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Die schweren Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan gehen weiter. Während Aserbaidschan einen Angriff auf die umstrittene Region Bergkarabach gestartet hat, beschießen sich beide Seiten mit schwerer Artillerie.

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Krieg um Bergkarabach: Aserbaidschan setzt Offensive fort

Aserbaidschan hat seine militärische Offensive in der umkämpften Region Bergkarabach am Dienstagmorgen fortgesetzt. Der UN-Sicherheitsrat will sich heute mit der Krise befassen, auch auf Betreiben Deutschlands.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Rüdiger Hennl

Die Truppen Aserbaidschans bewegten sich in Richtung der Stadt Füsuli und hätten vier armenische Panzer zerstört, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Baku. In der Stadt Gadrut starb eine ältere Frau bei einem aserbaidschanischen Drohnenangriff auf den Hof eines Hauses, wie die dortigen Behörden mitteilten. Drei Bewohner wurden verletzt. Die Zahl der bei den jüngsten Kampfhandlungen getöteten Menschen dürfte damit fast 100 erreicht haben.

Schwerste Gefechte seit Jahren

Aserbaidschan hatte nach eigenen Angaben bereits am Sonntag sieben Dörfer in Bergkarabach zurückerobert. Militärberichten zufolge nahmen die aserbaidschanischen Truppen in der Bergregion auch strategisch wichtige Anhöhen ein. Kämpfer aus Berg-Karabach versuchten den Angaben zufolge ohne Erfolg, die Stellungen wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Es handelt sich um die schwersten Gefechte seit Jahren. Beide Länder haben den Kriegszustand verhängt. Die Streitkräfte der ölreichen Republik Aserbaidschan sind denen des verarmten Armenien um ein Vielfaches überlegen.

UN-Sicherheitsrat tagt

UN-Generalsekretär António Guterres rief beide Seiten zum sofortigen Ende der Kämpfe auf. Guterres habe das dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev und dem armenischen Regier. Am Dienstag wird sich der UN-Sicherheitsrat mit den Kämpfen in dem zwischen Aserbaidschan und Armenien umstrittenen Gebiet befassen. Die Dringlichkeitssitzung des mächtigsten UN-Gremiums soll am Nachmittag (US-Ostküstenzeit) hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Initiative für das Treffen sei von Deutschland und Frankreich ausgegangen, hieß es am UN-Sitz in New York.

Bundesregierung fordert Waffenstillstand

Die Bundesregierung hatte gestern die Konflikt-Parteien wegen der Eskalation in der Kaukasusregion Berg-Karabach zu einem Ende der Kampfhandlungen aufgerufen. Der neuerliche Ausbruch des Konflikts sei eine "sehr gefährliche Entwicklung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Es müsse ein "sofortiger Waffenstillstand" erfolgen, außerdem müssten die Verhandlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan wieder aufgenommen werden.

Armenien hofft auf Russland

Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit Jahrzehnten um die mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Region Berg-Karabach. Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan, eine Unabhängigkeitserklärung der Region wurde international nicht anerkannt.

In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten sowie viele Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche sowie militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten, die in der Region mehr Einfluss anstrebt.

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