raus sind." Michael Häsch, Geflügelhalter aus Dietramszell

Europäische Lösung gewünscht

Vorübergehend bleibt das Kükentöten ja erlaubt. Hat die Geflügelbranche denn wirklich Interesse daran, die bisherige Praxis umzustellen? Michael Häsch glaubt Ja: "Wollen ja die Eier an Kunden verkaufen, und wenn man immer dieses Küken töten im Hintergrund hat, ist das für die Vermarktung nicht förderlich." Er hofft, dass bald eine Lösung gefunden wird. Bei der Geschlechtererkennung würde er sich ein Verfahren wünschen, bei dem die Eier mit männlichen Embryonen möglichst früh aussortiert und vernichtet werden. Am wichtigsten ist ihm aber: eine europäische Lösung.

"Es kann nicht sein, dass wir auf einmal ein oder zwei Cent höhere Produktionskosten haben und die Eier dann aus Polen, aus der Ukraine, aus Holland kommen und billiger angeboten werden." Michael Häsch, Geflügelhalter aus Dietramszell

Mäuse statt Küken? Ersatzfutter für Tierhalter

Auch Bernd Adleff vom Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft findet das Urteil sinnvoll. Er glaubt, dass bei einem strikten Verbot die Brütereien wohl ins Ausland abgewandert wären. Sorge haben aber laut Bernd Adleff jetzt wohl Tierhalter. Bisher werden die männlichen Eintagsküken nämlich tiefgefroren als Tierfutter an Zoos oder Greifvogelstationen verkauft.

"Falls ein Verbot käme wissen sie nicht, wie sie ihre Tiere zukünftig füttern sollen. Wir haben Kunden, die holen, wie heute früh zum Beispiel, gleich 30.000 Stück. Man müsste dann vielleicht in die Mäusezucht einsteigen." Bernd Adleff, Bayerische Geflügelwirtschaft

Für Tierschützer geht das Urteil nicht weit genug

Das Bundesverwaltungsgericht habe zwar bestätigt, dass es keinen vernünftigen Grund gäbe, die Tiere zu töten und Tierschutz wichtiger sei als Wirtschaftlichkeit, insgesamt seien sie aber enttäuscht von diesem Urteil, sagt Inke Drossé vom Deutschen Tierschutzbund.

"Wir bedauern sehr, dass das BVG seinen eigenen Grundsätzen nicht wirklich gefolgt ist, denn es hat den Brütereien die Möglichkeit gegeben, erstmal die Küken weiter zu töten." Inke Drossé, Deutscher Tierschutzbund

Dies trifft zumindest solange zu, bis die Methoden zur Geschlechtsfrüherkennung praxisreif sind. Laut Experten kann das aber noch mindestens drei bis fünf Jahre dauern.

© BR24

45 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jährlich getötet. Trotz Tierschutzgesetz. Warum? Und gibt es Alternativen? #fragBR24??

Verbraucherschutzminister will Eier ohne Kükentöten schon ab Herbst

Es sei Zeit für ein klares Bekenntnis zum Tierschutz geworden, sagt Verbraucherschutzminister Glauber nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Tötung von männlichen Küken. Glauber freue sich, dass das Töten von Küken in Zukunft unterlassen werden muss, so der Politiker der Freien Wähler im Interview mit der Rundschau des BR-Fernsehens.

Bayern mache, so Glauber, Druck, um diese Verfahren zur Geschlechtsfrüherkennung flächendeckend deutlich schneller als in den angepeilten drei Jahren zu erreichen. Der Stand der Forschung zur Geschlechtsbestimmung sei in Bayern so weit, dass bereits im Herbst die ersten Einzelhändler entsprechende Eier anbieten könnten. Dies werde wohl auch Auswirkungen auf den Eierpreis haben. Bayern müsse hier vorangehen, um zu europaweiten Standards zu kommen.

"Aber das sollte uns der Tierschutz auch wert sein." Thorsten Glauber, Verbraucherschutzminister Bayern

Alternative Zweinutzungshuhn?

Inke Drossé vom Tierschutzbund sagt, sie würden sowieso das Zweinutzungshuhn favorisieren. So müssten weder Küken noch Embryonen samt Ei getötet werden. Bei den Zweinutzungshühnern greift man auf Rassen zurück, die sich zum Eierlegen, aber auch zur Fleischproduktion eignen.

© BR

Das massenhafte Töten von männlichen Küken in der Legehennen-Zucht bleibt vorerst noch erlaubt. Und zwar so lange, bis die Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei - also vor dem Schlüpfen - eingeführt werden.