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Krisengipfel: Über diese Themen streiten die Bischöfe | BR24

© picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Kölner Dom vor dramatischer Wolkenkulisse

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    Krisengipfel: Über diese Themen streiten die Bischöfe

    Die katholische Kirche befindet sich in einer schweren Krise. Die schleppende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, der Widerstand Roms gegen Reformen und immer mehr Kirchenaustritte. All das beschäftigt die Bischöfe auf ihrer Frühjahrstagung.

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    Von
    • Tilmann Kleinjung
    • Martin Jarde

    "Mach es wie Luther", dachten sich die Frauen der Bewegung Maria 2.0 und hefteten am Wochenende ihre Forderungen an Kirchentüren im ganzen Land. Es geht ihnen um eine geschlechtergerechte Kirche, in der auch Frauen Zugang zu allen Ämtern haben, um eine zeitgemäße Sexualmoral und immer wieder um den Missbrauchsskandal.

    Wohl viel mehr Missbrauchsfälle in Köln als bisher angenommen

    Dass sich die katholische Kirche nicht nur in Köln mit der Aufarbeitung der Missbrauchsverbrechen so schwertut, erzürnt auch engagierte Katholikinnen wie Hiltrud Schönheit, die Vorsitzende des Katholikenrats in München. Sie befürchtet, dass es auch in der größten bayerischen Diözese immer mehr Menschen gibt, "die sagen: Mit dieser Kirche kann ich nichts mehr anfangen."

    Es geht immer wieder um das eine Thema: Missbrauch. Aktuell um die Aufarbeitung der Missbrauchsverbrechen im Erzbistum KöIn. Kardinal Rainer Maria Woelki hält eine Untersuchung dazu unter Verschluss und hat eine zweite Studie in Auftrag gegeben. Aus der kursieren bereits Zahlen: Demnach gibt es in Deutschlands größter Diözese viel mehr Fälle als bisher angenommen.

    Katholiken treten scharenweise aus Kirche aus

    In Köln treten Katholikinnen und Katholiken gerade scharenweise aus der Kirche aus. Nun ist die Sorge der Bischöfe groß, dass daraus ein Flächenbrand wird. Die hohen Austrittszahlen - auch das ist ein Thema heute bei der virtuellen Tagung der deutschen Bischöfe. Der Würzburger Bischof Franz Jung zeigt Verständnis.

    "Es erfüllt mich mit einer großen Traurigkeit, wenn Menschen der Kirche den Rücken kehren. Andererseits kann ich auch verstehen, angesichts der aufgeheizten Lage, dass die Geduld von vielen strapaziert wird." Bischof Franz Jung

    Die Ungeduld an der Basis wächst

    "Natürlich steigt die Ungeduld", sagt auch Christoph Uttenreuther, Pfarrer im fränkischen Hallstadt. Er ist einer der Vertreter der Kirchenbasis, die mit den Bischöfen auf dem Synodalen Weg über Reformen in der katholischen Kirche diskutieren: eine gerechtere Verteilung der Macht, Ämter für Frauen, möglicherweise sogar Ausnahmen vom Zölibat.

    Er glaubt allerdings nicht, dass durch Reformen die Kirchenaustritte in den Griff zu bekommen sind, "so wenig wie sie die evangelische Kirche in den Griff bekommt, die ja all diese Probleme nicht hat", sagt Uttenreuther. "Das heißt aber nicht, dass wir keine Reformen brauchen."

    Ausgangspunkt für den katholischen Reformprozess war die Frage: Welche Lehren muss die Kirche aus dem massenhaften Missbrauch von Minderjährigen ziehen? Vielleicht war das der zweite Schritt vor dem ersten.

    Bischöfe tun sich schwer mit Aufklärung von Missbrauch

    Der Streit um die Missbrauchsstudien in Köln zeigt, wie schwer sich die Kirche mit der Aufarbeitung und Aufklärung der Verbrechen tut. Deshalb fordert die Opfervereinigung Eckiger Tisch mit ihrem Sprecher Matthias Katsch in einer Petition den Bundestag auf, sich einzumischen. "Wir brauchen das Parlament, das die Aufsicht führt", sagt Katsch im Bayerischen Rundfunk. Die Kirche habe in Köln exemplarisch gezeigt, dass sie das selbst nicht leisten kann.

    Nachdem Kardinal Rainer Maria Woelki bei der Aufarbeitung der Missbrauchsverbrechen im Erzbistum viel Vertrauen verspielt hat, wird er sich bei der Frühjahrstagung der Bischöfe unangenehme Fragen anhören müssen. Denn dass da in Köln etwas schiefgelaufen ist, das bekommen alle zu spüren. Auch der Würzburger Bischof Franz Jung.

    "Wir sind als Kirche immer in einer großen Haftungsgemeinschaft. Wenn's irgendwo Probleme gibt, dann schlägt das auf alle durch. Wenn's in Köln Probleme gibt, gibt's auch in Würzburg Probleme." Bischof Franz Jung

    Andere Bischöfe gehen noch deutlicher ins Gericht mit ihrem Kölner Kollegen: "Der Schaden für die katholische Kirche ist groß", sagte etwa der Münchner Kardinal Reinhard Marx vor zwei Wochen in einem Interview.

    Weiterer Streitpunkt: Neue Rollen für Frauen

    Nicht nur der Streit um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals spaltet die Bischofskonferenz, umstritten ist auch die Frage, wie weit die deutschen Katholiken bei den Reformen überhaupt gehen können. Der Vorsitzende der Konferenz, Georg Bätzing, und sein Vorgänger Kardinal Reinhard Marx können sich durchaus neue Leitungsmodelle oder neue Rollen für Frauen vorstellen.

    Rom beobachtet Reformbemühungen mit Argwohn

    Eine kleine Minderheit um den Kölner Kardinal Woelki sieht dagegen kaum Spielraum für Reformen. "Natürlich gibt es einige Bischöfe, die sich dem versperren und immer im Hinterkopf haben: Rom wird das ohnehin verhindern", sagt Pfarrer Uttenreuther.

    Denn in Rom beobachtet man die Reformbemühungen in Deutschland mit besonderem Argwohn. Reform klingt verdächtig nach Reformation. Dass in vielen anderen Ländern die katholische Kirche vor denselben Problemen steht, wird dabei immer wieder übersehen.

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