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Kritik an Kardinal Müller wegen NS-Vergleich | BR24

© dpa/ picture alliance

Gerhard Ludwig Müller vergleicht den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten.

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    Kritik an Kardinal Müller wegen NS-Vergleich

    Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, hatte den Synodalen Weg als "suizidartigen Prozess", der mit dem Ermächtigungsgesetz der Nazis vergleichbar sei, bezeichnet. Dafür wird er heftig kritisiert.

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    Beim "Synodalen Weg" diskutieren und entscheiden Bischöfe und Vertreter des Kirchenvolks gemeinsam über Reformen in der katholischen Kirche. Themen sind unter anderem der Zölibat oder die Rolle von Frauen in der Kirche. Die erste Synodalversammlung der katholischen Kirche, die am 30. Januar in Frankfurt am Main begonnen hatte, erntete viel Anerkennung für das konstruktive, offene Gesprächsklima, aber auch vereinzelt Kritik - vor allem von konservativer Seite. Auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, hatte sich in die Debatte eingemischt, indem er den "Synodalen Weg" der deutschen Kirche mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten 1933 verglich.

    Müller sieht im Synodalen Weg einen "suizidartigen Prozess"

    Mit dem sogenannten Ermächtigungsgesetz hoben die Nationalsozialisten am 24. März 1933 die Gewaltenteilung in der Weimarer Republik auf. Das Gesetz ermöglichte der Exekutive, der Regierung unter Reichskanzler Adolf Hitler, Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen. Damit war der Reichstag machtlos und die Legislative, die gesetzgebende Gewalt, ging auf die Hitler-Regierung über.

    Kardinal Müller bezeichnet den Synodalen Weg als "suizidartigen Prozess", bei dem die Mehrheit entscheide, „dass ihre Entscheidungen gültig sind, auch wenn sie der katholischen Lehre widersprechen". So wird Müller in einem kanadischen Internetportal zitiert. Weiter sagte er: "So war es, als die Weimarer Verfassung durch das Ermächtigungsgesetz aufgehoben wurde."

    Hagenkord: Müllers Äußerung sei "geschichtsvergessen"

    Die Gegenreaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Wer den Synodalen Weg mit dem Ermächtigungsgesetz der Nazis vergleiche, habe entweder "keine Ahnung von Geschichte" oder wolle mutwillig Debatten vergiften, sagte der Münchner Jesuit Bernd Hagenkord. Er ist der Geistliche Begleiter des Synodalen Wegs.

    Jesuit Bernd Hagenkord wirft Müller vor, mit diesem Vergleich eine Grenze überschritten zu haben: "Bei Nazi-Vergleichen von Christen gegen Christen hört es auf." Müllers Äußerungen seien geschichtsvergessen, menschenverachtend und vergifteten den Diskurs, so der ehemalige Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan.

    Jung: Nazi-Vergleich "geht immer schief"

    Der Würzburger Bischof Franz Jung kritisierte den Vergleich ebenfalls. "Ich hab schon öfter gesagt, man soll die nächsten 100 Jahre jeglichen Vergleich mit der Nazi-Zeit lassen, das geht immer schief. Diese ganzen Vergleiche mit der Nazizeit sind wenig hilfreich." Jung plädiert dafür, zum Synodalen Weg zu stehen, immerhin habe sich die Bischofskonferenz per Beschluss darauf verständigt.

    Bereits unmittelbar nach dem Treffen in Frankfurt am Main haben einige Teilnehmer das Format kritisiert. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zum Beispiel beanstandete das gleichberechtigte Miteinander von Bischöfen und Nichtbischöfen bei der Versammlung.

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