BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Krisendienst - Hilfe in schweren Zeiten | BR24

© picture alliance / Photoshot

Frau in einer Krise (Symbolbild)

Per Mail sharen

    Krisendienst - Hilfe in schweren Zeiten

    Die dunklen Monate sind für Menschen mit seelischen Problemen besonders schwierig: Weihnachten mit allen Erwartungen, die sich oft nicht erfüllen, die Corona-Krise, die ungewisse Aussicht, was das neue Jahr bringt. Hilfe bietet der Krisendienst.

    Per Mail sharen
    Von
    • Katharina Wysocka

    Die Weihnachtszeit ist mit Wünschen und Erwartungen aufgeladen. Daher sind Dezember und Januar für Menschen mit psychischen Problemen mitunter keine leichten Monate. Und wenn die Weihnachtslichter weg sind, ist es immer noch dunkel und kalt.

    Hinzu kommen in diesem Jahr Corona-Einschränkungen. Menschen, die nicht mehr weiter wissen, können sich an die Leitstelle Krisendienst Psychiatrie wenden, dort sind Fachleute unter der Telefonnummer 0180 655 3000 erreichbar. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

    Mehr Hilferufe wegen des Lockdowns

    Seit Ende Oktober nehmen die Anrufe beim Krisendienst Psychiatrie wieder zu. Die stellvertretende Leiterin Petra Brandeier vermutet, dass dies auch mit den Nachrichten über steigendende Corona-Infektionen und dem Lockdown zusammenhängt.

    Wenn jemand anruft, versucht Brandmaier zunächst in Ruhe zu erfassen, worum es dem Anrufer wirklich geht. Eine Anruferin hatte zum Beispiel unglaublich Angst, andere mit dem Coronavirus anzustecken. Die Psychiaterin bespricht mit der Frau, woher die Angst rührt, um dann die reale Situation zu beleuchten:

    "Wie kommt sie dazu zu denken, dass sie jemand ist, der in jedem Fall infiziert sein könnte? Oder wo könnte sie sich denn überhaupt angesteckt haben? So nehme ich die tatsächliche Situation mit dem Klienten gemeinsam in den Blick. Und dann merken die Klienten in solchen Situationen ganz schnell selber, dass die Ängste oft überhöht sind." Petra Brandmeier, stellvertretende Leiterin Krisendienst Psychiatrie

    Selbsthilfegruppe oder Termin in der Klinik

    Für viele Anrufer bringt das "Gehörtwerden" schon spürbare Erleichterung. Dann können beide gemeinsam klären, wie eine sinnvolle Hilfe aussehen kann. Das kann zum Beispiel der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe sein oder ein schneller Termin in einer Klinik.

    Bei etwa jedem fünften Anrufer reicht das jedoch nicht aus, dann kommen zwei Fachkräfte persönlich zu den Hilfesuchenden nach Hause oder treffen sich mit ihnen an einem anderen Ort.

    Vorbelastungen verschärfen die Situation

    Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie rufen etwa sieben Prozent mehr Menschen beim Krisendienst an, sagt Petra Brandmaier. Meist sind es Menschen, die bereits mit psychischen Erkrankungen kämpfen und sich durch die soziale Abgrenzung alleine und einsam fühlen.

    Wie bedrückend diese Zeit insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist, erlebt auch der stellvertretende Vorsitzende der Oberbayerischen Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener, Rudolf Starzengruber. Er hat sein Leben im Griff, ist aber von seiner schweren Depression, begleitet mit Angstzuständen, nicht vollständig genesen:

    "Die Kleinigkeiten, die man sie sich gönnen könnte, die Highlights, also dass man rausgeht und mit anderen Menschen sich unterhalten kann, in der Kommunikation stehen kann. Das ist exorbitant wichtig. Was jetzt passiert, ist für mich und viele andere eine Katastrophe," Rudolf Starzengruber, stellvertretender Vorsitzender Oberbayerische Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener

    Ablenkung für psychische Gesundheit wichtig

    Doch auch Menschen ohne psychische Erkrankung, die alleine mit der Belastung nicht mehr fertig werden, können jederzeit anrufen, betont die Psychiaterin. Zum Beispiel Eltern, die zu Hause mit ihren Kindern überfordert sind, mit Homeschooling und der beengten Situation, in der die Kinder nicht mehr zum Sport- oder Musikunterreicht mit Gleichaltrigen können.

    Brandmeiers Empfehlung ist, sich gut bei seriösen Quellen über die Corona-Pandemie und die Vorsichtsmaßnahmen zu informieren, aber sich nicht nur noch mit dem Coronavirus zu beschäftigen und sich hineinzusteigern. Ablenkung sei in diesen Zeiten auch wichtig. Man solle nicht vergessen, das zu tun, was körperlich und seelisch gut tut. Das sei für jeden Menschen verschieden.

    "Der eine sagt, ich bin eigentlich immer einmal täglich mindestens zwei Stunden spazieren gegangen. Dann soll er das wirklich nicht lassen, sondern sollte es weiter pflegen. Andere Ressourcen, wie regelmäßig Angehörige zu kontaktieren, zu telefonieren, Kontakte, wo immer es geht, zu pflegen, die technischen Möglichkeiten zu nutzen." Petra Brandmaier, stellvertretende Leiterin Krisendienst Psychiatrie

    Denn um psychisch gesund durch die Corona-Krise zu kommen, ist es auch entscheidend, sich Zeit zum Ausspannen zu nehmen und sich Gutes zu tun.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!