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Kritik an Corona-Kontaktbeschränkungen für Kinder | BR24

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In der Münchner Runde regt sich Kritik an den Corona-Maßnahmen.

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Kritik an Corona-Kontaktbeschränkungen für Kinder

Kinder und Jugendliche sollen sich in ihrer Freizeit nur noch mit einer festen Person treffen – diese Empfehlung haben Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten am Montag ausgesprochen. Kinderärzte und Pädagogen sind dagegen.

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Bund und Länder haben am Montag in einem Beschluss empfohlen, dass sich Familien nur noch mit einem weiteren festen Hausstand treffen. So sollen die Kontakte beschränkt und die Corona-Pandemie eingedämmt werden. Der Appell, der bald zum Verbot werden könnte, schließt auch Kinder und Jugendliche in den Familien mit ein. Das heißt, sie müssten sich auf unbestimmte Dauer auf einen Freund oder eine Freundin festlegen. Dagegen regt sich Kritik.

Holetschek: Maßnahmen an Lebensrealität anpassen

Klaus Holetschek (CSU), Staatsekretär im Bayerischen Gesundheitsministerium, hat die Ministerpräsidenten aufgefordert, die geplante "Ein-Kind-Regel" zur Corona-Eindämmung zu überdenken. Das sagte er in der Münchner Runde am Mittwochabend im BR-Fernsehen. Das Wichtigste sei, die Kontakte zu unterbrechen, so Holetschek. Deswegen sei die Maßnahme zwar an sich richtig, aber sie müsse praxisnah ausgelebt werden können. Es müsse immer wieder zwischen der einzelnen harten Maßnahme und der Lebenswirklichkeit der Menschen differenziert werden, forderte er in der Talkrunde.

"Tränenreiche Zurückweisungen"

Ähnlich äußerte sich auch der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes Heinz Hilgers im Interview mit der "Passauer Neuen Presse": "Da werden Kinder gezwungen, sich zwischen Freunden zu entscheiden. Es wird tränenreiche Zurückweisungen geben. Das ist unbarmherzig." Es gebe keinen vernünftigen Grund für diese Maßnahmen. Die Kinder seien zusammen in der Schule und im Kindergarten, da müsse man auch ermöglichen, dass sie privat mehrere Freunde treffen.

Kinderarzt-Verband gegen Schulschließungen

Gegen Kontaktbeschränkungen bei Kindern ist auch Thomas Fischbach, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. "Jede Einschränkung für das Erleben von Freundschaften ist immer belastend, und für Kinder besonders", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Da Kinder bis zehn Jahre das Virus erwiesenermaßen deutlich seltener weitergeben, selbst wenn sie sich anstecken, ist die geplante Begrenzung auf einen Spielkameraden für diese Altersgruppe überflüssig und schädlich."

Für Jugendliche würde die Regel "hingegen Sinn machen, wenn die Kontaktbeschränkung dabei hilft, die Schulen offen zu lassen, denn Jugendliche sind ähnlich infektiös wie Erwachsene." Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sprach sich entschieden dafür aus, dass die Schulen und Kindertagesstätten für den Präsenzunterricht geöffnet bleiben.

Meidinger: "Schulbetrieb mit vollen Klassen brandgefährlich"

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, zeigte sich dagegen enttäuscht, dass beim Bund-Länder-Gipfel die Entscheidung über Einschränkungen an Schulen vertagt wurde. Das Infektionsgeschehen mache auch vor Schulen nicht Halt.

Im Interview mit dem BR sagte Meidinger am Montag: "Wir vom Lehrerverband sind enttäuscht, weil in der Tat ein Handlungsbedarf da ist." Das massiv ansteigende Infektionsgeschehen mache auch vor Schulen nicht Halt.

"Einfach den Betrieb mit vollen Klassen weiterlaufen zu lassen, ist brandgefährlich." Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Lehrerpräsident fordert umfassendes freiwilliges Zusatzjahr

Wegen der Corona-Krise schlägt Meidinger zudem umfangreiche Maßnahmen und Änderungen vor. Im BR-Gespräch erklärt der ehemalige Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf, dass er sich freiwilliges Wiederholen vorstellen kann. Es gebe mehrere Möglichkeiten, um Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrern den Druck zu nehmen, so Meidinger.

Piazolo reagiert verhalten

So ganz konkret sei der Vorschlag Meidingers nicht gewesen, wiegelte Bayerns Kultusminister Piazolo (Freie Wähler) beim Thema Wiederholungsjahr dagegen ab. Es ginge wohl eher darum, Schüler mit Wissenslücken zu unterstützen, etwa mit Brückenkursen. Alles Weitere müsse man nochmals besprechen.

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