BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Krieg der Zukunft: Wie weit ist Entwicklung von Killer-Robotern? | BR24

© BR/Eva Lell

Israel gehört zu den Staaten, die das Vorhaben der Vereinten Nationen, so genannten Killerroboter zu verbieten, blockieren. Das Land nimmt in der Militärtechnik weltweit eine führende Rolle ein.

5
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Krieg der Zukunft: Wie weit ist Entwicklung von Killer-Robotern?

Killerroboter klingen nach Science-Fiction, sind aber längst Realität: Israel testet seit Jahren verschiedenste Systeme. Südkorea hat einen Killerroboter zur Grenzsicherung entwickelt. Und auch Russland, China und die USA basteln an neuen Waffen.

5
Per Mail sharen
Teilen

In Genf tagen in dieser Woche mehr als 70 Mitgliedstaaten der UN-Waffenkonvention zu Gesprächen über tödliche autonome Waffen. Diese werden auch als vollautonome Waffen oder "Killer-Roboter" bezeichnet. Bei dem zweitägigen Treffen heuer geht es unter anderem darum, ob die Vertragsstaaten sich auf einen internationalen Vertrag zur Regulierung von Killer-Robotern einigen können.

Dabei sind viele Staaten schon längst am Aufrüsten in Sachen Künstliche Intelligenz (KI) in der Militärtechnik. Autonome Waffen gelten in Washington, aber auch in Peking, Seoul und Tel Aviv, als der nächste große technologische Schritt, als dritte militärische Revolution - nach der Erfindung des Schießpulvers und der Atombombe. Und auch Nordkorea und Russland treiben die Entwicklung voran. Ein Überblick:

Israel: Entwicklung autonomer Waffen seit den 1990er-Jahren

Israel gehört zu den Staaten, die das Vorhaben der Vereinten Nationen, die Killer-Roboter zu verbieten, blockieren. Das Land nimmt in der Militärtechnik weltweit eine führende Rolle ein, schon lange setzt die israelische Rüstungsindustrie auf die Entwicklung autonomer Waffen: die mit Sprengkörpern ausgestattete Drohne Harpy etwa, die schon Anfang der 1990er-Jahren entwickelt wurde.

Ab 2008 arbeitete die israelische Armee gemeinsam mit Rüstungsfirmen an einem unbemannten, autonomen Militärfahrzeug, genannt "Guardium". Es patrouillierte ferngesteuert an der Grenze zum Gazastreifen und konnte, so zumindest die Aussage des Herstellers, mit verschiedensten Waffen bestückt werden. Ein eigens für die Weiterentwicklung dieses Fahrzeugs geschaffenes Konsortium wurde allerdings 2016 wieder aufgelöst. Das Unternehmen sei nicht profitabel und seiner Zeit voraus gewesen.

Modernste Technik und künstliche Intelligenz zum Grenzschutz

Seit Anfang 2016 ist ein Ford Pickup F-350 im Einsatz, der Border Protector, also Grenzschützer genannt wird. Er ist ferngesteuert und mit einer 360-Grad Kamera ausgerüstet. Vor wenigen Wochen haben Armee und Rüstungsindustrie Testergebnisse eines neuen Projekts namens Carmel vorgestellt: Das Ziel sind Schützenpanzer, in denen nur noch zwei statt bisher vier Soldaten sitzen. Die Panzer sind ausgestattet mit Steuerungselementen, Touchscreens und bedienen sich modernster Technik inklusive Künstlicher Intelligenz (KI).

All das soll den Soldaten helfen, Gefahren schneller und besser einzuschätzen. Die Entscheidung, eine Waffe abzufeuern, treffen immer noch Soldaten, sagte ein Vertreter der Rüstungsfirma Rafael. Ein Sprecher des Konkurrenten IAI betonte jedoch, das Ziel sei es, dass die Panzer vollautomatisch fahren, angreifen und töten. 

Russland: Konzern "Kalaschnikov" entwickelt Kampf-Roboter

Russland hat bereits eine Reihe von Kampfrobotern entwickelt, die – wenn noch nicht vollständig – zumindest in Teilen autonom handeln können. Einer der neuesten und bekanntesten heißt "Soratnik“ – grob übersetzt: "Kampfgefährte“. Sieben Tonnen schwer, bis zu 40 Stundenkilometer schnell. Entwickelt durch den Rüstungskonzern Kalaschnikov.

Das Kampfmodul des panzerähnlichen Roboters kann wahlweise mit einem Maschinengewehr oder einem Granatwerfer ausgestattet werden – und wird in erster Linie per Funk ferngesteuert. "Soratnik“ soll aber zugleich so programmiert sein, dass er Ziele auch selbstständig erkennen und angreifen kann. Ein System, dass ihn mit Drohnen kommunizieren lässt, sei ebenfalls mit an Bord.

Selbstständig handelnde Kampfroboter statt Soldaten

Und damit ist dieser Roboter nicht allein: Auch ein Modell namens "Nerechta“ soll in der Lage sein, sich mit anderen Kampfrobotern zu koordinieren. An einem weiteren Ausbau gerade dieser Kommunikationssysteme wird in Russland bereits gearbeitet – ebenso wie an der Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz (KI).

Denn bisher läuft das - in Ansätzen - selbstständige Handeln der Roboter über eine entsprechende Programmierung. Die fortgeschrittene Form des Typus "Nerechta 2“ soll so etwas wie der "Knappe des Soldaten der Zukunft“ werden – der auch durch Sprache und Bewegungen gesteuert werden kann. Vor fünf Jahren hat das russische Verteidigungsministerium ein umfassendes Programm für die Entwicklung der Militärrobotik gestartet – dieses läuft noch bis zum Jahr 2025.

USA: Zwölf Milliarden Dollar für Erforschung intelligenter Waffen

Auch die USA gehört zu jenen Staaten, die auf Künstliche Intelligenz (KI) in der Militärtechnik setzen. Zwölf Milliarden Dollar hat das Pentagon im Jahr 2015 für die Erforschung intelligenter Waffen bereitgestellt, Trump hat diesen Betrag noch einmal erhöht. Zuletzt hat Donald Trump am 11. Februar diesen Jahres ein Dekret erlassen, das die Führungsrolle der USA auf dem Forschungsfeld der Künstlichen Intelligenz sicherstellen soll - auch in militärischer Hinsicht "um die Bürger und das Land zu schützen".

Das neueste Strategiepapier aus dem US-Verteidigungsministerium enthält zudem einen Appell, die KI-Technologie rasch weiterzuentwickeln, ehe andere Länder aufholen könnten. Das gelte insbesondere für Russland und China. Gerade diese Länder investierten erheblich in künstliche Intelligenz für militärische Zwecke, heißt es in dem Papier.

Smarte Selbstschussanlage an der Grenze zu Nordkorea

In Südkorea hat die Firma Dodaam einen Killerroboter zur Grenzsicherung entwickelt, der auf drei Kilometer Entfernung ohne menschliche Hilfe mögliche Gegner unschädlich machen kann. Die smarte Selbstschussanlage wurde an der Grenze zu Nordkorea getestet, und Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sollen bereits Interesse bekundet haben.

Auch Indien ist nicht abgeneigt: "Man sollte die Sache nicht dramatisieren", wiegelte der Vorsitzende der Beratungen in Genf, der indische Botschafter Amandeep Gill, ab.

Menschenrechtler fordern Verbot vollautonomer Waffen

Anlässlich der stattfindenden Tagung in Genf forderte die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" einmal mehr ein Verbot vollautonomer Waffen. Neben zahlreichen moralischen, rechtlichen und technischen Herausforderungen bestünden "Sicherheitsrisiken und Schwierigkeiten, beim Einsatz autonomer Waffen Verantwortlichkeit herzustellen", heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Organisation. "Nur ein Verbot und positive Verpflichtungen können gewährleisten, dass Systeme, die Ziele auswählen und angreifen, keine ethischen Werte unterminieren und immer einer bedeutenden menschlichen Kontrolle unterworfen sind.“

Im Gegensatz zu ferngesteuerten Drohnen, die jetzt schon in Kriegsgebieten im Einsatz sind, arbeiten autonome Waffen ganz ohne menschliche Steuerung. Die Systeme entscheiden mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Kampfeinsatz selbst, welches Ziel sie angreifen, zerstören oder gar töten.

26 Staaten forderten 2018 ein Verbot von Killer-Robotern

Bei der Konferenz im letzten Jahr forderten 26 Staaten ein Verbot von Killer-Robotern. Deutschland will einen Verhaltenskodex.

Bei dem zweitägigen Treffen in dieser Woche in Genf geht es nun unter anderem darum, ob die Vertragsstaaten über einen internationalen Vertrag zur Regulierung von autonomen Waffen, verhandeln sollen. Eine Entscheidung fällt frühestens im November, wenn sie erneut in Genf zusammen kommen.