BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Kroatien: Wenn das Urlaubsland plötzlich Risikogebiet wird | BR24

© picture alliance/Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Zentralbild/dpa

Kroatien, Split: Zwei Touristen gehen am Hafen entlang.

47
Per Mail sharen

    Kroatien: Wenn das Urlaubsland plötzlich Risikogebiet wird

    Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts hat die deutschen Urlauber in Kroatien kalt erwischt, damit hatten die Reisenden nicht gerechnet. Doch obwohl sie nun in einem Risikogebiet ihre Ferien verbringen, fühlen sich die meisten sicher.

    47
    Per Mail sharen

    Viel ist nicht los auf dem Campingplatz in Primošten. In der Gespanschaft Šibenik-Knin gilt seit Donnerstag die vom Auswärtigen Amt erlassene Reisewarnung. Nur ein Drittel des Campingplatzes ist belegt, berichtet Urlauberin Constanze Bleicher, die aus dem Landkreis Mühldorf stammt. Viele Slowenen sind da und einige Deutsche. Constanze Bleicher macht zum dritten Mal hier Urlaub, mit dem Wohnwagen, ihrem Mann und zwei Kindern.

    "Es ist unglaublich ruhig. Man hat kaum Kontakt zu irgendjemandem, wenn man nicht möchte." Urlauberin Constanze Bleicher

    Seit Jahren macht Familie Bleicher regelmäßig in Kroatien Urlaub. Sie schätzt das Meer und fährt gerne mit dem Boot zu den vorgelagerten kleinen Inseln. Die Reisewarnung hat die Familie überrascht; vor der Abreise habe sie regelmäßig die kroatischen Corona-Fallzahlen gecheckt.

    Urlauber nicht in Angst

    Die Entwicklung hat die Urlauber aber nicht beunruhigt. Denn Hygiene-Regeln wie Maske und Abstand werden gut eingehalten und die Waschräume auf dem Campingplatz regelmäßig desinfiziert, sagt Constanze Bleicher. Nur zum Einkaufen geht die Familie unter Menschen, mit den entsprechenden Hygieneregeln.

    "Wir meiden von uns aus die Altstadt und verzichten auf unnötige Ausflüge, fühlen uns hier sehr sicher!" Urlauberin Constanze Bleicher

    Seit über einer Woche bereits genießt die Familie ihren Kroatien-Urlaub. Eigentlich war die Rückreise für Samstag kommender Woche geplant. Doch wegen der Testpflicht und Quarantäneregeln will die Familie etwas früher nach Hause reisen. Damit das Ergebnis des Corona-Tests dann möglichst noch vor dem Wochenende da ist und nach dem Wochenende wieder gearbeitet werden kann. Die Idee, sofort nach Hause zu fahren, hat die Familie schnell wieder verworfen. Denn ein Gefühl der Unsicherheit kam nicht auf. Partys, auf denen sich viele Menschen treffen, kennt sie in der Gegend keine, betont die 42-Jährige.

    Arbeitgeber bereits informiert

    Ihr Mann habe mit dem Chef bereits Kontakt aufgenommen. Dieser sei relativ entspannt, erklärt die Urlauberin. Nach dem Corona-Test an der Grenze bei Passau werde die Familie sich erst einmal isolieren, bis das Ergebnis da ist. Jetzt in Panik zu verfallen, bringe nichts; nun müsse man eben das Beste aus der Situation machen.

    © Constanze Bleicher

    Abstand halten - kein Problem auf dem Campingplatz in Primošten.

    Urlauberin: Brombachsee überlaufener als Kroatien

    Auch Andelka Schmidtner aus Ansbach will einige Tage früher zurückfahren als geplant, um ausreichend Zeit für den Corona-Test und die anschließende Wartezeit bis zur Benachrichtigung zu haben. Seit vier Wochen ist die Urlauberin nun mit ihrer Familie bereits in Kroatien, mal im Appartement und mal auf einem Boot. Die in Würzburg geborene Kroatin Andelka Schmidtner hat im Raum Vodice Verwandte und ist deshalb regelmäßig dort. Sie hofft, dass das Corona-Testergebnis innerhalb von 48 Stunden vorliegt, damit sie und ihr Mann schnell wieder in die Arbeit einsteigen können. Große Sorgen macht die 46-Jährige sich nicht. Am mittelfränkischen Brombachsee gehe es viel schlimmer zu als in Kroatien, meint die Urlauberin.

    "Ich find’s schon besser, wenn man sich testen lässt, damit man andere nicht ansteckt. Denn man kann ja auch symptomlos sein." Urlauberin Andelka Schmidtner

    Sie selbst sei immer vorsichtig gewesen, sagt sie. Den Pizza-Service hat die Familie sogar zum Boot in den Hafen bestellt, um den Restaurantbesuch meiden zu können.

    "Manche haben das vielleicht nicht so für voll genommen, weil sie im Urlaub sind und vielleicht Corona doch vergessen haben." Urlauberin Andelka Schmidtner

    Einsam und sicher auf dem Boot

    Auch der Münchner Patentanwalt Theo Seitz ist ein großer Kroatien-Fan. Der 38-Jährige ist seit dem Wochenende mit einem Freund auf einem Segelboot unterwegs. Wohl etwas außerhalb des Risikogebiets, aber was weiß man schon, wo genau im Wasser die Grenze verläuft. Kroatien ist ein Paradies für Wassersportler und Naturliebhaber. Als die Reisewarnung für Kroatien kam, haben er und sein Mitreisender beschlossen, die Häfen nur noch selten anzulaufen. Geschlafen wird sowieso auf dem Segelboot.

    Problem Partyinseln

    Seit zwei Monaten bereits ist der Jurastudent Tamer Beck aus München in Opatija. Sein Großvater wohnt in Kroatien; die Region ist derzeit jedoch noch nicht zum Risikogebiet erklärt worden. Das könne sich aber ändern, denn in der Gegend gibt es etliche "Partyinseln", die sicher zu den erhöhten Infektionszahlen beigetragen hätten. Gefeiert wird dort zwar unter freiem Himmel, aber ohne Abstand. Beck selbst hält sich von den Festen fern. In der kommenden Woche will der 21-Jährige wieder nach Bayern zurückkehren, etwas früher als ursprünglich geplant. Seit der Reisewarnung durch Österreich sei die Zahl der Touristen deutlich zurückgegangen; viele stornierten ihre Unterkünfte.

    Tourist: Maskenpflicht kam zu spät

    Kroatien habe einen Fehler gemacht, so die Einschätzung von Tamer Beck. Die Maskenpflicht sei zu früh abgeschafft und dann zu spät wieder eingeführt worden, sagt der 21-Jährige. Das könnte zu den steigenden Fallzahlen beigetragen haben, unter denen nun der Tourismus vor Ort leidet.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!