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Nach Havarie: Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" im Hafen | BR24

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Mehr als 24 Stunden nach dem Absetzen des Notrufes ist ein in Seenot geratenes Kreuzfahrtschiff mit hunderten Menschen an Bord sicher in einem norwegischen Hafen eingetroffen.

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Nach Havarie: Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" im Hafen

Das Kreuzfahrtschiff "Viking Sky", das während eines schweren Sturmes in Seenot geraten war, hat sicher im Hafen der norwegischen Stadt Molde angelegt. Alle 1.373 Menschen wurden gerettet. Passagiere berichteten von Angst und Chaos an Bord.

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Aufatmen auf der "Viking Sky": Das Kreuzfahrtschiff, das vor der norwegischen Küste in Seenot geraten war, ist in Sicherheit. Der Dampfer erreichte am Sonntagnachmittag den Hafen der Stadt Molde, wie das norwegische Fernsehen meldete. Vorausgegangen war eine dramatische Rettungsaktion.

Kreuzfahrtschiff in Seenot

Am Samstag hatte die "Viking Sky" einen Hilferuf abgesetzt. Wie bekannt wurde, war das Schiff nach mehreren Motorausfällen nur noch rund einhundert Meter von gefährlichen, unter der Wasseroberfläche liegenden Felsen entfernt gewesen. Im letzten Moment konnte der Anker geworfen und einer der vier Motoren wieder gestartet werden. Die Hustadvika-Bucht zwischen Ålesund und Trondheim gilt als eine der gefährlichsten Seegebiete Nordeuropas.

Videos zeigen dramatische Szenen an Bord

An Bord des erst zwei Jahre alten und 227 Meter langen Schiffes der Reederei "Viking Ocean Cruises" waren 1.373 Menschen, darunter 915 Passagiere und 458 Besatzungsmitglieder. Videos der Passagiere zeigen, wie die Möbel auf dem stark schwankenden Schiff verrutschten und Menschen in Rettungswesten auf ihre Evakuierung warteten.

Die ganze Nacht über wurden Menschen unter schwierigsten Bedingungen mit Rettungshubschraubern ausgeflogen. Allerdings ging das nur langsam voran, da jeder Passagier einzeln in den Helikopter gezogen werden musste, bis zum Stopp der Flüge am Sonntagvormittag waren erst 479 Passagiere auf diese Weise gerettet worden.

"Ich musste an die Titanic denken"

Im Rundfunksender NRK berichteten Menschen von ihrer Rettung. Der US-Amerikaner Rodney Horgen sagte, er habe gerade im Restaurant gesessen, als das Schiff heftig zu schwanken begonnen habe. Teller seien von Tischen geflogen, Menschen zu Boden gegangen. Ein Fenster oder eine Tür sei zu Bruch gegangen und eine Welle ins Schiffsinnere geschwappt.

"Ich musste an die Titanic denken. Ich dachte, das wäre das Ende." Rodney Horgen, US-amerikanischer Passagier.

Die Passagierin Janet Jacob sagte, so etwas Angsteinflößendes sei ihr noch nie passiert. Als sie mit dem Hubschrauber an Land gebracht worden sei, habe es "wie bei einem Tornado" gewindet.

Norwegische Polizei meldet drei Schwerverletzte

Nachdem drei der vier Schiffsmotoren wieder in Gang gebracht werden konnten, fuhr die "Viking Sky" am Sonntag unter der Hilfe von Schleppern in den Hafen von Molde. Laut norwegischer Polizei wurden 17 Menschen verletzt, drei von ihnen schwer.

Zwei deutsche Frauen unter den Passagieren

Laut der Reederei waren auch zwei deutsche Frauen im Alter von 74 und 66 unter den Passagieren. Ob sie bereits in der Nacht von Bord geholt wurden oder am Sonntag weiter auf dem Schiff ausharren mussten, war laut einem Sprecher von Viking Cruises zunächst unklar. Das Rote Kreuz teilte mit, viele der Passagiere seien traumatisiert. Sie würden psychologisch betreut.

MAN-Servicetechniker aus Augsburg unterwegs nach Norwegen

Warum ist das Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" vor der norwegischen Küste in Seenot geraten? Um diese Frage zu klären, ist momentan ein Team von MAN-Servicetechnikern aus Augsburg nach Norwegen unterwegs. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher dem BR. Die vier Dieselmotoren des Kreuzfahrtschiffs, die zwischenzeitlich ausgefallen waren, stammen vom Augsburger Motorenbauer MAN.

Frachtschiff-Besatzung in Sicherheit

In Sicherheit sind inzwischen auch die neun Besatzungsmitglieder des Frachtschiffs "Hagland Captain". Es war der "Viking Sky" nach deren Notruf zu Hilfe geeilt, hatte dann aber selbst mit einem Motorschaden zu kämpfen und war ebenfalls in Seenot geraten.

© dpa-Bildfunk

Der havarierte Frachter "Hagland Captain" am Sonntag vor der norwegischen Küste.